“Bitte machen Sie, was Sie wollen!”

Schweine im Börsensaal der IHK Frankfurt

Schwein gehabt an der Deutschen Börse in Frankfurt

… hat Koch heute abend den Gästen des Jahresempfangs der Industrie- und Handelskammer Frankfurt mit Blick auf den Wahlsonntag empfohlen. Was aber, wenn die Wählerinnen und Wähler etwas anderes machen? Zumindest klang er sehr siegesgewiss, und ein zufriedenes Strahlen huschte über sein Gesicht, als Hilmar Kopper, der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, ihn herzlich zwischen viel gedecktem Tuch im innersten Heiligtum der Deutschen Börse begrüßte.

Was sind heute noch 50 Millionen Peanuts, pardon D-Mark, die Hilmar Kopper 1994 nach der Immobilienpleite von Jürgen Schneider für unbezahlte Handwerkerrechnungen bezifferte - im Vergleich zu den 4,8 Milliarden Euro Defizit, die Josef Ackermann gestern bekannt gab? Erdnussfarmer unter sich, denke ich. Da passt Roland Koch irgendwie gut dazu. Immerhin hat der geschäftsführende MP die hessische Verschuldung in den vergangenen zehn Jahren von 22 Mrd. auf 34 Mrd. Nüsse, ähm Euro hochgebeamt. Ich erinnere mich an eine “Hart aber Fair” Sendung, als der Finanzexperte Kopper nach der Insolvenz von “Lehman Brothers” berichtete, dass er sein Vermögen überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren angelegt habe und im übrigen niemals Zertifikate kaufen würde. Alle Achtung! Wie schön, dass in einer Demokratie jeder machen kann, was er will.

Mir fallen die vielen Maskottchen auf, die die Händler auf oder neben die Bildschirme platziert haben. Schwarze Bären, grüne Bullen, bunte Püppies und zwei rosa Schweinderl. Die sind echt knuffig. Wieso hat ein Mann wie Roland Koch, der in Hessen so viel vergeigt hat, eigentlich immer so viel Schwein gehabt, grübele ich. Sein Kompetenz-Kurs müsste in Zeiten wie diesen - wie die DAX-Kurve vor mir an der Wand - eigentlich ins Bodenlose fallen. Staatsminister Hoff entwickelt sich seit gestern erneut zum Problembären (wofür die schwarzen Plastik-Bärchen leider nichts können), und der VGH hat heute die Position der SPD zum Nachtflugverbot auch noch bestätigt. Was, so Thorsten Schäfer-Gümbel, ”eine schallende Ohrfeige für den Juristen und amtierenden Ministerpräsident” ist.

Vielleicht ist die Welt aber gar nicht so ungerecht, wie sie manchmal scheint? Michael Paris und ich bekommen ne Menge Zuspruch und Schulterklopfen für unseren Wahlkampf. Und der rote “TSG” Buttons geht unter der Hand weg wie geschnitten Brot. “Der Neue” sei ein guter Mann, sagen etliche. Dann schau´n wir mal, wieviel Schweinderl die SPD am 18.01.2009 noch hat.

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2 Antworten zu ““Bitte machen Sie, was Sie wollen!””

  1. Holger Harms Meint:

    Sehr geehrte Frau Tursky
    Die von Ihnen oben angesprochenen Themen ( Börse und der Popanz
    um den vermeintlichen Sieg beim Flughafengerichtsentscheid )
    interessiert leider niemanden. Es sind die falschen Themen.

    Die Wahl ist ohnehin schon gelaufen aus folgendem Grund :
    Selbst qwenn die CDU noch von derzeit 41% auf wieder 36 % ab-
    rutscht und die SPD die 30% knacken sollte wird es locker für
    Kochs CDU reichen, denn :

    Aufgrund der desaströsen Lage der SPD wird es der CDU nach 2003 in Hessen gelingen fast 49 Direktmandate zu holen, womit auto-
    matisch auch 49 Sitze der CDU ( inkl. Überhangmandate ) zufallen,
    selbst wenn nach 2.Stimmenanteil ihr “nur” 42 zustehen würden.
    Zusammen mit lediglich 12 Sitzen der FDP ( ich tippe eher auf 17 )
    wird dies dann locker zu Mehrheit reichen.

    Es ist also völlig wurscht, wo die CDU zwischen 30% und 40% landen
    wird, da die SPD fast alle Wahlkreise ( bis auf 6 Betonrote rund um
    Kassel ) verlieren wird.
    Diesmal entscheidet die 1.Stimme diese Hessenwahl !

    Daher gibt es auch vermehrt unter der Hand verschieden Aufrufe
    auf komunaler Ebene unter CDU/FDP Wählern der FDP die
    2.Stimme zu geben, da eine CDU-Stimme unter 42% Gesamt-
    ergebnis ( 49 Sitze ) ohnehin “verschenkt” wäre.

    Ich tippe aufgrund der ganz aktuellen Zweitstimmenkampagne der
    CDU für die FDP mit etwa 38% CDU, 27% SPD und 15 % FDP.
    Der Rest ist völlig wurscht, da dann CDU und FDP weit über 60
    Sitze bekommen werden. Die Mehrheit würde dann statt bei 56
    bei ca. 58-59 Sitzen liegen.

    Wie gesagt, diesmal ist die Erststimmenauszählung entscheident.
    Das Gesamtergebnis ( 2.Stimmen ) ist eigentlich unerheblich.
    Auch ob mit oder ohne Linke ist diesmal nebensächlich.

    Die SPD verliert den Wahlkampf in den Wahlkreisen nach 1.Stimmen.

    Ich wünsche allen einen schönen Wahlsonntag.
    Holger Harms, Ginsheim

  2. Nikolaus Sieben Meint:

    Für einen nicht wahlberechtigten Nicht-Hessen wie mich, der sich dennoch natürlich einer politischen Heimat zugehörig fühlt, stellt sich die Lage vor der erneuten Hessenwahl ziemlich bizarr dar. Die Wahl wird offenbar nicht - wie beim letzten Mal Anfang 2008 und wie es eigentlich auch immer sein sollte - nach der von den Wählern so wahrgenommenen Bilanz der Regierung entschieden (Ergebnis war damals unleugbar die Abwahl des Amtsinhabers), sondern unter weitgehender Ausblendung politischer Inhalte vornehmlich auf Grund des Erscheinungsbildes der eigentlichen Wahlgewinnerin (SPD mit Ypsilanti) nach einem Wortbruch und während und nach der letztlich gescheiterten Regierungsbildung. Man kann nur ahnen, in welchem Gemütszustand die große Zahl hessischer Wähler, die Koch abgewählt haben, sich zur Zeit fühlen müssen, wenn sie erkennen, wie ein wegen seiner früheren Finanzaffären schwer belasteter Politiker gleichsam wie Phönix aus der Asche am Sonntag als Wahlgewinner in die Kameras lächeln darf. Leider berücksichtigt unser Wahlsystem (zurecht?) ja die Nichtwähler nicht, so dass bei zu erwartender Mobilisierung der konservativ-liberalen Wähler bei gleichzeitigem Wahlfrust des “linken” Lagers und insgesamt geringerer Wahlbeteiligung als 2008 die prozentualen Gewinne dem “brutalstmöglichen Aufklärer” eine dritte Amtszeit bescheren wird. Hessen vorn? Die Mehrheit der hessischen Wähler hat das 2008 verneint, warum nicht jetzt auch?