Umfrage-Sieger-Besieger
Die Frankfurter Rundschau titelt heute: “Die Aufholjagd des Thorsten Schäfer-Gümbel“. 32 Prozent der Wählerinnen und Wähler hätten ihn laut der neusten Umfrage gerne als Minister- präsidenten, Roland Koch (CDU) kommt nur noch auf 39 Prozent. Vor vier Wochen stand es im direkten Vergleich noch 24:44. Das ist ein mega-lausiges Ergebnis für einen Amtsinhaber und lässt uns für die verbleibenden 100 Stunden nochmal alle Kräfte mobilisieren.
Heute morgen waren Michael und ich schon um 7.30 Uhr am Otto-Hahn-Platz und haben an Schiller- und Carl-Schurz-Schüler “Neue Energie für Hessen” plus Flyer verteilt und anschließend am Schweizer Platz weitergemacht. “Bitte gehen Sie am Sonntag zur Wahl!” Immer wieder, lächeln, viele nicken, es ist kalt, es schneit. Aber wir sind unverdrossen. Die FR-Umfrage gibt heute mächtig Auftrieb.
Den Demo-Termin heute mittag und den Sternenmarsch für ein Recht auf gute Bildung für alle, für kleinere Klassen und Schluss mit G8-Schulstress und einen Politikwechsel in Hessen brauchten wir vor den Schulen nicht zu erwähnen. Wußten eh alle. Denn die Landesschülervertretung, die Landes-ASten-Konferenz, die GEW und der Elternbund Hessen hatten kräftig mobil gemacht. Und ganz ehrlich: Es waren zwischen 4000 und 5000 Demonstranten, die Zahl 1200, die irgendwo kursierte, stimmt nicht. Wenn man auf dem Römerberg mit Eintracht Frankfurt, der Galaxy und der deutschen Nationalmannschaft gefeiert und diverse 1. Mai Demos erlebt hat, kann man abschätzen, wann Frankfurts “Gut Stubb” voll ist. Und sie war gut voll!! Thorsten war da, Gernot, Michael und Turgut. Nur Roger fehlt, er wurde vorgestern am Meniskus operiert, will aber morgen abend beim Public Viewing in Hoechst in der ”Stadt Limburg” mit Krücken definitiv wieder mit an Bord sein.
Und wer sich langsam Sorgen gemacht hat: Leute, die Reflexe der hessischen CDU funktionieren noch - wenn auch nur rudimentär. Die Demo für eine bessere Bildung per Pressemeldung als “Instrumentalisierung des Bildungsthemas” und ”linke Propaganda-Veranstaltung” zu bezeichnen, ist echt schlapp. Aber Wortwahl adelt bekanntlich. Lenkt aber nicht wirklich vom Frankfurter Top-Thema des Tages ab. Denn der ”Victory-Mann” musste heute für das vierte Quartal 4,8 Milliarden Euro Verlust für die Deutsche Bank nach Steuern verkünden. Und war es nicht Roland Koch, der Josef Ackermann noch im Oktober 2008 als “sehr klug” lobte. Wieviel ist die “Stabilität, Kompetenz und Vertrauen”, von der die CDU-Plakate künden, in Zeiten wie diesen eigentlich noch wert?
Tags: Ackermann, Bildung, Demo, Energie, Frankfurt, Kleinere Klassen, Römerberg, SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, TSG, Umfrage








Januar 15th, 2009 um 11:20
Es nutzen doch alles Umfrageergebisse für Schäfer-Gümbel nichts, wenn die SPD keiner wählen mag. Mit der Andrea im Gepäck hat er einen schweren Rucksack zu tragen. Und wenn Frau Ypsilanti dann noch hilfreie Interwievs gibt wie http://www.welt.de/politik/article3016965/Ypsilanti-gibt-Partei-Rebellen-Schuld-an-SPD-Misere.html?page=0#article_readcomments
dann kann man nur sagen - das ist nicht hilfreich!
Und bezüglich Bildung: Warum kann man diese Debatte um die Schulformen nicht mal sein lassen? Es gibt alle möglichen Schulformen, die meisten Eltern haben die Wahl, sollten wir nicht alle Energie verwenden, die Schulen besser zu machen, anstatt immer wieder den ideologischen Streit aus den 70er Jahren aufleben zu lassen? Es sagt doch keiner, dass alles perfekt ist. Aber ein Hessen Abi zählt nun mal jetzt wieder mehr als zu Seite der SPD geführen Regierungen in Hessen. Und das unser dreigliedriges System durchlässig ist habe ich an so vielen Beispielen tatsächlich erlebt, so schlimm kann das alles nicht sein. Ja - wir brauchen mehr Lehrer, ja - die Unterrichtspläne müssen ausgemistet werden, ja - wir brauchen mehr Ganztagsbetreuung - da hat doch keiner etwas dagegen, das wollen doch alle. Aber bitte, liebe SPD, lasst doch endlich diesen ideologischen Streit!
Januar 15th, 2009 um 11:22
Super ! 5000 gegen die CDU-Koch-Bildungspolitik von über
6 Millionen Hessen.
“Grandiose” Beteiligung und ein Veto von lächerlichen 0,1 % !
Es war mal wieder eine plumpe Wahlkampfverantsaltung der ver-
sammelten Linken.
Was mich aber besonders ärgert ist, dass immer wieder bei
solchen Bagatellveranstaltungen kleine Kinder von ihren Eltern
missbraucht werden mit dem Brüllen von Parolen, die sie nicht
verstehen und dem Hochhalten von Schildern, die sie weder
lesen noch selber vertreten.
Also, sehr geehrte Frau Tursky, bei allem Respekt vor Ihrem Mut
hier den wohl schwersten Job im Blog zu überstehen und Ihren
ansonsten sehr sachlichen Beiträgen im Blog ( im Gegensatz zu
den oft unerträglich-polemischen Aussagen Ihrer Parteigenossen )
bitte ich Sie doch auf dem bildungspolitischen Teppich zu bleiben.
Denn wenn die hessische Schulpolitik angeblich so schlecht ist,
warum ist dann Hessen immer noch das wirtschaftsstärkste Land
in Deutschland mit unter Koch ständig steigender LFA-Zahlung von
zuletzt 3 Milliarden Euro. ( Wäre wohl kaum möglich, wenn in den
letzten 10 Jahren schlechtere Schüler als anderswo in den Arbeits-
markt kämen )
Aus “uns Beiden” ist ja auch was geworden und bitte behaupten Sie
jetzt nicht, das wäre der Verdienst der desaströsen rot-grünen
Schulpolitik der 80er, die koch heute noch beseitigen muss.
( Unterrichtsausfall, Lehrermangel, gemischte Eingangsstufe usw. )
Im Übrigen bedauere ich sehr, dass Sie keinen ausreichenden
Listenplatz bekommen haben und so leider garantiert im neuen
Landtag nicht vertreten sein werden.
Eine weitere Schande für die SPD :
Sie sind die einzige Disskutantin der Parteien hier, die nicht mehr
wieder gewählt wird ( neben Fr.Wissler ), und dann noch diesen schweren Job hier erledigen muss.
Ein weiteres Zeichen für den inneren Zustand des Y-SPD.
Alles Gute für Sie.
Holger Harms, Ginsheim
Januar 15th, 2009 um 22:00
Herr Harms, das sind ja tolle Worte die sie da finden.
Klingt fast so, als sei ganz Hessen mit der Koch’schen Bildungspolitik der letzten Jahre zufrieden.
Ich denke, das Wahlergebnis vom März 08 spricht da deutliche Worte. Und auch der geschäftsführende Kultusminister Banzer hat mehrmals Fehler eingeräumt.
Wie lange soll Koch denn noch die Möglichkeit bekommen, “aufzuräumen” wie sie es so schön formulieren.
Ich bin der Meinung, er hatte nun 10 Jahre Zeit und seine Bilanz ist schlecht. Punkt. Heute noch auf Fehler der letzten Rot-Grünen Regierung hinzweisen (nach einer Dekade) halte ich nicht für Zielführend.
Also hängen sie sich nicht ganz so arg aus dem Fenster…
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Nagelschmitt
Januar 15th, 2009 um 22:01
Es ist schon tragisch, dass wir Wähler bereits nach einem Jahr wieder zur Wahlurne müssen.
Schäfer-Gümbel als SPD-Kandidat finde ich gar nicht mal unsympathisch, aber die SPD kann ich auf keinen Fall wählen, zumal zu befürchten ist, dass Y. nach der Wahl wieder in den Vordergrund tritt. Mit Y. ist mir die Hessen-SPD einfach zu weit links.
Koch wollte man bei der letzten Wahl eigentlich nicht mehr, bekommt aber die Möglichkeit als Phoenix aus der Asche wieder da zu sein. Hätte die machtgeile Y. schnell nach der Wahl mit der CDU verhandelt und mit dieser koaliert, wäre vielleicht erreichbar gewesen, Koch auszuschließen (z.B. mit der Alternative Ffm. Oberbürgermeisterin).
Die FDP mit Hahn kann ich auch nicht mehr wählen. Der hat sich so eng an die CDU gebunden und keinen Milimeter erkennen lassen, evtl. eine Koalition mit SPD und Grünen einzugehen.
Dann kann ich auch das Original wählen, nämlich die CDU mit Koch (den man eigentlich ursprünglich nicht mehr wollte).
Die Grünen haben nur eine einzige Aussage “kein Flughafenausbau”. Als Anwohner um den Flughafen würde ich daher möglicherweise die Grünen wählen, da ich jedoch kein Anwohner bin, werde ich die Grünen, die sich ja auch von den Linken tolerieren lassen wollten, nicht wählen.
Eine kleine Hoffnung für die Wahl bleibt, dass nämlich DIE LINKE die 5%-Hürde nicht mehr schafft.
Januar 15th, 2009 um 22:04
Es gab schon einmal Schulen für Schüler von der 1.bis zur 10. Klasse, wo erst in der 8.Klasse entschieden wurde,wer das Potential für 12 Klassen,sprich Abiturialabschluß,hat.
Diese System war weltweit in der oberen Etage angesiedelt, es wurde für sehr viel Geld abgeschafft. Heute meint man landläufig, es erneut erfunden zu haben…..
Auch eine Vorschule hat es schon mal gegeben, wurde abgeschafft…der Rest ist ja bekannt.
Genauso erging es der Ganztagsbetreuung. Mütter,die ihre Kinder in Kindertagesstätten gegeben haben, um ihrem Beruf nachzugehen, waren Rabenmütter, wurden von der Gesellschaft verpönt, heute fordert man genau DAS…eigenartig.
Geschichte und die Entwicklung der Menschen ist nicht nur Politik, es ist ein Stückweit reales Lebensgefühl. Mario Arzt
Januar 16th, 2009 um 11:20
Sehr geehrter Herr Nagelschmitt :
Auch an Ihnen scheint das Ergebnis der letzten Wahl ( wie bei
einigen anderen Y-Anhängern auch noch ) vorbeigegangen zu sein.
Wenn man das Wahlergebnis nur unter Bildungszustimmung be-
trachtet, so hat nunmal die CDU die höchste Zustimmung erhalten.
Zugegeben die SPD-Einheitsschule hat nur 3000 Hessen weniger
überzeugt, als Koch´s 3-gliedriges System.
Von den Abneigung zu Grüner Bildungspolitik ganz zu schweigen !
Auch das FDP-Model hat wesentlich dazugewonnen !
Das hat nichts mit aus dem Fenster hängen zu tun, sondern mit
einfacher Mathematik ( die es ja wohl auch in der Einheitsschule
geben soll, oder ist dort 3000 +/- = Null ? )
Auch sollte man sich von grölenden Eltern, die mit jeder Schulform
unzufrieden sind, nicht beirren lassen, sondern an einem sachlichen
Dialog und sinnvollen Modifikationen festhalten.
Oder eine andere Frage :
Haben Sie sich mal mit einem “Hessenabitur” aus den 80er oder
90er bei einer Firma beworben und die mitleidigen Blicke der
Chefs oder Komkurrenten aus RLP, BY oder BW ertragen ?
Auch gerade durch das strenge Rost der Schulauswahl gilt das
Abitur aus Hessen nun wieder gleich viel und man hat die gleiche
Chance auf einem Job wie andere auch.
Nur diese Schüler beschweren sich natürlich nicht. Warum auch ?
Was nützt es einem sonst ein einfacheres Abitur in der Einheitsschule
zu erhalten, das dann auch viele weitere Schüler eigentlich nicht
schaffen könnten, wenn man dann wieder wie früher keinen Job
damit bekommt, da es nix wert ist.
Dies ist ein Scheinerfolg für Lernschwache und ein dicker Nachteil
für normale Abiturienten.
Januar 17th, 2009 um 11:33
Hallo Herr Harms,
wieviele CDU-Wähler sind denn ü55 und betrifft eine Entscheidung des Schulsystems noch ? Wahrscheinlich wesentlich mehr als läppische 3000!
Dass ältere Generationen an alten Systemen festhängen, liegt schon fast im Naturell.
Und dass das Abitur in einer integrierten Gesamtschule “einfacher” ist, weise ich entschieden zurück. Die meisten älteren Menschen wissen ja nicht einmal, dass die IGS ein Kurssystem hat (A[gym]/B[real]/C[haupt] in den Hauptfächern, und E[rweitert]/G[rund] in den Naturwissenschaftlichen Fächern).
Kein Wunder, wenn Sie es mit (zwangs-)Einheitsschule titulieren und kleinreden.
Anstatt Aufklärungsarbeit zu leisten, reden Sie die guten alten Zeiten hoch, um sich Ihre Stimmanteile (älterer Generationen) zu sichern. Das ist unzulänglich! Die Welt verändert sich viel zu dynamisch für Ihre verbohrte Politik von gestern.
Gruß, René
Januar 17th, 2009 um 13:37
Hallo Rene,
leider wieder ziemlich weit daneben… Ich bin 39 und habe 3 Kinder.
Genau deswegen will man seinen eigenen Kindern den Murks
ersparen, den man selber erdulden musste - inkl. des für nichts
zu gebrauchenden IGS-Gesamtschulen-Einheitsschulen oder
Vor-Koch-Hessen-Abitur, dass noch nicht einmal mit einem Realschulabschluss aus Bayern standhalten konnte damals.
Genau das meine ich: Nicht die, die laut schreien und nur um
schulfrei zu haben demonstrieren, sind in der Mehrzahl, sondern die, die aus eigener Erfahrung der 80er und 90er in Hessen diesen Bildungsmurks selber ertragen mussten - und ihre Kinder davor morgen mit der CDU-FDP-Wahl schützen müssen.
Aber ganz einfach : Am Sonntag werden wir ja sehen, welches Bildungskonzept in Hessen die Mehrheit erhält: ein CDU-FDP-gegliedertes Schulsystem mit einer starken Hauptschule oder das des Linksblocks wie auch immer sie diese “Bildungssoße” auch nennen wollen.
Auch ein Blick auf PISA und IGLU könnten Ihnen helfen: Alle vorderen Plätze sind mit Bundesländern belegt, die genau diese Schulvielfalt wie Hessen haben.
Was nicht heisst, dass es auch noch einiges zu verbessern gibt.
Wie gesagt, Sonntag wissen wir mehr.
Grüße, Holger
Januar 17th, 2009 um 14:39
Hallo Herr Harms,
sehen Sie, ich bin 25 und meine IGS Zeit liegt ca. 10 Jahre zurück.
Ohne den heftigen Protest meiner Eltern währe ich in einer Hauptschule gelandet.
Dass ich im SS09 mein Diplom in Regelstudienzeit schreiben darf, hat viel mit der Schulform IGS zu tun, das einem erlaubt, Stärken auszubauen und Schwächen zu bekämpfen. Und durch Wahlpflichtfächer / AG’s etc. werden Interessn geweckt.
Leider führt die konservative, herablassende Betrachtung der Schulform IGS zu einer Grundablehnungshaltung. In Anbetracht der Herausforderungen der Zukunft muss man auch die Schulform IGS fördern (z.B. wenn beide Elternteile in Vollzeit berufstätig sind).
Und wenn Sie von einer “starken Hauptschule” sprechen, dann nehmen Sie sich mal die Zeit, in Form der “Unterrichtsgarantie Plus” an solchiger auszuhelfen. Mal sehen, wie “stark” das Ihre Meinung beeinträchtigt, plakative Parolen weiterhin nachzusprechen.
Gruß, René
PS: Mit “älterer Generation” meine ich die oben angesprochenen ü55, zu denen Sie jetzt zweifelsfrei nicht gehören.
Januar 18th, 2009 um 11:15
Wer eine Einheitschule will, will Mittelmaß. Meiner Tochter haben die 4Jahre Grundschule gemeinsam mit bildungsfernen Schichten genügt. Noch weitere 6 Jahre gemeinsam mit nicht leistungsorientierten Mitschülern zu verbringen, hätte sie schlicht nicht ausgehalten.
Als Resultat der Einheitsschule wird es Privatschulen und Privat-Universitäten geben. (Siehe Frau Yps) und die Wirtschaft wird sich dort zuerst bedienen. Wir brauchen keine studierten Taxifahrer im 24. Semester Politologie, sondern leistungsbereite Menschen, die Deutschland nach vorne bringen.
Januar 18th, 2009 um 15:28
@ Herr Harms
Vielen Dank für das Kompliment betreffend meiner Art zu schreiben.
Führt in Diskussionen weniger zu Verletzungen. Obwohl ich in diesem Wahlkampf im realen Leben recht viel einstecken musste. Und meinen Listenplatz, tja natürlich wäre ich gerne weiter vorne gewesen. Aber mit meinen Positionen bin ich in der Frankfurter SPD nicht unumstritten. Mal schauen, wie das alles morgen weitergeht. Mein Fazit ist: Es ging nicht um mich, oder die SPD. Es ging bei dieser Wahl am Ende um etwas ganz anderes. Und dann muss ich das eben hinnehmen.
mfg
pth