Die Hütte brennt

Franz Müntefering und Roger Podstatny

Franz Müntefering und Roger Podstatny

Satte 18,2 Milliarden Euro schießt der deutsche Steuerzahler unter dem Druck der Finanzkrise in die Commerzbank. „Die neue Staatsbank“ schreibt die FNP von heute. “Damit ist auch der große Nimbus von Koch hin”, nickt Franz Müntefering, der auf Einladung von Gertraud Lauber vom IG BCE Bezirk Frankfurt heute nachmittag im Wahlkreis von Roger Podstatny in Höchst Station macht. “Die Hütte brennt”, bekräftigt er. Jetzt liege es an der Politik, zu schauen, was man tun kann, damit die Menschen das Vertrauen in die Wirtschaft nicht endgültig verlieren. „Was bei der Commerzbank stattfindet, hätte man vor fünf Jahren als blanken Sozialismus bezeichnet.“

Beifall, zustimmendes Nicken von den ca. 50 Betriebsräten der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, die mit dem SPD-Parteivorsitzenden dann fast zwei Stunden diskutieren. Über den nächsten Rettungsschirm für Unternehmen, über Leiharbeit und Mindestlohn, Beschäftigungsprogramme und Gesundheitsreform. Und das Bekenntnis zur Industriegesellschaft.

“Können wir nicht jetzt die Leute, die um ihre Arbeitsplätze bangen, in Fortbildung schicken?” fordert ein Gewerkschafter. “Franz, wir müssen die befristeten Verträge endlich zurückdrängen, nur unbefristete Verträge geben jungen Menschen, die eine Familie gründen wollen, auch die notwendige Sicherheit”, appelliert ein zweiter eindringlich an den SPD-Vorsitzenden. Und ein Dritter erzählt, dass junge Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen gar nicht erst Kredite für Anschaffungen bekämen. Müntefering hört zu, notiert die Fragen, wägt die Antworten.  Als Gewerkschafter und Demokrat könne er sich nicht damit abfinden, dass Geld die Welt regiere. “Billig können andere Länder besser, deshalb müssen wir gut sein”, bekräftigt er. Und dann blitzt wieder der Wahlkämpfer durch.: “Ihr müsst jetzt alle mithelfen, Schwarz-Gelb zu verhindert! Koch ist doch Teil dieses riesigen Problems, das wir jetzt haben!”

Ich hab von 1999 bis 2002 in Berlin in der Pressestelle beim SPD-Parteivorstand gearbeitet. Damals war Franz Müntefering Generalsekretär und wurde mein Vorbild. Der ließ irgendwie nie locker. Kam nicht in Frage für den alten Herrn. Zehn Jahre später hat sich der Wahlkämpfer Franz Müntefering kein bisschen geändert. Hart, klar, energisch. “Lasst Euch von den Umfragen nicht beirren.” Unwillig schüttelt er den Kopf. “Entschieden ist noch überhaupt nix!” Punkt! Bei der Bundestagswahl 2005 hätten 25 Prozent der Wahlberechtigten erst in den letzten 50 Stunden ihre Wahlentscheidung getroffen. “Und dann kam die CDU mächtig ins Rutschen. Erinnert Euch! Packt jetzt mit an! Bündelt Eure Interessen.“

Dann geht er. Zu Opel. Zum nächsten Termin, wo Thorsten Schäfer-Gümbel schon auf ihn wartet. „Ein guter Mann“, sagt Müntefering anerkennend in die Runde. „Der Thorsten gibt dem Land neue frische Luft!“

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