Heiße Phase, kalte Nase
Treffpunkt: 3.30 Uhr. Morgens! Müde und fröstelnd steige ich in den Wagen. Heute ist der zweite Tag unserer Wahlkampftour, mit drei Bussen geht’s quer durch Hessen - zwei Wochen lang. Pünktlich zum Kälteeinbruch - na klar. “Arktische Kälte”, “klirrender Frost”, “sibirische Temperaturen von bis zu minus 20 Grad”. Das sind Aussichten, wenn man zwei Wochen Straßenwahlkampf vor sich hat und noch mit dem Niederkämpfen einer fiesen Weihnachtsgrippe beschäftigt ist.
Mutter hatte es geahnt; zu Weihnachten gab’s dicke Socken, Handschuhe und gleich zwei Winterjacken, “damit Du am Infostand nicht frierst”. Da war’s aber schon zu spät. Und angesichts dieser Temperaturaussichten hätte ich nun die Ausrüstung für eine Polarexpedition gebraucht.
Für uns heißt der heutige Startpunkt Lollar. Das liegt bei Gießen. Und da ist zwischen viertel nach fünf und halb sieben Schichtbeginn bei Buderus, einem Unternehmen für Heiztechnik, wie passend. Hilft ja alles nix, wenn man die Arbeiternehmer erreichen will, dann muss man mit ihnen aufstehen - auch bei minus 10 Grad.
Der Kreisverband hat gut mobilisiert für die Uhrzeit. Schnell die gut sichtbaren DIE LINKE Warnwesten über die dicken Jacken gezogen, postierten wir uns vor den Toren, ausgestattet mit Flugblättern, Postkarten, dem Wahlprogramm und dem ganzen Krams, den Parteien im Wahlkampf so verteilen: Kugelschreiber, Feuerzeuge, Gummibärchen. Das frühe Aufstehen und das Ausharren in der Kälte bringt Anerkennung bei den Beschäftigten - und auch einige mitleidige Blicke. “Schönes Wetter habt Ihr Euch ausgesucht” - von wegen ausgesucht, weder das Wetter noch den Wahlkampf.
Unsere Flyer werden interessiert entgegengenommen, “Arbeit sichern” und “Hartz IV muss weg” - das kommt gut an. Nach einer frostigen Stunde geht’s weiter zum nächsten Betrieb, Firma Schunk in Heuchelheim, und nach einem Kurzfrühstück wieder raus, erst vor die Arbeitsagentur, dann zum Infostand in der Innenstadt. Immerhin ist jetzt strahlender Sonnenschein und der Infostand gut frequentiert. Unsere Plakate werden gelobt, insbesondere “Casino schließen” mit der Frankfurter Skyline im Hintergrund scheint angesichts der Bankenkrise den Nerv zu treffen. Ein Cafébesitzer bringt uns heißen Kaffee an den Stand und wünscht uns viel Erfolg. Gerade mal 12.00 Uhr ist es. Es wird wohl wieder ein langer Tag in diesem kurzen Wahlkampf …
Tags: DIE LINKE, Frühaufsteher, Kälte, Werkstore, Winter







Januar 6th, 2009 um 20:12
Kleiner Scherz zum Wahlkampfauftritt:
Wieso kalt? In “Ihrem” kommunistischen Musterland Russland ist es noch viel kälter… Wollen Sie nicht unentweg “diese” Zustände auch bei uns?
Was meinen Sie, wie kalt es erst hier wird, wenn wir diese von Ihnen bevorzugten Zustände erst bei uns haben?
Vom Gas-Abdrehen für ungeliebte Staaten ganz zu schweigen…
Januar 6th, 2009 um 20:43
Wünsche Dir gute Besserung, mit Grippe Wahlkampf ist echt hart.
Januar 7th, 2009 um 00:22
- Unsere Flyer werden interessiert entgegengenommen, “Arbeit sichern” und “Hartz IV muss weg” - das kommt gut an. -
Also ich habe bislang es immer so erlebt dass die Menschen die Flyer der ‘linke zwar oft annehmen sie dann aber in der nächsten Mülltonne verschwinden. Wäre seltsam wenn es bei dem Stand von euch gestern anders war.
Januar 8th, 2009 um 09:07
Ich denke: das gilt für alle Parteien, oder glaubt Ihr, dass die Flyer von CDU und SPD immer mit großem Interesse gelesen werden?
Ich glaube das nicht und trotzdem ist es sinnvoll. Denn wenn man nur einige dieser Leute dazu bringt, sich mit den politischen Themen auseinanderzusetzen, dann hat man als aktiver Wahlkämpfer sein Ziel erreicht.
Januar 9th, 2009 um 11:19
@Sahaid:
Das kann schon sein, dass es Leute gibt die unsere Flyer in den Müll schmeissen.
Hier bei uns im Wahlkreisbüro schauen jedoch täglich Leute rein und fragen danach… Auch die ersten Anfragen nach “Hartz IV muss weg”-Plakaten fürs heimische Wohnzimmer waren schon dabei.