Und jährlich grüßt das Murmeltier… nicht ganz

Ein bisschen Star Trek-Feeling ist schon: Wie durch eine Verschiebung des “Raum-Zeit-Kontinuums” stehe ich nun wieder am Jahresanfang, beschäftige mich mit Plakaten und Spots, mit Wahlkampf-Logistik und Presseperspektiven, wundere mich über die Sinnhaftigkeit manches Manövers der politischen Konkurrenz und freue mich auf unsere Wahlparty am 18. Januar, wenn endlich die ganze Spannung abfällt.

Es gibt aber mindestens einen spürbaren Unterschied bei der Wahl der Kommunikationsinstrumente in diesem Wahlkampf: Schon in diesem knappen Jahr seit der letzten Landtagswahl ist die Bedeutung der Internet-Kampagne deutlich gestiegen. Die Grüne Jugend Hessen bleibt 24 Stunden gegen Atomstrom wach und überträgt das live ins Netz, viele KandidatInnen sind bei Vernetzungsplattformen wie facebook präsent und twittern eifrig, youtube nutzen alle Parteien noch intensiver und der hr hat sein schon letztes Mal gutes Online-Angebot zur Wahl um interessante Aspekte ergänzt, z.B. dieses blog. Gleichzeitig werden die üblichen Fragen immer wieder gestellt: Wieviel bringt eigentlich Wahlkampf? Welchen Einfluss hat beispielsweise Plakatgestaltung auf eine Wahlentscheidung? Wie hoch ist der Bauchentscheidungs-Faktor vor dem Setzen des Kreuzchens?

Selbstverständlich auch: Wie selbstreferentiell ist das Web in einer Wahlkampagne? Überschätzen wir es in seiner Bedeutung (in Europa) nicht maßlos, weil nur eine kleine Minderheit es nutzt, um sich politisch zu informieren und zu beteiligen? Soll heißen: Führen all diese (verhältnismäßig) neuen Instrumente nicht zu einer Scheinwelt, die sich mehr mit sich selbst beschäftigt als reale Bedürfnisse zu befriedigen?

Ich bin sehr gespannt über die Analysen zum Internet-Wahlkampf nach dieser Landtags- aber sicher auch nach der Bundestagwahl im September. Und ich bin gespannt auf Ihre Meinung dazu.

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6 Antworten zu “Und jährlich grüßt das Murmeltier… nicht ganz”

  1. Henning Meint:

    War das jetzt bewusst provokativ, um eine Debatte anzuzetteln? Bei den Fragen nach der Relevanz von Internet-Wahlkampf werden einige Punkte oft vergessen:

    1.) Blogger/Twitterer etc. sind oft Meinungsführer in ihrem Umfeld (das nicht zuletzt dank des Webs recht groß ist). Ihre Meinung wird von vielen gehört. Mein Blog gehört ganz sicher nicht zu den großen in Deutschland und dennoch habe ich 500-700 Leser am Tag. Und ich schreibe sehr viel über Politik und das lesen bei weitem nicht nur besonders Politikinteressierte.

    2.) Wahrgenommen werden meist nur die Menschen, die sich aktiv in Debatten einmischen. Vergessen wird die große Masse, die stumm mitliest. Viele von den stillen Mitlesern sind übrigens die, die am Infostand einfach vorbeigehen. Hier erreicht man sie, weil sie jederzeit wegklicken können. Die Schwelle ist geringer - sowohl zum Kommen als auch zum Gehen.

    3.) Politische Kommunikation im Web steht in Deutschland noch am Anfang. Wer jetzt schon lernt, damit richtig umzugehen, hat auf jeden Fall Vorteile bei späteren Wahlkämpfen. Nicht zu vergessen übrigens, dass auch die ältere Generation massiv ins Netz drängt (Stichwort “silver surfer”).

    Ich weiß nicht genau, wie deine Fragen gemeint waren, aber sie wirken so als würdest du den ganzen Internet-Wahlkampf überhaupt nicht ernstnehmen, siehe hier: http://twitter.com/chris_politicus/status/1096888922

    Würde mich freuen, das Gegenteil zu hören…

  2. Petra Tursky-Hartmann Meint:

    Hallo Kai. Beim “Star Trek Feeling” ging mir schon ein Gedanke durch den Kopf. Wenn Raumschiff Enterprise heute an der Erde vorbeifliegen würde, dann wäre das sicher nicht so leise, wie in den alten Filmen über die unendlichen Weiten des Weltalls. Sondern die Erde würde sicher als eine immer lauter werdende, piepsende, twitternde, mailende, klickende, plappernde Discokugel vorbeiziehen, die man schon von weitem kommen hört. Das heutige Kommunikationsgewitter würde Mr. Spock sicher ein “faszinierend” entlocken. Als Ökopartei würde ich mich da herausgefordert fühlen ;-). lg pth

  3. Kai Klose Meint:

    Lieber Henning,
    danke für Deinen Kommentar, der mir hilft, eine offensichtlich nötige Klarstellung vorzunehmen.
    Bereits Deine erste Frage kann ich mit einem klaren “ja” beantworten. Ich teile das, was Du schreibst, in allen Punkten. Die von mir aufgeworfenen Fragen wollte ich nicht als meine eigenen verstanden wissen - es sind aber Fragen, die mir in meiner Funktion als Wahlkampfleiter der hessischen GRÜNEN immer wieder begegnen, wenn es um die Bedeutung des Internetwahlkampfs geht. Es sind dicke Bretter zu bohren, um die webbasierte politische Kommunikation über das Einbahnstraßen-Dasein hinaus weiterzuentwickeln. Ganz sicher lernen auch wir täglich dazu und Anmerkungen wie Deine oder die auf http://www.homopoliticus.de helfen uns, besser zu werden.
    Daher: Mein Ziel war es, die Vorurteile und Zweifel über die Bedeutung von Internet-Wahlkampf, denen ich begegne, aufzuschreiben und zu diskutieren. So war “Gleichzeitig werden die üblichen Fragen immer wieder gestellt:” gemeint - sorry, wenn das schräg kam.

  4. Henning Meint:

    @Kai
    Danke für die Klarstellung. Das Schwierige ist halt, dass das oben anders wirkt und sicher jetzt einige denken “Die Grünen nehmen das Internet nicht ernst”. Die Kommentare liest schließlich nicht jeder. Daher Vorsicht mit solchen Fragen, besser deutlich als fremde kennzeichnen, sonst gibt’s leicht Missverständnisse.

    Wünsche weiterhin nen erfolgreichen Wahlkampf und dass ihr die überaus gute Grundstimmung in Hessen über die Arbeit der Grünen auch in Wählerstimmen ummünzen könnt. Hinter der Kulissen helf ich ja auch schon mit, wo ich kann.

  5. Christian Soeder Meint:

    Die Klarstellung macht es auch nicht viel klarer. Von einem Wahlkampf-Blog erwarte ich Wahlkampf (Kommentare, Gedankensplitter, Analysen, was auch immer), und nicht die x-ste Debatte über Sinn und Unsinn vom Web 2.0. Es kann also nur besser werden. :D

  6. Petra Tursky-Hartmann Meint:

    Hallo Christian

    mit sich selbst macht Wahlkampf leider nur begrenzt Spaß und die Zahl der Konflikte zwischen Rot-Grün würde ich momentan noch als “überschaubar” bezeichnen.

    Mal gespannt, wann das bürgerliche Lager hier in die Puschen kommt. “In Zeiten wie diesen” sind sie anscheinend mega-sicher, dass sie den 18. Januar in der Tasche haben. Sonst wären die sicher schon hier auf´m Acker.

    Gute Nacht, ich bin noch ne Runde in http://www.kandidatenwatch.de und mach dann den Orgaplan für Samstag für die Veranstaltung mit dem “Ministerium für Tuntensicherheit” fertig. Wir gehen zum Lachen nicht in den Keller sondern in eine Galerie :-)