Vorhin musste ich mich mal wieder aufregen. In den Nachrichten im Deutschlandfunk haben sie eine Meldung gebracht, die eigentlich gar keine Meldung war. Der vermeintliche Experte, auf den sich die gesamte Meldung stĂŒtzt, hat in wirklichkeit nĂ€mlich nicht die leiseste Ahnung.
Ohne die vor zehn Jahren eingefĂŒhrte GemeinschaftswĂ€hrung [den Euro] hĂ€tten die Staaten des Euroraums in weit gröĂere Schwierigkeiten geraten können
“HĂ€tte geraten können” heisst nichts anderes, als das er nicht weiss, was passiert wĂ€re, wenn es den Euro nicht gegeben hĂ€tte. Genausogut kann man sogar etwas so absurdes behaupten, wie dass es zu Ohrenschmerzen hĂ€tte fĂŒhren können, wenn es den Euro nicht gegeben hĂ€tte, und man hĂ€tte eine ebenso gĂŒltige Aussage getroffen. ĂberprĂŒfbar ist nĂ€mlich beides nicht. Man kann allenfalls mal gucken, welche Aussage plausibler ist.
Solange ein Umstand nicht eingetreten ist, kann man zwar eine Aussage darĂŒber treffen, welche UmstĂ€nde möglicherweise eingetreten wĂ€ren – daraus aber absolute SchlĂŒsse zu ziehen und die in die Schlagzeile zu packen, so dass der Eindruck gesicherter Erkenntnisse ensteht, halte ich fĂŒr unseriös.
“Euro hat sich als Schutzschild gegen Finanzkrise erwiesen”
Da hilft es auch nix, wenn mit “nach EinschĂ€tzung” und der Verwendung indirekter Rede die Verantwortung fĂŒr die IrrefĂŒhrung abgegeben wird an den Erfinder der Nullinformation und an einen anderen Sender, der die Nullinformation als erster verbreitet zu haben scheint.
Der Euro hat nach EinschÀtzung des Chefvolkswirts der EuropÀischen Zentralbank, Stark, die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise gemildert.
Ein aufmerksamer Hörer mag vielleicht noch mitbekommen, dass hier gerade eine Nullinformation verbreitet worden ist. Bei denjenigen, die aber durch irgendwas abgelenkt sind, wie es heutzutage beim Radiohören ja leider normal zu sein scheint, bleibt hauptsĂ€chlich die Schlagzeile hĂ€ngen. Die wird am Anfang gesagt, am Ende nochmal wiederholt – und behauptet in diesem Fall die Unwahrheit.
Der Pseuso-Experte scheint ĂŒbrigens auch zu wissen, dass er eigentlich gar nichts weiss. Darum sagt er auch nicht, dass ein Nichtvorhandensein des Euro zu Schwierigkeiten gefĂŒhrt hĂ€tte. Trotzdem wird er in den Nachrichten des Deutschlandfunks zitiert.
Warum eigentlich?