Lieber weiss wählen

Ich gehe wählen. Immer. Und wenn ich nicht weiss, was ich wählen soll, weil ich alle Parteien und/oder Politiker für unwählbar halte, gehe ich trotzdem wählen.

Und mache meinen Stimmzettel ungültig.

Weil ich damit dokumentiere, dass ich nicht politikverdrossen, sondern parteiverdrossen bin. Eine andere – und voraussgesetzt alle Nichtwähler würden ungültig wählen, ähnlich eindrucksvolle – Möglichkeit, den politischen Parteien mitzuteilen, dass man sie nicht mehr haben will, sehe ich leider nicht.

Und falls wir irgendwann sogar mal dahinkommen, dass bei einer Wahlbeteiligung von mindestens 90% mindestens 80% der Stimmen ungültig sind, kann auch eine Debatte zur Reform der politischen Willensbildung stattfinden. Hui, das wär’ was!

39 Kommentare zu “Lieber weiss wählen”

  1. von spoofy

    Ich möchte auf die häufig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendeten Dokumentationen zur deutsch-deutschen Vergangenheit hinweisen. Demnach hätten DDR-Oppositionelle eine einzige Möglichkeit gehabt, die sog. Einheitsliste abzuwählen und eine ungültige Stimme abzugeben. Alle vorgeschlagenen Kandidaten auf dem Wahlzettel mußten einzeln durchgestrichen werden. Ich finde, es handelt sich hierbei gerade auch im aktuellen Kontext um ein starkes Symbol mit Wiedererkennungswert. Bei der Stimmauszählung wird es sicherlich auch Leute geben, denen das zumindest ausfällt. Werden dann evtl. noch Nachzählungen gefordert, könnte sich ein noch größerer Kreis wieder erkennen.

  2. von Christoph

    Die Stadt der Sehenden

  3. von ben gunn

    Meine Rede!
    (immer schön “Demokratie!” quer über den Zettel schreiben)

  4. von landbewohner

    http://diewahrewahrheit.blogspot.com/

    siehe hier, gibt doch unsere parteienvielfalt

  5. von freiwild

    Eine ungültige Stimme wird aber wie eine nicht abgegebene Stimme gezählt. Das heißt, man stimmt nicht gegen alle, sondern für alle, bzw. für das Ergebnis, das die anderen wählen. Man bleibt also in der Verantwortung. Und in welche Richtung sollen sich den die Parteien bewegen, wenn es im nennenswerten Umfang ungültige Stimmen geben sollte. Mit jedem Schritt in die eine Richtung vergrätzt man die Basis auf der anderen Seite. Von daher sollte man akzeptieren, dass es keine Partei geben kann, die alle Position, die man selbst vertritt, übernimmt (sonst hätten wir 82 Mio Parteien in Deutschland), sondern die Partei wählen, die noch am ehesten seinen Überzeugungen entspricht. Und ggf. mitmischen, und auf die Partei Einfluss nehmen, wenn sie bei bestimmten Politikfeldern Murks baut. Konstruktiv mitarbeiten statt herummäkeln!

    Und falls man wirklich keine der großen Parteien wählen möchte, so besteht immer noch die Möglichkeit, eine idealistische, nichtextremistische Kleinpartei zu wählen (Piraten, Europa-Demokratie-Esperanto u.ä.). Wenn 10% der Stimmen plötzlich bei den unbekannten Listen lägen; das wäre mal ein Signal. Aber noch nicht die Nichtwahl, sei es direkt oder über die Variante ungültige Wahl. Ungültige Wahlen sind etwas für Wahlfarcen in Diktaturen. Und solange wir eine echte Demokratie, eine echte Wahl haben, sollten wir unser Stimmrecht ausüben. Mit einer gültigen Wahl!

  6. von tobi

    @ freiwild
    Ich glaube es geht bei Holgis Idee nicht darum, was gewählt wird, sondern um das Bild das entsteht. Wenn 60% der Leute nicht wählen gehen, können die Politiker immernoch sagen, dass sie zu faul wären. Wenn jetzt aber 60% der Leute ungültig Wählen, zählt diese Ausrede nicht unddie Politiker müsste sich eingestehen, dass es an Ihnen selbst liegt und sie etas ändern müssen.

  7. von Der Parteiverdrossene

    Zeit, die Partei “Die Parteiverdrossenen” zu gründen! Eine Partei ohne Wahlprogramm, die, sollte sie über die 5%-Hürde kommen, ihre Mandate unbesetzt lässt. Eine Partei mit dem Ziel, die anderen Parteien dazu zu bringen, wieder wählbar zu werden. Damit die anderen Parteien das Ziel haben, diese Partei aus dem Land-/Bundestag zu werfen, indem sie sich aufwerten, statt diese Partei nur abzuwerten. Schließlich gibt es weder Personal noch Programm, dass kritisierbar wäre. Kurz: Eine Partei als Parteiverdrossenheits-Barometer, die Druck auf die Politiker ausübt und sie so dazu bringen will, Entscheidungen für das Volk zu treffen!

  8. von Phil

    Die Frage, die sich mir dabei stellt, ist, ob sich die gewählte Partei mit ihren Kandidaten überhaupt dafür interessieren, ob und und wie viel Prozent der Stimmen ungültig waren. Gewählt ist gewählt und daran gibt es nichts zu rütteln. Ob nun 50.000 oder 5.000.000 Stimmen ist egal, wenn das Stimmenverhältnis passt und zum Sieg führt.

    @freiwild: ich glaube kaum, dass sich die Politiker irgendwas eingestehen, solange sie an der Macht sind. Wahrscheinlich werden sie sagen, dass die Wähler einfach zu blöd zum richtig wählen gewesen waren. Dann wird vielleicht das Bildungsbudget ein bisschen erhöht und gut ist.

  9. von Lieber gültig wählen « Dijkstrabühl

    [...] gültig wählen Ich bin soeben auf einen Blogpost von Holgi im Nightline-Blog gestoßen, den ich einfach nicht so stehen lassen kann, und zwar kündigt er an, absichlich [...]

  10. von Holgi

    @tobi, Phil
    Es geht mir um die Stimmung des Souveräns. Und der Souverän ist die Bevölkerung und nicht Parteien – auch wenn die sich das einbilden.

    Selbst wenn bei 100% Beteiligung 99,9% ungültig wären, würden diese Clowns das als “klaren Auftrag zur Regierungsbildung” deklarieren und versuchen, weiterzumachen, wie gehabt – das ist mir völlig klar.

    Nur würde sich ein Souverän, der auf so eindeutige Weise seinen politischen Willen (”keiner von euch”) bekundet hat, das möglicherweise nicht mehr gefallen lassen. Nicht zuletzt, weil sich sich die Einzelnen in ihrer Empörung nicht mehr alleine fühlen würden.

    Heute hingegen haben die Parteien es sehr leicht, den Willen des Souveräns zu ignorieren. Über zwei Drittel der Hessen wollte Koch nicht haben – und wer ist Ministerpräsident ohne dass auch nur ansatzweise eine ernsthafte öffentliche Debatte über dessen (moralische) Legitimierung stattgefunden hätte?

  11. von Sikk

    Auf http://www.buergerrechte-waehlen.de/ werden verschiedene Parteien bezüglich Ihrer Einstellung zu Bürgerrechten untersucht. bevor man garnichts wählt, kann man sich ja mal dort umschauen.

    Oder wie wäre es mit http://www.wahl-o-mat.de/europa/?

    Nichtwählen halte ich für die Stärkung der Konservativen. Die gehen nämlich nach der Kirche auf jeden Fall ins Wahllokal. Das gehört sich so. Bei 99,9 ungültigen Stimmen wären die restlichen mit Sicherheit CDU/CSU. Und die würde sich einen feuchten Kehrricht darum kümmern, schon garnicht, wenn sie die Wahl mit 100% (der verbleibenden Stimmen) gewinnen würden.

    Und an einen Aufstand glaube ich auch nicht. Noch nicht.

    Ciao,
    Sikk

  12. von Holgi

    Nichtwählen ist Scheiss.

  13. von oppie

    Ich bin der Meinung, dass die Rechtsextremen und Konservativen so viel höhrere Prozentzahlen bekommen würde!
    Wenn ich wählen dürfte würde ich vermutlich auch “ZENSURSULA” oder sonstiges draufschreiben.

  14. von Phil

    Wenn ich wählen dürfte würde ich vermutlich auch “ZENSURSULA” oder sonstiges draufschreiben.

    Aber eines ist doch klar: Wenn man nicht aktiv gegen eine Partei stimmt (indem man eine andere Partei wählt), stimmt man indirekt für die Partei. Da kann man noch so schöne Worte auf den Stimmzettel schreiben, das interessiert eh niemanden.
    Wer also gegen VDS, Internetzensur & Co. ist, sollte eine Partei wählen, die ebenfalls dagegen ist bzw. das ganze kritisch sieht.

  15. von SebDE

    Ich denke auch Phil. Auch wenn diese Partei eigentlich nicht wählbar ist, weil sie kein Gesamtkonzept hat (welche Partei hat das schon), ist es doch die einzige Möglichkeit Eindeutig gegen die aktuellen Tendenzen zu stimmen. Und seien wir mal ehrlich, selbst wenn wir die Hälfte der Internetbevölkerung in Deuschland dazu bringen könnten für diese Partei zu stimmen (andere Bevölkerungsteile kann man ohnehin nicht dazu bewegen), dann wird sie ohnehin den Einzug in das Europaparlament oder den Bundestag nicht schaffen. Aber es wird vielleicht genug Aufmerksamkeit erregen, dass hier etwas ganz böse in die falsche Richtung geht.

  16. von Interessent

    auch wenn ich gar nicht die vorangegangene konjunktivistische spekulation (”was wäre wenn, dann…) aufgreifen will:
    Glaubst du, Holgi, WIRKLICH daran, dass sich in dtschl. eine ausreichend große (”weiß-”)wählerschaft mobilisieren ließe? wenn ja, wie könnte dann deiner meinung nach eine mgl. organisation aussehen? vielen dank.
    gez. ein interessent.

  17. von ben gunn

    @phil&sebde:
    ich stelle dir zwei Teller mit Scheiße auf den Tisch, welche ißt du?
    Es geht nicht darum das kleinere Übel zu wählen, es geht darum den Parteien das Recht auf Herrschaft (zumindest symbolisch) zu verweigern. Da es keine Mindestwahlbeteiligung in diesem Land gibt, reicht schon einer, der ein Kreuzchen macht (jedenfalls theoretisch) um eine Wahl erfolgreich durchzuführen.
    Dein Recht als Teil des Souveräns ist es einen Vertreter für dich zu bestimmen. Wenn du keinen dazu in der Lage hälst solltest du es zum Ausdruck bringen.
    Die Argumentation, phil mit der aktiven Abstimmung gegen eine Partei erschließt sich mir nicht ganz, denn Ablehnung einer Partei zum Ausdruck zu bringen indem man irgendeine andere wählt ist nicht die Idee des Ganzen… In einer Demokratie sollte es in so einem Fall nicht darum gehen den Herrschenden um etwas Milde beim Regieren zu bitten, sondern ihnen das Recht auf Herrschaft zu verweigern.

    und @Interessent: warum brauchst du eine Organisation? Sollte dir diese Organisation sagen, dass du weiß wählen sollst? Oder meinst du etwas anderes?

  18. von SebDE

    ben, du argumentiert genau dafür eine Partei zu wählen, auch wenn sie nicht über die 5%-Hürde kommt. Nicht und ungültig wählen wird nämlich so gut wie nicht erfasst. 10 oder besser 20% Sonstige wird (muss) in Jeder Wahlberichterstattung erwähnt werden.

    Außerdem finde ich nicht das die Piraten grundsätzlich nicht wählbar sind. Aber ohne, das die Partei eine Größe erreicht hat um ein solides gesamtgesellschaftliches Konzept vorzulegen, wäre es sicher Irrsin das die Partei in irgendeinem Parlament ist, geschweige denn an der Regierungsbildung teilnimmt. Das verbietet schon der gesunde Menschenverstand. Egal wie sehr man mit dem kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit der Partei übereinstimmt.

    Aber noch mal was zu meinem Wahlverständnis im Allgemeinen. Die zwei (eigentlich nur noch eine) Volksparteien zu wählen ist ganz großer Murks. Es gibt erstens keinen qualitativen Unterschid zwischen den beiden und eine solche Wahl kann man nur rechtfertigen, wenn man Allem zustimmt was so bisher in der Politik verbrochen wurde. Man kann aber sehr wohl die politische Richtung einer Koalition beeinflussen indem man eine der kleineren Parteien wählt. Ob sie nun an der Regierung teilnehmen oder nicht. Mein Vater bergündet das immer gerne mit den Grünen, weil als sie erstarkten immer mehr “grüne” Gesetze erlassen wurden auch wo sie noch nicht in der Regierung waren. Ich find das zwar ein bisschen zu einfach gedacht, aber es macht das ganze sehr plastisch und ohne viel Text fassbar.

    Wir haben eine parlamentarische Demokratie in Deutschland. Das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Wenn es sowas wie Regierungsputsche in westlichen Ländern geben sollte, dann ganz ganz zuletzt in Deuschland. Also machen wir das beste draus und gehen wählen (eine Partei). Zumindest das sollte (muss!) jeder hinbekommen. Wenn’s denn etwas mehr sein darf, dann kan man ja immer noch in eine Partei eintreten und dessen Richtung aktiv mitbestimmen.

  19. von ben gunn

    @sebde
    Nicht-Wählen wird sowohl erfasst, schau dir mal an, wie bestürzt man reagiert auf unsere Wahlbeteiligung. Aber für dieses Phänomen gibt es immer eine Hilfsargumentation: “Das Wetter war zu schlecht, da sind die Leute zu Hause geblieben.” oder “Das Wetter war zu gut, da sind die Leute in den Urlaub gefahren.” Eine Beteiligung an dem Wahltheater bedeutet nichts anderes als “Weiter so! Das Prinzip ist total gut, nur konnten wir nicht genug Wähler mobilisieren. Wir brauchen bessere Wahlversprechen!”
    Ich halte unser Parteiensystem für völlig verkommen. Ich halte unsere (maßgeblichen) Politiker für verkommen.
    Niemand wird Rücksicht darauf nehmen, dass du irgendeine Splitterpartei wählst. Eine Partei die 30% der Stimmen bei ca. 50% Wahlbeteiligung erzielt wird dir weiterhin als “Volkspartei” verkauft werden und sie bildet mit einer anderen “Volkspartei” die Regierung.
    Es geht nicht um das Spiel, es geht um die Regeln und die gilt es in Richtung Demokratie zu ändern.

  20. von Phil

    In einer Demokratie sollte es in so einem Fall nicht darum gehen den Herrschenden um etwas Milde beim Regieren zu bitten, sondern ihnen das Recht auf Herrschaft zu verweigern.

    Und du meinst, das machst du durch eine ungültige Stimme, mit der du in Kauf nimmst, dass genau die gleichen Herrschenden wieder gewählt werden, weil die “gegnerischen Parteien” nicht genug Stimmen beisammen haben?

    Beispiel: Wenn ich nicht will, dass die CDU/CSU regieren, dann tue ich doch besser daran, eine (große) Partei zu wählen, die dem gegenüber steht anstatt meine kostbare Stimme zu verschenken, indem ich sie ungültig mache (< => nicht wähle). Es interessiert die großen doch einen feuchten Dreck, ob nun 20% der Stimmen ungültig sind oder nicht abgegeben worden sind, wenn sie weiterhin ‘herrschen’.

    Aber man muss natürlich auch sehen, dass man seine Stimme nicht an eine Zwergpartei verschenkt, die weder ein vernünftiges Programm noch vernünftige Leute haben. (PS: Ja, ich wähle die Porno Mitte. Und ja, Gott ist tot. ;-))

    Nicht-Wählen wird sowohl erfasst, schau dir mal an, wie bestürzt man reagiert auf unsere Wahlbeteiligung.

    Und? Man ist bestürzt, aber verändert wird nichts. Oder meinst du, die Parteien haben ein schlechtes Gewissen und denken sich: Da muss irgendwas schief laufen in der (unsrigen) Politik? Nie im Leben.

    Das es mies läuft und wir keine echten Alternativen haben, streite ich ja gar nicht ab. Aber bevor ich tatenlos dasitze und durch eine ungültige Stimme oder durch eine verweigerte Stimme den IST-Zustand quasi klaglos akzeptiere, versuche ich wenigstens, ein bisschen was zu ändern. Lieber 5 winzig kleine Schritte nach vorne als einen Rückschritt oder gar keinen Schritt.

  21. von ben gunn

    Beispiel: Wenn ich nicht will, dass die CDU/CSU regieren, dann tue ich doch besser daran, eine (große) Partei zu wählen, die dem gegenüber steht anstatt meine kostbare Stimme zu verschenken, indem ich sie ungültig mache ( nicht wähle).

    ;) wir drehen uns im Kreis.
    Kannst du mir einen Unterschied zwischen CDU und SPD in der Großen Koalition nennen?
    Wenn die “Volksparteien” sich eh einen Dreck dafür interessieren ob du wählen gehst und was du wählst, warum um Himmels willen willst du das denn mittragen?

  22. von Holgi

    @Phil
    Definiere “vernünftige Leute

    @Interessent
    Ich glaube gar nix. Ich finde allerdings, man sollte (fast) nichts unversucht lassen.
    Und zu organisieren braucht man da auch nichts. Wenn diese Idee genug Kraft hat, eine kritische Masse zu erzeugen, so dass deutlich mehr Menschen weiss wählen als beim letzten Mal, werden die Medien sich um die weitere Verbreitung kümmern. Die berichten nämlich immer gerne, wenn etwas ungewöhnliches passiert.

  23. von Phil

    Kannst du mir einen Unterschied zwischen CDU und SPD in der Großen Koalition nennen?

    Nein… nicht wirklich jedenfalls (außer, dass die SPD in Hessen nicht so ein Gollum-Double sitzen hat :-D)

    @Holgi: Ich weiß es selber nicht so genau, ziemlich schwierig.

    Das größte Problem ist einfach, dass die Themenvielfalt einfach riesig ist und die Parteien daher oft Kompromisse eingehen müssen. Keine Partei kann es allen recht machen. Partei A setzt sich für den Datenschutz ein, nicht aber für den Umweltschutz. Partei B ist für Umweltschutz, aber der Datenschutz ist egal. Und Partei C ist weder für Umweltschutz, noch für Datenschutz, setzt sich aber für den ‘einfachen Arbeiter’ und dessen Lohn- und Lebensbedingungen ein.
    Wen soll man nun wählen, wenn man sowohl für Umweltschutz, für Datenschutz und für gerechtere Löhne ist? (natürlich ist das jetzt alles vereinfacht dargestellt)

    Vielleicht würde es besser sein, die Politik nicht im Ganzen zu sehen, sondern in verschiedene Bereiche aufzusplittern, deren Personal auch einzeln vom Volk gewählt wird. Beispielsweise ein Wirtschaftsparlament, ein Sozialparlament, ein Umweltparlament, usw. Dann wäre der Wille des Volkes auf jeden Fall besser dargestellt als es derzeit der Fall ist. Nur so eine Idee…

    Das derzeitige System verkommt halt leider immer mehr. Lobbyismus, Macht und Geld macht alles kaputt und viele Bürger resignieren einfach mal bei dem Kuddelmuddel, der Vetternwirtschaft und dem ständigen Hick-und-Hack der ehemaligen Volksparteien.

  24. von SebDE

    Wie geschrieben ben, wir haben eine parlamentarische Demokratie und Deutschland ist das letzte Land, das allerletzte Land, in dem sich was an der Regierungsform ändern wird. Außerdem passen deine Argumente wieder nicht auf das was du argumentieren willst. Alle Argumente die du für das nicht wählen bringst machen gar keinen Sinn. Das wollte ich nur noch mal kund tun. Darüber noch weiter zu diskutieren macht noch weniger Sinn.

    Mit der parlamentarischen Demokratie ist es wie mit dem Kapitalismus, man kann ihn nur von innen her bekämpfen.

  25. von SebDE

    Ach ja, dass es keinen interessiert das nicht wählen erfasst wird, hat Phil ja schon gesagt. Warum sollte es auch jemanden interessieren? Nichtwähler sind halt irgend eine graue Masse von der man grad mal wilde Spekulationen anstellen kann was sie eigentlich ausmacht.

  26. von ben gunn

    ich rede von ungültig wählen… ;)

  27. von Holgi

    @SebDE
    Woran kann ich zweifelsfrei erkennen, dass Deutschland das letzte Land ist, in dem sich was an der Regierungsform ändern wird?

  28. von Phil

    ich rede von ungültig wählen… ;)

    Macht das wirklich einen Unterschied? Interessiert es die Gewählten, dass Stimmen ungültig sind? (Das soll keine rhetorische Frage sein, sondern die ist wirklich ernst gemeint)

    Bei der letzten Bundestagswahl 2005 waren 61.870.711 Menschen in Deutschland wahlberechtigt. Davon haben 48.073.543 (77,7 %) ihren Stimmzettel eingeworfen. 1,6 % (769.177) der abgegebenen Stimmen waren ungültig. *

    Hat diese Zahl irgendjemanden interessiert? Oder hat irgendjemand mal nachgeforscht, warum so viele Stimmen ungültig waren? Fast 800.000 Stimmen sind ja schließlich eine recht hohe Zahl. Oder ist es mit unserem Bildungssystem doch so schlecht bestellt, dass diese Wähler einfach zu “doof” zum wählen waren? Glaube ich persönlich nicht.

    Die aktuelle Petition gegen die Internet-Zensur hat knapp über 100.000 Unterzeichner, ist aber in den Medien präsent und hat sogar etwas bewirkt (nämlich die Diskussion über das geplante Gesetz).

    * Zahlen ungeprüft aus der Wikipedia übernommen.

    EDIT: Jetzt bekomme ich Albträume, weil Guido mich so diabolisch aus dem Wikipedia-Artikel zur Bundestagswahl 2005 angegrinst hat. Brrrrrr….

  29. von SebDE

    @ben: Interessiert genau so wenig jemanden.

    Holgi, kann ich nicht sagen, das ist einfach so. In Deutschland passiert sowas erst, wenn es von allen anderen ausprobiert wurde.

    Ist änlich mit dem digitalen Polizeifunk *scnr*

  30. von ben gunn

    Macht das wirklich einen Unterschied? Interessiert es die Gewählten, dass Stimmen ungültig sind? (Das soll keine rhetorische Frage sein, sondern die ist wirklich ernst gemeint)

    weil es nicht um die zarten Gefühle unserer Volksvertreterdarsteller geht, sondern um die Aussage, dass die Durchführung der Wahlen in dieser Form kritikwürdig ist, eben weil es ihnen völlig egal ist was du wählst.
    Es geht für die Parteien darum Konsens herzustellen, ob mit Zustimmung oder durch Duldung. Wählen einer Partei ist Zustimmung, nicht-wählen ist Duldung, ungültig-wählen ist Ablehnung.
    Das ist der Unterschied.

  31. von Wochenrückblick 24.05. – 01.06.2009 « Sikks Weblog

    [...] http://blogs.hr-online.de/nightline/2009/05/30/lieber-weiss-wahlen/ [...]

  32. von Frank

    Ich befürchte, daß ungültig wählen nix bewirkt. Die Parteien wollen eine Mehrheit. Ob sie nun eine Mehrheit bekommen bei 90% Wahlbeteiligung oder bei 20% Wahlbeteiligung ist denen schnurz. Wenn nur 30% wählen und 20% davon ungültige Stimmen abgeben und so nur noch 10% Stimmen übrig bleiben, dann interessiert es die Parteien nur, ob sie von diesen 10% eine Mehrheit erzielen (relativ). Daher sehe ich es notgedrungen auch so wie einige andere hier, daß nur ein Kreuzchen bei einer Partei, die den Etablierten verhaßt oder zumindest unangenehm ist, überhaupt etwas bewirkt: nämlich Sorge, daß irgendwann die Mehrheiten nicht mehr ausreichend sein werden, um so weiterzumachen wie bislang.

  33. von Holgi

    Die Parteien sind mir bei der ganzen Überlegung – wie gesagt – schnurz. Die müssen sowieso dringend entmachtet werden.

  34. von ben gunn

    erstmal das Holgi, und frank, wenn Parteien eh alles schnurz ist, warum hoffst du auf eine weitere Zersplitterung. Kannst du dich an die letzten Koalitionsüberlegungen erinnern? Zur Zeit haben wir schwarz-rot, aber nachgedacht wird über Jamaika-Koalition? Ampel-Koalition?
    die Mehrheiten werden immer hergestellt und das nächste Mal dann:
    rot-schwarz-gelb-grün-rot-braun- grau-Koalition?
    (um es nochmal zu sagen: Parteien sind keine anderen Parteien verhasst. Parteienverweigerer sind ihnen verhasst. Selbst wenn du die NPD wähltest, würdest du den anderen Parteien nutzen. Verschärfung des Asylrechts durch die CDU, weil sie glaubt dadurch Stimmen aus dem rechten Lager zu gewinnen, Wahlversprechen der SPD unter Ausnutzung der NPD als Schreckgespenst)
    um es kurz zu machen: wer Parteien wählt unterstützt Parteien, wer Parteien nicht unterstützen will, wählt keine ;)

  35. von Clara

    Tut mir leid, aber wie sieht euer Staat ohne Parteien aus? Wir sollten froh sein, dass wir in einem pluralistischem System leben.
    Die Diskussion dreht sich außerdem im Kreis.
    Bevor ich aus Protest irgendeine Partei wähle, würde ich ungültig stimmen. Obwohl wir uns die Option auch für schlimmere Zeiten aufheben könnten…^^

  36. von Holgi

    Wie schlimm soll es denn erst noch werden, Clara?

  37. von Sikk

    Ungültig wählen ist nur ein ganz klein wenig besser als nichtwählen. Bei Nichtwählern sagt man, es läge am Wetter oder der Faulheit. Bei ungültigen sagt man, die seien zu doof, das Kreuz zu machen.

    Letztes Mal haben nur 43% der Wahlberechtigten gewählt, das wurde besorgt zur Kenntnis genommen, aber das war es dann auch. Manche glauben sogar, dass man mit Wahlcomputern mehr Wähler überzeugen könne… Die 2.8% ungültigen, immerhin 740.000, haben niemanden interessiert.

    Wenn jetzt auch noch mehr Leute ‘Schwierigkeiten bei der Wahlabgabe’ haben, ruft das nur die Wahlcomputer’spezialisten’ auf den Plan. Ein Protest dieser Art würde erst funktionieren, wenn es endlich einen Punkt “Keiner von denen” auf dem Wahlzettel geben würde (und auch auf die Sitzverteilung Einfluss hätte).

    Gerade habe ich aber was gelesen, was Euch möglicherweise dazu bringt, gültig zu wählen. Folgender Beitrag macht zwar Werbung für die Piraten, aber es reicht auch, wenn Ihr nur das untere Drittel lest:

    http://janschejbal.wordpress.com/2009/06/03/europawahl-2009-wahlen-nicht-wahlen-wen-wahlen/

    Nämlich: Die CSU könnte an der 5%-Hürde scheitern!
    Und zwar wird das Wahlergebnis bundesweit ermittelt. Laut http://www.wahlrecht.de/ergebnisse/europawahl/2004-deutschland.htm hatte die CSU letztes Mal 8% erreicht und die 2 Mio Stimmen kamen nur aus Bayern.

    Wenn Ihr nun eine andere Partei unterstützt, schadet ihr somit der CSU. Und wenn die es nicht schafft, ist wirklich was los in Deutschland!

    Na, ist das eine Motivation? :-)

    Und wenn Ihr nun noch eine unterstützenswerte Partei sucht – ach, ich verkneife es mir ;-)

    Ciao, Sikk

  38. von by

    Wer noch Informationen zur Entscheidung sucht, findet vielleicht hier noch etwas, was ihm weiterhilft.

  39. von Daniel

    http://www.buergerrechte-waehlen.de/