Wiki und der starke Popanz

Ein Bundestagsabgeordneter mit fragwürdiger Biographie lässt per einstweiliger Verfügung die deutsche Domain der Wikipedia sperren. Idiotischer kann man sich kaum verhalten.
Grundsätzlich nicht, weil das Netz nicht so strukturiert ist, dass eine solche Verfügung – wie bei einer Zeitung – den gewünschten Effekt hätte, und auch deshalb nicht, weil das Netz voller denunziatorischer Schreihälse ist, die sofort den Untergang des Abendlandes herbeiphantasieren, wenn mal jemand von seinem Recht gebrauch macht und das dazu führt, dass es im Netz ein wenig knirscht.
Man kann vermeintliche Verletzungen des Persönlichkeitsrechts auch anders, mit weniger Getöse, mit einer grösseren Realitätsnähe und mit mehr Verstand bekämpfen, als der Herr Heilmann das gemacht hat – er hat es aber nunmal nicht gemacht.

Lutz Heilmann ist Mitglied der Linkspartei. Für den durchschnittlichen Verschwörer und Denunzianten, dessen Zuhause die Kommentarfelder und Foren zu sein scheinen – und die er in dieser Sache gerade mit aller Gewalt vollspamt – ist dieser Umstand ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die Linke nichts anderes im Sinn hat, als die Redefreiheit einzuschränken, um eine Diktatur nach DDR-Vorbild einzurichten, in der dann alles Privateigentum abgeschafft wird.

Wäre Heilmann bei der CDU, würden dieselben Leute darin vermutlich einen eindeutigen Hinweis darauf sehen, dass die CDU eine Partei voller rechtsradikaler Autoritaristen sei, die Kritiker mundtot machen will, indem sie die Redefreiheit bekämpft, was ja auch nur ein weiterer Baustein bei der Errichtung von Schäubles Überwachungsstaat sei.

Wäre Heilmann in der FDP, würden dieselben Leute darin vermutlich einen eindeutigen Hinweis darauf sehen, dass die Diktatur der Kapitalisten, die uns derzeit weltweit in den Untergang stürzt, um jeden Preis aufrechterhalten werden soll, damit die Buddies vom Westerwelle sich die Taschen noch voller stopfen können, währen der kleine Mann hier unten verhungert und dass die Redefreiheit eingeschränkt werden soll, damit die Massen nicht aufwachen.

Wäre Heilmann bei den Grünen, würden dieselben Leute darin vermutlich einen eindeutigen Hinweis drauf sehen, dass die Grünen uns jetzt endgültig verraten hätten und wahrscheinlich den nächsten Coup planen, nachdem sie ja schon in den Krieg ziehen und mit den Schwarzen in Hamburg schlafen und dass jeder möglichen Kritik ein Riegel vorgeschoben werden soll, bevor sie überhaupt laut wird und dass dazu die Redefreiheit eingeschränkt wird.

Wäre Heilmann bei der SPD, würden dieselben Leute darin vermutlich einen eindeutigen Hinweis darauf sehen, dass die SPD jetzt endgültig zu einer rechten Partei geworden sei, denn sie benimmt sich ja wie die CDU (s.o.).

Dabei ist der Heilmann einfach nur nicht in der Lage, angemessen auf die technologischen und kulturellen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu reagieren. “Armes Schwein” haben wir solche Leute früher genannt – und sie ausgelacht.

Der Versuch, einen Abgeordneten herzunhemen, um eine ganze Partei oder sogar politische Richtung zu diffamieren, sieht aus, als kämen da noch ein paar mehr Leute nicht mit den kulturellen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts klar.

58 Kommentare zu “Wiki und der starke Popanz”

  1. von daniel

    Alles richtig.
    Ändert aber nichts an allen oben genannten Befürchtungen.
    Und auch nichts daran, daß man nicht wie üblich seine Ausbildung als Rechtsverdreher dazu benutzt, missliebige Meinungen zu unterdrücken. Ist ja gängige Praxis in der herrschenden Klasse.
    Jedenfalls nicht, indem man versucht, eine ganze Web-Institution unzugänglich zu machen, in der sich diejenigen informieren möchten, die eben NICHT den offiziellen Verlautbarungen allein vertrauen möchten. Wenn jemandem dieser Gesellschaftskreis nicht behagt, kann er ihn ja ignorieren. Oder sich sich eben diesem Gesellschaftskreis anpassen. Und nicht umgekehrt.
    Und es ändert auch nichts daran, daß eine Partei, die sich nicht disqualifizieren lassen will, solche Leute ausschließen muß.

  2. von Holgi

    Der Satz “Ändert aber nichts an allen oben genannten Befürchtungen.” ist an dieser Stelle dummes Zeug.
    Es hier geht nicht um irgendwelche Befürchtungen, die der tumbere Teil der Bevölkerung sich zusammenphantasiert, sondern um den demagogischen Kniff, die privaten Irrungen eines einzelnen Parteimitgliedes als Beleg für die Irrungen einer ganzen Partei zu benutzen, in der Hoffnung, es würden sich hinreichend Menschen dem entsprechenden Fehlschluss hingeben – was ja auch bestens zu funktionieren scheint.

    Eine Partei, die sich von Hetzern und deren leichtgläubigen Lemmingen nicht disqualifizieren lassen will, scheint tatsächlich gezwungen, so jemanden ausschliessen zu müssen. Und genau darum sollte sie es nicht tun.

  3. von Luke Vibert

    Übrigens, der Link zur fragwürdigen Biographie existiert / funzt nicht.

  4. von daniel

    Vorab: bis jetzt sehe ich diese Seite ausgesprochen positiv.

    Ich arbeite dann mal der Reihenfolge nach ab, was mir sauer aufstößt:

    -Der Begriff ” dummes Zeug” zeugt nicht gerade davon, daß man den Gesprächpartner ernstnimmt und nicht von einem respektvollen Umgang miteinander.

    -Die obengenannten Befürchtungen als “Phantastereien eines tumberen Teils der Bevölkerung” herabzuqualifizieren ist überheblich, aber letztlich DEINE Meinung.
    Was fragwürdig ist, ist die Verquickung dieser Meinung mit dem Hauptthema und die Implikation, daß vernünftige und aufgeklärte Zeitgenossen die Einstufung als Verschwörungstheorie erst gar nicht zu hinterfragen haben, weil dies ja zur anerkannten Allgemeinbildung gehört. Und diese Meinung somit unwidersprochen fast unterschwellig verbreitet wird.

    -Und JA: Eine Partei hat den Hintergrund Ihrer Mitglieder zu hinterfragen und bei begründetem Fehlverhalten im Sinne ihrer Zielsetzungen dieses Mitglied auszuschließen. Oder disqualifiziert sich eben selbst.

  5. von serge

    Eine Partei ist nunmal die Summe ihrer Mitglieder. Wenn ein bestimmtes Verhalten toleriert wird, dann macht sich eine Partei das zu eigen.

    Hier ist es noch etwas komplizierter, wegen dem merkwürdigen Lebenslauf. Der wird natürlich hochstilisiert, obwohl er verzeihlich wäre, hätte Heilmann ihn nicht verschwiegen. (Ob er dann dieselbe Position innehätte ist allerdings fraglich.)

    Für mich persönlich jedenfalls spricht seine Aktion für sich und damit für die Partei.

  6. von flynn

    So grundsätzlich,: Kann mir jemand erklären wie man angemessen darauf reagiert das in der Wikipedia (zumindest der Eigenwahrnehmung nach) diffamierender Unsinn über einen steht der durch (verpöhnte) Eigenedits und Diskussionen nicht wegzubekommen ist? Was bleibt ausser dem legalen Dampfhammer?

    Und die eigentlich “armen Schweine” sind imo die Einwohner von Kleinbloggersdorf die ernsthaft Probleme bekommen wenn wikipedia.de nicht mehr auf de.wikipedia.org weiterleitet und brav pflichtempört die Sau durchs Dorf treiben. Mal ganz abgesehen von den armen Schweinen die aus dem deutschen Wikipedia Ableger eine virtuelle Schrebergartensiedlung gemacht haben in der es an jeder Ecke vor Vereinsmeierei, Kleingeistigkeit und Hahnenkämpfen nur so tropft.

  7. von daniel

    Um es klarzustellen:
    Ich schließe NICHT automatisch von einem Mitglied auf die Partei.
    Das mache ich erst, wenn das Mitglied bei nachgewiesenem Fehlverhalten von der Partei gedeckt wird.

    Und wie er sich verhalten soll ?
    Ich weiß natürlich, daß, wenn man unbewiesene Behauptungen in die Welt setzt, dies als private Meinung deklarieren muß.
    Dann könnte er zum Beispiel Wikipedia als die Meinungsplattform einer Bevölkerungsgruppe ansehen, die ihm eben nicht wohlgesonnen ist und in dem Artikel ihre Meinung kundtut, die überwiegend nur diejenigen für bare Münze nehmen, die das sowieso so sehen wollen.

    Da muß er einfach drüberstehen, wenn er sich nichts vorzuwerfen hat. Jedenfalls kann er nicht mit juristischen Spielchen ganze Institutionen lahmlegen, nur weil er empfindlich ist, anstatt in die Offensive zu gehen und eben seine Darstellung zu verbreiten.
    Für mich macht ihn so ein Verhalten automatisch verdächtig, selbst wenn er sich wirklich nichts vorzuwerfen hat.

  8. von Jonathan (Weg Eins)

    Eine angemessene Reaktion wäre, die Bearbeiten Funktion (die essentielle Funktion eines Wikis) zu benutzen und die Fehler zu korrigieren.

    Übrigens: Die Bild wurde bisher auch noch nicht verboten!

  9. von stralau

    Ein Parteiausschluß wg. der Wikipedia-Sache wäre ja nun wirklich übertrieben. Zu seiner Stasi-Mitarbeit: Hat Heilmann die wirklich verschwiegen — ich dachte, er hätte das von Anfang an öffentlich gemacht? Ob diese aber „verzeihlich“ war, wie es jetzt an verschiedenen Stellen heißt, wird man wohl erst beurteilen können, wenn man weiß, was er denn gemacht hat: Auch die Abteilung Personenschutz hat IM geführt.

  10. von by

    Nach dem was ich bisher ueber ihn ganz kurz in Erfahrung brachte, hat er sich ja jeweils in seinen Verbaenden von Die Linke unbeliebt gemacht und hat dann den Verband gewechselt. Also ist er meines Erachtens weder durch seine Partei gedeckt, noch kann man von ihm auf diese rueckschliessen. Er legt offenbar Wert auf seine Karriere, hat aber, wie es scheint, mehrfach nicht ganz mit offenen Karten gespielt. Seine aktuellen Handlungen weisen ihn lediglich als Internet-Nichtversteher und kleingeistigen Juristen aus.

    Und morgen tschilpt kein Spatz mehr hinterher.

  11. von Kundali

    Was der Mann da geschafft hat war politischer Amoklauf, nur irgendwie anders herum. Normalerweise bringt man erst die anderen um, dann sich selber.
    Der gute Lutz hat es aber tatsächlich geschafft zunächst sich und dann den rest seiner Partei politisch ins Grab zu befördern.

    Herzlichen Glückwunsch. Jetzt muss ich wieder grübeln was ich wählen soll – ätzend.

  12. von Marc

    Im Zweifelsfall wähle einfach die Piratenpartei.

  13. von CrabbyJack

    “Übrigens: Die Bild wurde bisher auch noch nicht verboten!”

    Solange sich jeder bewusst ist, dass darin nicht die “Wahrheit” publiziert wird, gibt es dagegen auch wenig einzuwenden. Nur bestehen nicht nur bei mir starke Zweifel, dass sich jeder dessen bewusst ist.

    Gruß

    Crabby Jack

  14. von RavoxX

    Ich finde es ja so herrlich, dass dieser Herr nichts besseres zu tun hat, als gleich die ganze Wikipedia down zu nehmen, wegen eines sowieso schon merkwürigen Eintrags…
    1 Klick, 1 Edit und die Sache wäre einfach vergessen und 1 Klick und die Spammer-IP(s) wären gebannt, bzw. der ganze Artikel wäre zu… naja nun kams einmal dazu, jetzt muss er mit den konsequezen aus der Community rechnen. Aber wie Holgi schon gesagt hat: Politiker sind nicht die Menschen des 21. Jahrhunterts. Ein Wunder, dass sie Internet schreiben können und der Browser “druckt” für sie Webseiten – na dann Prost und Mahlzeit!

  15. von flynn

    Wer sich die Historie des Dokuments durchsieht, wir schnell merken: Es gab da durchaus einige “Edits” und zugehörige -Wars. Aber so ein bisschen selber nachgucken macht natürlich die schöne Geschichte kaputt, und man kann sich nicht mehr so schön empören…

    Was mache ich jetzt wenn in der Wikipedia steht ich würde auf Gechlechtsverkehr mit Meerschweinchen stehen? Es braucht nur ein paar Merkbefreite mit zuviel Zeit um meine Edits immer schön wieder rückgänig zu machen. Was macht denn der coole Internet 2.0 Mensch in so einem Fall? Stolz darauf sein bei Google erster Hit für “perverse Meerschweichenspielchen” zu sein?

    Will sagen: So einfach und eindimensional wie das ganze in Kleinbloggersheim (und hier in den Kommentaren) dargestellt wird, ist es leider nicht.

  16. von RavoxX

    Man kann sich im IRC-Chat z.B. an einen Administrator wenden, der den Beitrag schützen kann…. nur mal so nebenbei

  17. von Holgi

    Nochmal: die Stasi-Mitarbeit ist nicht das Thema, sondern sein Umgang mit der Wikipedia. Daraus einen Rückschluss auf die Partei zu ziehen, ist unseriös.

  18. von stralau

    Die Lübecker Nachrichten vermuten Intrigen innerhalb des Kreisverbandes Lübeck. Mehr dazu auch hier.

  19. von TOR Florian

    Ja, Rückschlüsse auf die ganze Partei zu ziehen ist sicher unseriös, aber ich finde, diese Geschichte zeigt doch, dass die Linke eben auch ein Heim für mehr oder weniger Radikale bietet. Klar hat der Mann ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung (und als Politiker sicher auch einen gesteigerten Bedarf dafür, weshalb er wahrscheinlich auch vor Gericht die Abschaltung durchsetzten konnte, glaubt bloß nicht, das könnte jeder). Aber mit Kanonen auf Spatzen schießen… will sagen: so schwierig es heutzutage ist, sich in der politischen Landschaft zu orientieren und festzulegen, die Linke bietet mir das, was ich abseits der großen Parteien suchen würde, eben nicht: gutes Personal mit frischen Ideen. Denn tatsächlich hat die Linke ausser oft ideologisch verbrämter und auf modern getrimmter Sozialistenutopie aus dem letzten Jahrhundert nur Schlagworte, Mißachtung für den Rechtsstaat (siehe den Präsidentschaftskandidaten), dem in der SPD gescheiterten Herrn Lafontain, der gezeigt hat, dass er die offene Auseinandersetzung scheut, und einem äußerst fragwürdigen Herrn Gysie nichts zu bieten.
    Dafür kann aber Herr Heilmann nichts. Der scheint einfach ein Reaktionär zu sein, der so einige sehr fragwürdige Ansichten hat. Und tatsächlich scheinen seine Auseinandersetzungen mit Wikipedia eher persönlicher Natur zu sein. (will sagen: nicht die Partei die Linke wird in Verruf gebracht, sondern die Person Heilmann). Dass er der Partei aber eben auch schadet, das kann einem gefallen oder nicht, man kann darüber lamentieren, dass es ungerechtfertigt und unseriös ist, dass es so ist… es ändert nichts an der Tatsache, dass es so ist.
    Und wenn man ernsthaft Politik betreiben will, dann ist eine der Grundvoraussetzungen (so sehe ich das zumindest), dass es eben jene “tumberen Gesellschaftsschichten” sind, von denen man gewählt werden will und die Regierung wirklich nötig haben. Zumindest muß man sich mit ihnen zu arrangieren verstehen, damit man eben nicht in die selbe Lage kommt wie Herr Heilmann- und die Tatsache, dass es eben jene Gesellschaftsschichten sind, die die Tagträumereien der Linken fressen, macht das ganze nicht leichter für die Partei. Und so zeigt das egozentrische Verhalten des Herrn Heilmann, wenn es auch zu sonst nichts gut ist, zumindest, wie gefährlich das Spiel der Linken ist und wie schnell aus etwas Ehrbarem (nämlich der Einung der Massen, dem Versuch, dem Proletariat eine Stimme zu geben) etwas Schändliches und zumindest für die Partei Schädliches werden kann.
    MfG Florian

  20. von by

    Du widersprichst Dir mit unnoetig vielen Worten leider selbst.

  21. von Wikipedia, Heilmann und so weiter // ravoxx // blog & notizen

    [...] wikipedia.de [L-2] Lutz Heilmann, Wikipedia-Artikel [L-3] Wikipedia: Lutz Heilmann – History [L-4] Der Blog-Eintrag von Holgi über Wiki und Lutz H. [L-5] Golem.de: Wikipedia.de wieder [...]

  22. von TOR Florian

    Nein, ich widerspreche mir nicht selbst- ich versuche nur, darzustellen, dass meine Abneigung gegen die Linke einen Herrn Heilmann nicht braucht, begründe das (mehr oder weniger) und gehe auf ein meiner Meinung nach sehr komplexes Problem ein, nämlich das der Diskrepanz zwischen dem, was man von der “tumben Masse” wahrnimmt und dem, was man von der “tumben Masse” erwartet. Schade, wenn meine vielen Worte immer noch nicht gereicht haben, um das auch dir verständlich zu machen, lieber by…

    MfG Florian

  23. von oxymoron

    Entschuldigung von fefe:
    http://blog.fefe.de/

  24. von dot tilde dot

    @tor florian:

    bereits mit deinem ersten “ja, aber” bezeichnest du dich selbst als unseriös. das ist dir schon bewusst, oder?

    .~.

  25. von hans

    In dem Textfeld sind 2 Tabs (\t) als Voreingabe..

    aber was ich eigentlich sagen wollte. Was bringt es sowas zu schreiben? Die Dummen erreichst du damit niemals und die halbwegs Intelligenten werden deswegen nicht ihre intellektuelle Contenance verlieren, also trotzdem weiter die Welt mit ihrem subjektiven D*nnschiß in den Sumpf ziehen. Und ja, Fefe ist einfach nur ein Stänkerer ohne wirklicher Ahnung oder konstruktivem Plan.

  26. von cefirum

    @TOR Florian: Nein, Du schreibst ein paar Behauptungen nieder, die Du durch nichts belegst (aber den Anschein von Fakten durch “tatsächlich”, “Tatsachen”, “ernsthaft” suggerierst) und versuchst damit Deine Meinung ueber die Linkspartei zu rechtfertigen. Ausserdem versuchst Du Dich von einem Teil der Bevoelkerung abzuheben, in dem Du diese der Unmuendigkeit bezichtigst, da diese ja “Regierung wirklich noetig haben”. Der Umstand, dass Du die Namen zweier von Dir erwaehnten Politiker nicht korrekt ausschreibst, unterstuetzt auch nicht die Vermutung, Du haettest Dich mit der Linkspartei tatsaechlich auseinander gesetzt, aber wie gesagt, ich vermute nur.

  27. von Matthiass

    Hallo Holger,

    ich habe interessiert Deine Sichtweise zum Thema “wikipedia & Heilmann” gelesen. Aber Deine Sichtweise greift in meinen Augen ein Bißchen kurz. Der Herr Heilmann ist kein Nobody oder so… sondern er ist Politiker einer Partei und hat gleichzeitig einen Sitz im deutschen Bundestag. Dies hat zur Folge, dass er als Politikprofi sich der Wirkung seiner Äußerungen und Handlungen bewusst sein sollte. Natürlich ist es ärgerlich, wenn Jemand “Falsches” über seine Person verbreitet (ich will hier keine Diskussion zum Wahrheitsgehalt der “Falschmeldungen” anfangen) und es ist auch sein gutes Recht dagegen vorzugehen. Aber irgendwie würde ich von einem Politikprofi, der gleichzeitig Jurist ist (sprich er kennt die interessanten aktuellen Gerichtsurteile) erwarten, dass er sich 1. informiert bevor er handelt, 2. gemachte Fehler eingesteht (okay, hat er gemacht) und 3. auch (!!!) dafür die Verantwortung übernimmt. Ich bin Jemand, der politisch der PDS aka “Die Linke” (früher: Nachfolgepartei der SED) nicht gerade nahe steht, aber ich meine schon, dass Ihnen sehr gut zu Gesicht stehen würde, wenn sich konsequent von Leute trennen, die sich gegen die Meinungsäußerung stellen. Es würde auf jeden Fall Ihrem Ansehen als Partei sehr gut tun. Völlig egal, was alle anderen Parteien in Deutschland so machen…. Hinzu kommt noch, dass es ja Ihr Anspruch ist, nicht wie alle anderen Parteien zu sein. Wie ich gerade sehe, reagiert die Partei zu mindestens medial so wie es wünschenswert ist. An den echten Konsequenzen für Herr Heilmann wird sich zeigen, ob es Ihnen Ernst ist mit Ihren Bestrebungen “Wir kämpfen seit Jahren gegen immer wieder mal geäußerte Bestrebungen, das Internet zu zensieren, egal aus welcher Ecke sie auch kommen” (O-Ton Petra Pau).

    Weiterhin kann ich die von Dir geäußerten Ansätze zu reflexartigen Äußerungen von “durchschnittlichen Verschwörer und Denunzianten, dessen Zuhause die Kommentarfelder und Foren zu sein scheint” nicht sehen. Aber es sei doch jedem Blogger gestattet, sich seine eigenen Gedanken über die Motive von Herr Heilmann zu machen. Und klaro gründen sich die Gedanken immer auf den vorhandenen Informationen wie Parteizugehörigkeit, Lebenslauf etc. …. aber gleich Vorsatz oder System zu unterstellen ist auch eine “reflexartige Reaktion” – nur halt von Dir.

    Okay, eigentlich wollte ich nur kurz zwei Sätze schreiben…. aber vielleicht ist es so ja interessanter.

    Btw. interessantes Blog hier mit denkanregenden Ansichten… :-)

    So long, Matthiass

    @von flynn

    Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und dies auch aktiv nutzen für Ihre eigenen Zwecke, sollten sich nicht beschweren, wenn nicht jede Berichterstattung Ihnen passt. Dazu gibt es noch mehr Beispiele als nur Politiker, z.B. Kanye West etc. Dieser “Krieg” gegen unerwünschte Berichterstattung auf diese Art ist bei Leuten, die die Medien sonst für Ihre Zwecke nutzen, einfach nur lächerlich und unehrlich….

  28. von sysout

    Holgi, Danke!

    @von hans: “Fefe ist einfach nur ein Stänkerer ohne wirklicher Ahnung oder konstruktivem Plan.” – Stimmt, aber es ist ja nicht so, das er das nicht zugeben würde. Und er ist so kritikfähig, das er sogar hierher verlinkt!

    Noch was – nur zum Spass: Die Leute, die hier immer Dinge aus dem eher privaten Lebensbereich des MdB Heilmann als politisch relevant darstellen, könnten ja auch mal aufzeigen, was passiert wenn man diesen Maßstab bei MdB Merz anlegt:
    http://www.abgeordnetenwatch.de/friedrich_merz-650-5945—nebentaetigkeiten.html
    … oder auch bei “Ehrenwort”-Kohl.

  29. von TOR Florian

    `tschuldigung, die Herren Lafontaine und Gysi schreibt man natürlich nicht so, wie ich das in meinem ersten Artikel getan habe.

    @cefirum: Das mein erster Artikel ziemlich polemisch ist, das weiss ich selbst, daher auch das “(mehr oder weniger)” nach dem “begründe ich” im Zweiten. Und dieses sich Ab- oder Überheben ist genau das, worauf ich hinaus will. Denn wenn man die Masse oder zumindest einen grossen Teil der Menschen aufgrund ihrer Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis ablehnt oder als “tumb” bezeichnet, dann hat man tatsächlich ein Problem. Insofern vielen Dank für den Hinweis.

    @ .~. : Nein, ich brauche keinen Herrn Heilmann, um mir ein Bild von der Linkspartei zu machen. Ich mache mir aber trotzdem eins. Das Herr Heilmanns Verhalten mich nicht sonderlich überrascht, dafür kann er aber wie gesagt nichts. Daher ziehe ich keine Rückschlüsse von Herrn Heilmann auf seine Partei, sondern wenn überhaupt, dann ziehe ich Rückschlüsse von seiner Partei auf Herrn Heilmann. Ansonsten verweise ich auf meinen zweiten Artikel.

    Mfg Florian

  30. von markus

    Ich muss ehrlich gestehen das ich dir nicht ganz zustimmen kann.

    Klar hat er selbst einen Fehler (oder auch nicht?) begangen und man kann eine Partei nicht so einfach heranziehen.

    Sein Vorgehen war aber – meiner Meinung nach – absolut inakzeptabel.

    Wenn die Linke nicht darauf reagiert ist es ein grosses Problem FÜR DIE PARTEI. Man kann nicht einfach stillsitzen und tun als ob man von nichts Ahnung hat. Genau so eine Einstellung hat doch dazu geführt das gerade die jüngeren/”besser” gebildeten absolut frustriert sind von den alten Parteien.

    Und die Linke ist selbst Schuld wenn sie Personen aufnimmt die eben UNFÄHIG sind. Das wäre bei jeder anderen Partei genau das selbe – nur erwarte man sich von denen gar nichts anders.

  31. von oxymoron

    Also zu fefes blog: Es ist eben diese kritik an allem, was mir an felix’ blog so gefällt. Natürlich kann man nicht mit allem zustimmen, was er schreibt. aber das ist nun mal fefes blog. keiner zwingt euch, das zu lesen.

  32. von Holgi

    Ich weis gar nicht, was daran so schwer zu verstehen ist: es geht nicht um die Linke, sondern um die privaten Irrungen eines ihrer Abgeordneten.

    Wer das zum Anlass nimm, die ganze Partei zu bashen, beweist nur, dass er keine subsatnzielle Kritik vorzubringen hat und darum jetzt so eine Pars-Pro-Toto-Nummer fährt, um seinen tumben Ängsten den Anschein von Stichhaltigkeit zu geben.
    Wenn die Linke so unfassbar böse ist, wie die Demagogen ständig behaupten, warum warten sie dann erst auf so einen Fliegenschiss, wie einen Deppen, der das Internet nicht versteht, um darauf hinzuweisen, wie böse sie ist und hebeln den Laden nicht einfach sofort aus? Kann doch so schwer nicht sein – schliesslich ist das der Hort des Unterganges des Abendlandes.

  33. von Holgi

    Wenn alle, die jetzt das Maul so weit aufreissen, ebensolaut wären und die Union als diktatorisch bezeichnen würden, weil in der CDU mal wieder einer rassistische Parolen ablässt, oder die Grünen als demokratiegefährdend weil mal wieder jemand unter dem Deckmantel des grünen Parteibuches an der Entsolidarisierung des Gesellschaft werkelt, könnte ich das ja wenigstens noch ernst nehmen.
    So ist das aber nichts weiter als das unqualifizierte Abarbeiten an einem Popanz, der uns hingehalten wird, damit wir was zum Spielen haben, während woanders tatsächlich unsere Zukunft geplant wird von Leuten, die schon lange nichts mehr mit uns zu tun haben.

    Nochmal: Du hast was gegen die Linke? Dann bring was vor, was nicht so vernachlässigbar ist, wie der fragwürdige Umgang eines Abgeordneten mit dem Presserecht. Eines Abgeordneten, der Dich gestern noch einen Scheiss interessiert hat.

  34. von Holgi

    Und EOT für mich. Ich habe alles gesagt, was ich zu sagen habe.

  35. von Holgi

    Nein, eins noch: Der mag manchmal ganz fürchterlichen Quark ablassen (wie alle, die sich einmischen – es sind nämlich alles Menschen), aber wenigstens hat der noch den Arsch in der Hose, seine Meinung unverblümt zu sagen, zu begründen, sich fast grundsätzlich mit Stärkeren anzulegen und trotzdem mit seinem Namen dafür einzustehen.

    Soll jeder, der meint, Fefe sei ein Schwätzer erstmal denselben Mumm aufbringen wie Fefe – oder schnell wieder schweigen.

    Aber jetzt: EOT

  36. von Jan Schejbal

    Ich bin eher pro Linkspartei. Ich teile nicht unbedint all deren Positionen und ich finde sie teilweise auch etwas zu links, aber ich bin trotzdem nicht der Meinung, dass die Partei so behandelt werden sollte wie es derzeit geschieht. Schon gar nicht halte ich eine Rot-Rot-Grüne Koalition für böse oder undenkbar. Aber das was hier Herr Heilmann veranstaltet hat, war ein tiefer, tiefer Griff ins Klo, der der Partei definitiv geschadet hat. Als erstes dachte ich “Ups, jetzt ist die Linkspartei auch unwählbar”. Ich konnte mich dann noch dazu durchringen, abzuwarten, ob sich die Partei eindeutig distanziert. Das ist zwar passiert, aber trotzdem bleibt die Tatsache, dass ein Linkspartei-Abgeordneter, also jemand, der mich vertreten könnte wenn ich die Linkspartei wähle, offenbar der Meinung ist, es sei richtig, wegen irgendwelchen wie auch immer gearteten Äußerungen über eine Person notfalls gleich ein ganzes Lexikon zu sperren. Und auch wenn die Linkspartei als ganzes behauptet, gegen Internetzensur zu sein, kann ich nicht davon ausgehen, dass dieser eine Abgeordnete, der Teil der Linkspartei ist, es genauso sieht. Von daher kann ich die Vorwürfe durchaus nachvollziehen und finde sie nicht völlig unberechtigt. Und wäre Heilmann Mitglied einer anderen Partei, würde ich natürlich davon ausgehen, dass die entsprechende Partei offenbar zumindest einige Mitglieder hat, die Internetzensur befürworten, und es für unglaubwürdig erachten, wenn diese Partei dann behauptet, strikt gegen Internetzensur zu sein.

    Natürlich kann man auch erstmal behaupten, dass wenn man in einem fremden Land ein schwarzes Schaf sieh das nicht bedeutet, dass es da wohl mehrere davon gibt, sondern dass man nur weiß, dass es dort mindestens ein Schaf gibt, welches auf mindestens einer Seite schwarz ist. Ich gehe aber meist davon aus, dass “bedauerliche Einzelfälle” nur die sichtbare Spitze des Eisbergs sind.

    Wenn die Linkspartei ihre Glaubwürdigkeit in dieser Sache voll wiederherstellen wollte, müsste sie Heilmann entweder rauswerfen oder zumindest eine öffentliche Entschuldigung und ein eindeutiges Bekenntnis zur freien Meinungsäußerung und gegen Internetzensur von ihm fordern.

  37. von daniel

    @Holgi

    Zitat:
    “während woanders tatsächlich unsere Zukunft geplant wird von Leuten, die schon lange nichts mehr mit uns zu tun haben.”

    Ich interpretier’ das mal so, daß wir die Dinge dann wohl doch ähnlich sehen :-)

    Und zu Fefe:
    Den schätze ich sehr. Bin vor längerem wegen eines Links bei ihm hier gelandet.

  38. von Dr. Valentin

    Das Eigenartige an Deiner Argumentation ist doch, dass dieser unsägliche Heilmann durchaus in allen dieser Parteien sein könnte. Das heißt doch, Parteien und die Typen darin unterscheiden sich kaum noch. Schwarz-grün, rot-rot , schwarz-rot und sicher auch irgendwann schwarz-dunkelrot (in denn Ländern und Kommunen im Osten schon Realität) sind möglich. Und allen diesen Pseudo-Demokraten geht es nur noch um Pfründe, Machterhalt, Demokratieabbau usw., genauso, wie Du es so schön geschildert hast. Warum schlägst Du dann auf die Boten der bösen Nachricht ein und unterstellst ihnen, nicht im 21. Jahrhundert angekommen zu sein ?

  39. von L. Barth

    Natürlich kann man nicht von einem Abgeordneten auf die ganze Partei schließen – von einem Landesparteitag aber wohl schon eher – und die Tatsache, dass eben dieser Parteitag ihn damals nicht mit überwältigender Mehrheit ‘rausgekantet hat spricht Bände.

  40. von DönerAli

    Irgendwie drängt sich mir das Bild mittelalterlicher Hexenverfolgungen auf.
    Warum sind die freiheitsliebenden und toleranten Leute so derart radikal wenn es um einen Fehler eines Prominenten geht?
    Es wird etwas Fragwürdiges gemacht und schon ist man potentieller Staatsfreiheit-Gefährder und muss weg weg weg. Und nicht nur der Handelnde. Denn diejenigen die mit der Person in Kontakt stehen sind ebenfalls verdächtig! Auch weg!
    Kaputtmachen ist oft leichter als etwas Bestehendes zu formen, zumal man sich dann nur aus der Distanz damit zu beschäftigen braucht.
    Und wie ein aufgebrachter Mob schreien alle nach Destruktion statt Konstruktion.
    Es ist nichts anderes als dass was in Diktaturen auch betrieben wird und sei der Verdacht auch noch so klein:
    Im Zweifelsfall weg mit den Leuten ohne zu wissen was sie sonst noch so machen!
    Im übrigen mag ich die Linke auch nicht und habe keine Ahnung wer dieser Heilmann wirklich ist. Es geht mir auch nicht um dieses Thema im Speziellen sondern um die allgemeine Hetze. Und dieser vermeindliche “FreiheitsExtremismus” der gerade im anonymen Internet betrieben wird kotzt mich an.

    Gruß,
    Der Döner Ali

    P.S.: Fefe rocks! :-)

  41. von uninvited

    Volle Zustimmung zu diesem Beitrag. Einerseits Heilmann der nicht zu wissen scheint, das sich soziale Inkompetenz nie durch technische Hilfsmittel beheben lässt, andererseits die Erwähnung, dass es immer noch zu viele Leutchen in diesem Lande gibt, die mit den kulturellen Herausforderungen des 21.Jahrhunderts nicht klar kommen. Sehr ausgewogener Beitrag.

  42. von Gero

    …also alle Kritik in Ehren, eine Lösung der Dinge habe ich hier noch nicht gelesen!
    Ich schlage deshalb vor, daß es ab jetzt verboten ist, im Deutschen Bundestag mit Aktenbergen herumzulaufen. Ab jetzt darf jeder Abgeordnete nur noch einen Laptop, selbst gekauft und Daten selbst organisiert, mit sich führen und vor sich auf dem Pult haben!
    Wer sich nicht damit auskennt ist selbst schuld und wird aus dem Bundestag wegen Unfähigkeit ausgeschlossen.
    Vielleicht ändert diese Massnahme auch das Verständnis für moderne Medien und die Qualität der Abgeordneten.

    p.s. m.M. nach paßt eine Parteiendemokratie sowieso nicht mehr in die Zeit!

  43. von Holgi

    Schickes Schlusswort. Am liebsten würde ich an dieser Stelle die Kommentare dichtmachen ;)

    Ich teile Deine Meinung nicht nur, sondern habe sogar den Verdacht, dass unsere Art Parteiendemokratie auf dem besten Weg ist, bald keine ordentliche Demokratie mehr zu sein, weil sie schon längst nicht mehr “an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken” (21GG), sondern eher bestimmen, was der politische Wille des Volkes zu sein hat und sich dabei von den Partikularinteressen derjenigen leiten lassen, die die lauteste Stimme haben. Und das sind in der Regel, bis zu dem Moment an dem der politische Wille des Volkes unignorierbar wird, diejenigen, die das meiste Geld für das grösste Megaphon auszugeben vermögen (ein schönes Beispiel hierfür finde ich die Heuchelei der SPD in der Frage der Hungerlöhne).
    Letztlich bestehen die Parlamente aus Cliquen, die sich die Macht immer wieder neu aufteilen und stellenweise sogar demaßen offensichtlich gegen das “Wohl des Volkes” – also im Grunde gegen die Idee einer solidarischen Gemeinschaft, die in sozialem Frieden existiert – gerichtet handeln, dass es eigentlich einen Aufstand geben müsste. Und sei es nur, dass der Aufstand an der wahlurne stattfindet. Aber nichtmal das passiert.

    Diese Cliquen zu entmachten, ist mittlerweile fast unmöglich geworden, denn sie schieben über ein fragwürdiges Wahlsystem mit seinen Listenplätzen immer wieder Personal nach, das sich einer Kontrolle durch die Wähler komplett entzieht, so dass man gezwungen ist, unerträgliche Leute zu ertragen, nur weil man eine bestimmte politische Richtung bevorzugt.
    Die Hamburger sind da schon ein wenig weiter – und und gerade das Verhalten der CDU in dieser Sache deutet darauf hin, dass man tatsächlich Angst davor zu haben scheint, dass die Bürger mehr Einfluss auf die Zusammensetzung des Parlaments bekommen.

  44. von flynn

    Manchmal widert mich die Ignoranz der Digiterati schon auch etwas an. Jeder der nicht weiß wie man IRC bedient ist in Sachen Wikipedia vogelfrei? Und wer in der “Öffentlichkeit steht” darf sich nicht gegen Verleumdung wehren? Schöne neue Welt.

    Es ist imo schon auch ein wesentliches und selbst-verschuldetes strukturelles Problem der Wikipedia keine vernüftigen Echtwelt-Schnittstellen zu haben. Aber dazu hört man leider keine Kritik, vermutlich weil das ja “die Guten” sind.

  45. von Roman

    @ Dr. Valentin:

    “Das Eigenartige an Deiner Argumentation ist doch, dass dieser unsägliche Heilmann durchaus in allen dieser Parteien sein könnte.”

    Sinn der Argumentation war doch, daß manche Leute immer vom Einzelnen auf das Ganze schließen, völlig unabhängig vom aktuellen Thema und/oder Kontext.
    Davon ab haben doch alle Parteien unsägliche Typen drin oder drin gehabt. CDU – Schäuble. SPD – Clement. FDP – Westerwelle. Grüne – Metzger (gut, der ist passé …).

    “Das heißt doch, Parteien und die Typen darin unterscheiden sich kaum noch.”

    Den Schluß kann man daraus nicht ziehen. Allerdings muß man bestimmte Eigenschaften mitbringen, damit man in die Politik geht und dort auch Erfolg hat. Von daher hast Du natürlich recht, das greift aber zu kurz.

    Mein Kompliment an fefe, der die Eier in der Hose hat, auf diesen Artikel zu verlinken. Aber daß er Eier in der Hose hat, wußte ich vorher auch schon. :-)

  46. von Holgi

    Sag ich doch. Nix gegen Fefe.

    Du hast Fefes eier gesehen?

    :D

  47. von serge

    Also ich muss sagen, ich sehe den ganzen Aufruhr durchaus positiv.

    Die ganzen anderen Parteien sind zumindest für mich früher oder absolut indiskutabel geworden; deswegen verstehe ich auch nicht, warum ich mich über negative Vorgänge bei denen echauffieren müsste.

    Dass eine derartige Diskussion geführt wird, heisst doch, dass den Beteiligten etwas am Gegenstand (die Linke) liegt. Das wäre im Übrigen gerade ein perfekter Ansatzpunkt für die Partei, ihren – zumindest bei mir – überwiegend positiven Eindruck zu untermauern.

  48. von serge

    s/früher oder/früher oder später/

  49. von Aktion Störtebeker

    TRACKBACK: An dem PR-Gau, den die Einstweilige Verfügung verursacht hat, wird das Zurückrudern von Heilmann nicht mehr viel ändern. An den Fehlwahrnehmungen in den Medien und bei Bloggern vermutlich auch nicht. Da wird zum Teil ein echter Popanz aufgebaut. Aber immerhin hat die Parteiführung der Linken Lutz Heilmann offensichtlich zur Vernunft gebracht.

  50. von luky

    Hallo und danke für Deine Überlegeungen. Es tut gut, wen zu finden, der auch dann noch selber denkt, wenn eine Geschichte voller ‘Trigger’ ist: Linke, Stasi, einstweilige Verfügung usw. Als Schweizer habe ich wohl ohnehin etwas mehr emotionale Distanz.

    Meiner Ansicht nach ist eine einstweilige Verfügung durchaus das Mittel der Wahl, um beispielsweise die Verbreitung einer Zeitschrift mit ehrverletzenden Aussagen zu stoppen. Dass ein Jurist so handelt, mag nicht schlau sein, aber imo durchaus verständlich: Jetzt stoppen wir die Verbreitung, dann kümmern wir uns darum, dass die Aussagen richtig gestellt werden.

    Ein zweites noch: Für mich ist absolut unverständlich, wie negativ ihr mit allem umgeht, was aus der ehemaligen DDR kommt. Für mich gibt es keinen Grund, wieso ein ehemaliger Stasi-Mensch etwas böseres sein soll, als ein BND-, BKA- oder GSG9-Mensch. Gut, ich hab’s nicht selber erlebt – andrerseits kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das gerade bei den lautesten Kritikern nicht anders ist.

    Äh, bloss eines noch: Wenn aber eine die politische Überzeugung so schnell wechselt, wie andere die Unterwäsche, und binnen weniger Jahre von der FDJ-Sekretärin für AgitProp zur Bundeskanzlerin der CDU wird – das ist dann natürlich Vertrauen erweckend! Ihr seid ein komisches Volk…scnr

    gruss aus dem Süden. luky

  51. von daniel

    @Holgi:

    Zitat:
    “Diese Cliquen zu entmachten, ist mittlerweile fast unmöglich geworden, denn sie schieben über ein fragwürdiges Wahlsystem mit seinen Listenplätzen immer wieder Personal nach”

    Ich weiß, daß wir mittlerweile offtopic sind, aber Du hattest das Topic ja selbst geschlossen :-)
    Es interessiert mich aber doch:
    Du hast ein Problem unserer Demokratie schön beschrieben.
    Aber was könnte die Lösung sein?
    Abschaffung des Verhältniswahlrecht-Teils der Wahlen?
    Dieses Mischsystem ist ja seinerzeit bewußt gewählt worden, um die Vorteile beider Systeme zu vereinen.

  52. von Gero

    @flynn
    es geht hier nicht um die Ignoranz der Digiterati, sondern um die Kompetenz von Politikern die sich anmassen, die Richtigen zu sein um ein Land wie die BRD regieren zu können! Ich finde, wenn ein Politiker unfähig ist einen Laptop zu bedienen, dann fehlt auch der IQ und die Kompetenz um ein Land zu regieren. Oder würdest Du Fleischer bei einem Meister lernen der keine Wurst machen kann? Von dem würdest Du dir auch nichts sagen lassen! Ich bin der lebende Beweis, daß man sogar IRC (Internet Relay Chat, in meinem Fall Mirc) zu bedienen lernen kann, bin schliesslich schon über 50 ;)

    @Holgi
    ich bin so hin-und hergerissen zwischen den Parteien, daß ich denke ich werde nicht mehr wählen gehen. Wenn man schon gegen die Parteiendemokratie ist, sollte man auch keine solche wählen. Stell Dir vor, alle Wahlberechtigten würden da mitmachen, die Revolution wäre perfekt!

    @all
    Mein Idealbild sieht so aus, daß direkt gewählte Volksvertreter für maximal 2 Legislaturperioden a 5 Jahre ins Parlament gewählt werden können. Sie sitzen nicht nach Partei zusammen weil es die nicht mehr gibt, sondern nach Bundesland und setzen sich für dessen Wohl ein.
    Direkt gewählte Volksvertreter können auch wieder direkt abgewählt werden.
    Es gibt keine Länderparlamente mehr und keinen Föderalismus, Wettbewerb und Kreativität sind gefragt.

  53. von Dumdidum

    Fasst ziemlich gut zusammen, was man so über die Parteien denkt…

    …außer das man bei den Grünen eher denkt “was ein Haufen realitätsferner Spinner”. Außer Umweltschutz kann man von den Grünen ja wirklich nichts erwarten.

  54. von Philipp

    @Gero
    mit dem nicht mehr zur Wahl gehen würde mensch imho aber nicht das System der Wahlen gefährden, da ja immer noch von “eindeutigem Wählerauftrag”(!) gesprochen wird, was doch schon ganz schön zynisch ist.
    Für angebrachter halte ich es an der Wahl teilzunehmen, aber trotzdem keiner der angebotenen Parteien die eigene Stimme zu geben, wenn mensch sich nicht entscheiden kann/will.
    Ungültig wählen ist ‘ne tolle und meines Erachtens wesentlich aussagekräftigere Maßnahme.

  55. von daniel

    @von Gero
    zum Thema Änderungen im Wahlsystem:
    Im Prinzip eine Verbesserung der aktuellen Lage.
    Der Nachteil beim Verhältniswahlrecht bleibt natürlich erhalten.
    Und ich sehe ein weiteres Problem:
    Wie will man gewährleisten, daß nicht doch wieder nur Berufspolitiker zur Auswahl stehen, sondern Leute aus der und Entscheidungen treffend im Sinne der Bevölkerung?
    Es hat ja seine Gründe, warum heute überwiegend Berufspolitiker und Beamte im Parlament sitzen. Die arbeitende Bevölkerung kann sich Politikmachen nur leisten, wenn sie finanziell und zeitlich Nachtteile in Kauf nimmt.

  56. von foo

    Ist Atze Schröder, der mal das Gleiche tat wie Heilmann, eigentlich auch ein böser Zensor, der nichts von freier Meinungsäußerung hält?

    edit:

    @Thema “ungültig wählen”: Die Aussagekraft bezweifel ich. Interpretationsmöglichkeit a’la “Oh, wir haben ein Volk, das zu dumm ist, zu wählen.” ist da wahrscheinlicher. Geringe Wahlbeteiligung wird ja auch viel lieber als “politisches Desinteresse” gewertet statt als “Unzufriedenheit”.

    @Thema “Parteiendemokratie”: Ich stelle mir grad vor, es stehen 14000 Menschen zur Wahl, die alle eine eigene Meinung haben. Wie soll man ohne Parteien inhaltliche Mehrheiten finden?
    Oder soll man die repräsentative Demokratie durch 100% direkte Demokratie ersetzen? Ich bin ein Freund von direkter Demokratie als gleichberechtigter Ergänzung zur repräsentativen Demokratie, aber weitergehendes hielte ich für verrückt. Abgeordnete sind nötig.

    @Thema “Listenplätze”: Ein reines Mehrheitswahlrecht mag ja schön und gut sein. Dies führt aber immer hinreichend oft zu einem 2-Parteien-Systemen und das möchte ich in Deutschland nicht. Lieber mehr direkte Demokratie.

    @Thema “Ausschluss”: Ich weiß nicht, wieviele von euch in Parteien oder einfach nur Vereinen organisiert sind, aber ein Ausschlussverfahren ist nicht immer so einfach und nicht immer erfolgreich. Bei einem Partei-Ausschlussverfahren der PDS wegen Verschweigen der weiteren MfS-Tätigkeit bis 1990 kam der Herr Heilmann ja leider schon knapp mit einem blauen Auge davon. Ich hoffe, die, die damals für ihn gestimmt haben, bereuen es nun.

    foo

  57. von Holgi

    Atze Schröder müsste dann eigentlich der Beweis dafür sein, dass das Werbefernsehen der Totengräber der freien Welt ist.

    Wobei es mir vergleichsweise leicht fällt, dieser Theorie zu folgen :D

  58. von Gero

    @Philipp
    Du hast recht, ich werde ungültige Stimmen abgeben! :)

    @daniel
    es gäbe keine Berufspolitiker mehr, max.10 Jahre wären erlaubt. Über Details müßte man sich natürlich mehr Gedanken machen! Zum Beispiel dürften keine Beamten und keine Juristen, wir wollen doch schliesslich die Gesetzestexte eindeutig verstehen……Diskriminierung der beiden Berufsgruppen egal, es geht ums Allgemeinwohl.