Liebe USA,

bei aller Kritik – von der man sogar sehr viel an Dir üben muss, wenn man über auch nur ansatzweise Geistes- und Herzensbildung verfügt – nötigt mir ein Umstand den allergrössten Respekt ab.

Du hast einen Schwarzen zum Präsidenten gemacht.

Ich habe nicht gedacht, dass Du schon soweit bist. Das zeigt mir, dass es sich lohnt, in einer weissen, rassistischen Mehrheitsgesellschaft, wie auch die deutsche eine ist, einen immerwährenden Dialog gegen die Dummheit zu führen und so das unfassbar dicke Antidiskriminierungsbrett zu bohren, wo immer es geht.

An diesem Punkt hast Du einen zivilisatorischen Vorsprung eingenommen, der mein Land wie einen Erstklässler aussehen lässt, der es immer noch als irgendwie “besonders” ansieht, wenn ein Nachrichtensprecher nicht Klaus heisst oder sogar eine Hautfarbe hat, die auf Wurzeln deutet, die sich nicht der Deutschen Blut- und Boden-Abstammungsideologie unterordnen lassen.

Um bei der Schulmetapher zu bleiben: Abi bekommst allerdings noch lange nicht. Es gibt da nämlich noch einige andere Haltungen wider die Barbarei, bei denen Du noch was von uns lernen kannst. Das ist mir heute aber egal und darum

verneigt sich
Holgi

22 Kommentare zu “Liebe USA,”

  1. von Das Kraftfuttermischwerk

    [...] weil ich es dennoch so trefflich nicht formulieren könnte, zitiere ich den meistens grandiosen Holgi: Liebe USA, bei aller Kritik – von der man sogar sehr viel an Dir üben muss, wenn man [...]

  2. von Roberto J. De Lapuente

    Um mal mit Michael Moore zu fragen: Wird Obama genauso schwarz sein, wie es Powell und Rice waren? Wird er genauso viel für die Gleichberechtigung der schwarzen US-Amerikaner tun, wie diese beiden, die mittels Wahlbetrug an den Schwarzen, zu schwarzen Politikern in hohen Ämtern wurden?

    Nein, da halte ich es mit Martin Luther King. Er hätte am heutigen Tag nicht erkannt, dass die Schwarzen am Ziel sind, denn die Installation eines Schwarzen im Präsidentenamt sagt wenig über die Lebensverhältnisse der Schwarzen generell aus. Die Farbe ist einerlei – an den Taten muß man ihn messen. Sich zu freuen, dass nun ein Schwarzer das Amt innehat, ist nur eine verlängerte Sichtweise der Borniertheit, auch dann, wenn sie liberal daherkommt.

    Was haben die Schwarzen erreicht durch Obama? Bisher nichts! Obama hat vielleicht etwas erreicht, seine Familie, seine Kinder, seine Nachfahren – und was ist mit denen, die in den Südstaaten dahinvegetieren und noch immer einen Ku-Klux-Klan-Furor ertragen müssen? Die zentrale Frage wird sein: Was hat sich nach vier oder acht Jahren Obama-Regierung geändert? Wenn man sieht, was Rice und Powell in ihren hervorragenden Stellungen bewirkt haben, dann kann ich nur zittern, dass es nicht viel sein wird…

  3. von Eberon

    An welchen nicht Klaus heißenden Nachrichtensprecher denkst Du da eigentlich genau?

  4. von foofighter

    Ich kann da Roberto nur zustimmen…trotzdem freue ich mich über das Ergebnis…andere Frage: Was ist eigentlich mit dem Wetteinsatz des geneigten Moderators, der hier im Blog und auch in der Sendung seinen “”"”"” “”"”" gewettet hat, daß es Mc Cain wird? Merke: man sollte seinen “”"”" nicht allzu leichtfertig und allzu oft verwetten – man hat nämlich nur den einen !

  5. von TOR Florian

    In der Rassismusfrage ist die Wahl eine Schwarzen mit Sicherheit eine Zäsur, nicht allein, weil sie der (hoffentlich kleinen) Gruppe von bekennend rassistischen Minderheit zeigt, dass sie eben das ist: eine Minderheit. Und zwar eine, die ab jetzt nicht mehr von dem Eindruck zehren kann, besonders mächtig zu sein oder besonders einflußreich. Sie wurde dahin gedrängt, wo eine extreme Randgruppe hingehört: an den Rand.
    Ich glaube aber nicht, dass Mr.Obama in der Lage sein wird, seinen Amtszeit(en) den Anstrich zu verpassen, besonders der Rassismusfrage
    gewidmet gewesen zu sein. Nicht nur, weil das wahrscheinlich kontraproduktiv wäre, sondern vor allem, weil Amerika im Moment weitaus drängendere Probleme zu haben scheint (und das will einiges heissen, ist es doch so, dass die Vereinigten Staaten eine Nation sind, die im Grunde auf der Übereinstimmung darüber überhaupt existiert, dass die Rassismusfrage lösbar ist). Und bei aller Freude im Moment gebe ich Roberto J. De Lapuente durchaus recht, gemessen wird Obama an den Fortschritten, die er erzielen kann, und da wird er es genauso schwer haben wie seine Vorgänger- nur dass man ihm zugute halten muß, das man (ich zumindest) ihm ernsthaft Elan in der Sache zutraut.

    MfG
    Florian

  6. von Holgi

    Es geht nicht um Obama, sondern um die US-Gesellschaft. Ich habe nicht behauptet, dass irgendwer am Ziel sei, sondern gesagt, dass ein schwarzer Präsident ein zivilisatorisch Schritt ist, von dem die deutsche Gesellschaft noch meilenweit entfernt ist.

  7. von Holgi

    Foofighter, ich war heute beim Sport. Mal sehen, wann der fette Hintern weg ist – bloss hat den dann keiner bekommen, so dass das keine 100%ig saubere Wette war ;)

  8. von Holgi

    Eberon, ich meinte natürlich ${Klaus}

  9. von Eberon

    Darf ich also so verstehen, daß Du keinen konkreten Fall ansprichst, sondern Du nur spekulierst auf Grundlage Deiner Vorurteile?

    Dann darf ich sagen, daß ich Deine Spekulation sehr, sehr stark bezweifele. Ich glaube, daß es keine Rolle spielt, egal ob bei einem Nachrichtensprecher oder bei einem Kanzlerkandidaten, daß er nicht Klaus heißt oder eine dunklere Hautfarbe hat. Weder im Sinne von “Alles nur keinen Nicht-Klaus!” noch in der Art “Endlich ein Nicht-Klaus!”

    PS: Das ganze war besser Formuliert, ging jedoch verloren, da Dein Spamfilter nicht rechnen kann.

  10. von Holgi

    Genau. Dass wir eine rassistische Gesellschaft sind, ist nur eins meiner Vorurteile. Deutschland ist ein weltoffenes, tolerantes Einwanderungsland. Schwarze werden genausowenig diskrimiert wie Moslems, Behinderte, Homosexuelle oder Arme, Einwanderer werden sofort integriert und die Nazis schlagen auch keine Menschen tot.

    (Das war jetzt Ironie oder sogar Sarkasmus – nur für den Fall, dass auch das irgendjemand nicht begriffen haben sollte.)

  11. von My-Doom

    und spamfilter können rechnen.

  12. von Obaaaama » [gehirnstürm]

    [...] Holgi: Liebe USA [...]

  13. von Fips

    Bin gerade auf diese Grafik bei süddeutsche.de gestoßen:

    http://pix.sueddeutsche.de/politik/904/316784/459-1225910183.jpg

    (man achte auf die weiße Wählerschaft)

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob das “weiße” Amerika seine Vorurteile (um es moderat auszudrücken) überwunden hat.

  14. von Holgi

    Wer sagt, dass die das überwunden haben? Haben die noch lange nicht. Sie sind aber viel weiter auf dem Weg dahin, als wir.

  15. von Barbara

    Lieber Holgi,
    was ich nicht verstanden habe: die “Haltungen wider die Barbarei, von denen die USA noch was lernen kann”! Welche meintest Du denn nun damit?? Ich dachte nämlich immer, daß speziell Deutsche schon so eine Art Urheberrecht auf die Barbarei haben und die Amis doch eher die waren, die “uns” (und vor allem andere) von der Barbarei vor einiger Zeit befreit haben…

  16. von Jens

    @fips: statistiken sollte man schon lesen können…
    (ok, ich löse auf: die zeile “schwarze” heißt _nicht_, daß 95% der wähler Obamas schwarze sind. die zeile darüber allerdings lässt mich deine Frage “ob das “weiße” Amerika seine Vorurteile (um es moderat auszudrücken) überwunden hat” durchaus mit einem “in diesem fall durchaus” beantworten).

  17. von Holgi

    Barbara, beispielsweise sowas wie Folter und Todesstrafe empfinde ich als Barbarei. Und das gibt es in entsprechender Ausprägung bei uns ja glücklicherweise nicht.

  18. von Gunnar

    “Wir sind Präsident!” habe ich leider nicht auf der ersten Seite der BILD-Zeitung lesen können. Zum Glück! Denn eigendlich kann ich mit der ganzen Euphorie nichts anfangen. Da wurde ein Mann in einem fernen Land zum Präsidenten gewählt und die ganze Welt steht Kopf vor lauter Freude. Warum? Was versprechen sich die Menschen in der Welt von einem Mann, der einem eigendlich nur leid tun kann? Er übernimmt ein Land das ruiniert ist, in mehrere ungelöste Konfllikte verwickelt ist und in dem die Politiker Spielbälle der Lobbyisten sind.
    Wer glaubt das ab dem 20.01.09 nun alles anders wird, muß sich wahrscheinlich enes Besseren belehren lassen. Die exorbitanten Staatsschulden werden dem Herrn Obama wenig Spielraum für seine zukünftigen Pläne (welche sind das überhaupt?) lassen. Also wird die Reformation des Gesundheitswesen wegen Geldmangel auf die lange Bank geschoben und die Sanierung des Haushaltes an erster Stelle stehen.
    Und wenn ich jetzt mal ganz böse sein soll, dann muß man den Wahlkampfmanagern und der Presse ein großes Lob aussprechen, sie haben es nämlich geschaft das, bis auf einige wenige, das ganze Land wieder an die Zukunft glaubt und alles auf einen Schlag besser wird als vorher weil der bessere Kandidat gewonnen hat. Der bessere? Oder doch eher die größte Brieftasche? Es ist nämlich erstaunllich wieviel Geld verpulvert wurde um den Leuten klar zu machen das dieses mal wieder die Demokraten an der Reihe sind zu regieren. Genauso erstaunlich ist es wie wenig Geld die Republikaner gebraucht haben um ihren Mann verlieren zu lassen.
    Egal! Wir sollten uns entspannt zurücklehnen und die ganze Sache aus der Ferne beobachten. Vielleicht kommt die Ernüchterung ja früher als wir denken. Spätestens wenn Mr. USA seine “Verbündeten” auffordert mehr Initiative (sprich mehr Truppen) in den Kriesengebieten zu zeigen, dann sollten wir uns fragen: Können wir diese Aufforderung ignorieren? Yes we can!

    MfG Gunnar

  19. von Fips

    @Jens: Mir ist schon klar, dass nicht 95% der Obama-Wähler schwarz sind, sondern 95% der schwarzen Obama gewählt haben. Dennoch ist es aber so, dass nicht die Mehrheit sondern “nur” 43% der weißen für Obama gestimmt haben und es war nun einmal Amerikas weiße Bevölkerung, die die schwarze Minderheit unterdrückt und das Ziel der Rassentrennung verfolgt hat. Insofern meine ich (wie Holgi) das Amerika zwar auf einem guten Weg ist, die Vorbehalte und/oder Vorurteile der weißen Bevölkerung Amerikas gegenüber der schwarzen Minderheit aber durchaus noch vorhanden sind.

    @Holgi: Da hast du recht!

  20. von Clara

    Gunnar, da muss ich dich enttäuschen, in der Tageszeitung war heute der Satz “Wir sind Obama” zu lesen!
    Natürlich sollte man in ihm nicht den Wunderheiler sehen, es ist doch aber bewundernswert, eine ganze Nation auf den Kopf gestellt zu haben, und allein die Haltung und Hoffnung, die viele Amerikaner nun haben, kann man als Erfolg ansehen.
    Ich gebe dir aber Recht, dass viele wohl bald von Enttäuschung überrollt werden, was im Zweifelsfall aber nicht an Obama, sondern an diesen Menschen selbst liegt.

  21. von Alex

    Ich werfe einmal die Frage in dem Raum, was sagt uns die Statistik überhaupt??

    43% der weißen Wähler haben für Obama gewählt und 55% gegen Obama. Aber dürfen wir aus diesem Faktum schließen, dass diese 55% sich pro McCain aus rassistischen Hintergründen entschieden haben?

    Hierzu gleich die Antwort, NEIN!
    Natürlich gibt es bei diesen 55%, Wähler mit rassistischen Hintergründen. Ich finde aber in den meisten Beiträgen wurde vergessen, dass auch McCain ein Wahlprogramm, eine Politik vertreten hat. Somit ist es unwahrscheinlich das annähernd 50% – geschweige denn die 55% – dies aus rassistischen Gründen tätigten. Zumindest ist dies meine Überzeugung.

    Ob die Euphorie gerechtfertigt ist oder nicht und inwiefern sich diese Euphorie bewahrheiten wird, keine Ahung – we will see…

    Gunnar:
    Aus deinem Beitrag verstehe ich, dass wir diese Aufforderung nicht nur ignorieren können sondern dies auch sollten, aber warum? Nungut dies vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt ich schweife von der eigentlich Thematik ab.

    Alles in allem gehe ich mit dem Ausgangspunkt, Holgis Beitrag Liebe USA [...] conform

    best regards

  22. von links vom 05-11-2008 « murdelta

    [...] Liebe USA, “Du hast einen Schwarzen zum Präsidenten [...]

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