Vierzehn Historische Finanzkrisen
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
- Die 30 MĂ€dchen von Genf
Die Französische Revolution von 1789 besaĂ mehrere Ursachen, die nicht allesamt ökonomischer Natur waren. Einer der GrĂŒnde fĂŒr die Unruhe im Lande, die schlieĂlich zur Revolution fĂŒhrte, war jedoch die verzweifelte Lage der französischen Staatsfinanzen. - Der vollautomatische Börsenkrach
Die NervositĂ€t hatte sich ĂŒber Wochen aufgebaut, am 19. Oktober 1987 entlud sie sich in einem ungeheuren Kursgewitter: An diesem “Schwarzen Montag” verlor der Dow-Jones-Index 22,6 Prozent – der mit Abstand gröĂte Tagesverlust aller Zeiten. Nach den Erkenntnissen der amtlichen Untersuchungskommission unter dem ehemaligen Finanzminister Nicholas Brady trug zu dem Kurssturz vor allem ausgerechnet eine Finanzstrategie bei, die den Investoren eigentlich Schutz vor EinbuĂen hĂ€tte gewĂ€hrleisten sollen, die sogenannte Portfolio Insurance. - Das abrupte Ende der GrĂŒnderzeit begann an der Donau
Wer heute an die GrĂŒnderzeit denkt, hat meist die groĂbĂŒrgerlichen HĂ€user vor Augen, die an einigen Orten in Deutschland Kriege und stĂ€dtebaulichen Kahlschlag ĂŒberstanden haben. Die GebĂ€ude sind steinerne Zeugen des Aufschwungs in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts und spiegeln mit ihrer Opulenz den wirtschaftlichen Optimismus dieser Zeit. Von der Krise, die darauf folgte und viele der HauseigentĂŒmer um ihr Vermögen brachte, erzĂ€hlen die Bauten nichts. - Der Schock durch den Fonds der NobelpreistrĂ€ger
Am Nachmittag des 23. September 1998 schrieb William McDonough Finanzgeschichte. Der etwas bullige PrĂ€sident des New Yorker Ablegers der amerikanischen Notenbank Fed hatte die Vorstandsvorsitzenden aller groĂen Wall-Street-Banken sowie die ReprĂ€sentanten der wichtigsten europĂ€ischen KredithĂ€user in einem kleinen Konferenzraum der Notenbank-Filiale in Manhattan zusammengepfercht. Thema der Sitzung war nichts Geringeres als die Rettung des Weltfinanzsystems. - Eine Blumenzwiebel fĂŒr 87.000 Euro
Jedes anstĂ€ndige Finanzwirtschaft-Seminar zum Thema Krisen, Blasen und FensterstĂŒrze findet seinen ersten Höhepunkt in der Behandlung jener Tulipmania, die in den dreiĂiger Jahren des 17. Jahrhunderts groĂe Teile der niederlĂ€ndischen Bevölkerung in Tulpenzwiebel-Zocker verwandelte - Der Börsenkrach von 1929 beendet abrupt die goldenen Zwanziger
Um halb elf war die Börse von blinder, hoffnungsloser Angst erfĂŒlltâ, berichtet der Ăkonom John Kenneth Galbraith in seiner Chronik ĂŒber den 24. Oktober 1929, der in Amerika als schwarzer Donnerstag und in Europa mit einem Tag Verzögerung als schwarzer Freitag in die GeschichtsbĂŒcher einging. - Aufstieg und Fall von John Laws Finanzsystem
Kein Monarch hat in Europa lĂ€nger regiert als Ludwig XIV. von Frankreich (1638 bis 1715). Der âSonnenkönigâ machte Frankreich wĂ€hrend seiner Regentschaft zur mĂ€chtigsten Nation in Europa – allerdings auf Kosten eines gewaltigen Schuldenbergs, zu dem vor allem die zahlreichen Kriege beigetragen hatten. - Das groĂe Wackeln von Tokio
Das Desaster begann mit einem kurzen Satz. Als Japans Finanzminister Naoharu Kataoka am 14. MĂ€rz 1927 vor dem Parlament stand, sprach er erst von Deflation, dann vom Goldstandard und schlieĂlich von drohenden Schieflagen vieler Banken. - Vom TellerwĂ€scher zum MilliardĂ€r und wieder zurĂŒck
Thyssen-Krupp gleich EM.TV. Dieses Ergebnis brachte der Börsenhandel am 14. Februar 2000. Beiden Unternehmen wurde ein Marktwert von knapp 14 Milliarden Euro zugemessen. Auf der einen Seite der Börsengleichung ein Stahlriese aus dem Ruhrgebiet mit fast 200.000 Mitarbeitern, 32 Milliarden Euro Jahresumsatz 1999 und einer DividendenausschĂŒttung von 368 Millionen Euro. Auf der anderen Seite der Gleichung ein MĂŒnchner FilmrechtehĂ€ndler mit nur einem Umsatz von 320 Millionen Euro, aber der AnkĂŒndigung der GebrĂŒder Thomas und Florian Haffa, binnen weniger Jahre die UmsĂ€tze zu vervielfachen und Milliardengewinne zu erzielen. - Die erste Weltwirtschaftskrise
Auf diese Nachricht hat Karl Marx in seinem Londoner Exil lange gewartet: Im Herbst 1857 brach in den Vereinigten Staaten eine noch nie dagewesene Wirtschaftskrise aus. Reihenweise brachen Banken zusammen und gingen Industrieunternehmen in Konkurs. Binnen kurzem stĂŒrzte sie Millionen Menschen auf der ganzen Welt in Arbeitslosigkeit, Hunger und Not. âPleite ist ein anderes Wort fĂŒr Hungerâ, schrieb die âChicago Tribuneâ. Wie ein Kartenhaus schien der Kapitalismus einzustĂŒrzen, genauso wie Marx es vorhergesagt hatte. - Die SĂŒdseeblase kam auch Isaac Newton teuer zu stehen
Sie hat berĂŒhmte Opfer. Der Physiker Isaac Newton und der Schriftsteller Jonathan Swift zĂ€hlen dazu: die SĂŒdseeblase. Sie gilt als eine der ersten und zugleich gröĂten Börsenspekulationen der Geschichte und hinterlieĂ Anfang des 18. Jahrhunderts nicht nur in ihrem Ursprungsland GroĂbritannien tiefe Spuren. - Jeder durfte mal MillionĂ€r sein
Zu Beginn der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wirbelte eine rasante Geldentwertung die deutsche Gesellschaft durcheinander. Wer sein Leben lang gespart und Staatsanleihen gezeichnet hatte war ebenso verarmt wie Rentner und Beamte. Reich wurden alle, die Sachwerte besaĂen. - RegelĂ€nderung mitten im Spiel
Der Plan war kĂŒhn, die DurchfĂŒhrung konsequent: Auf dem Höhepunkt ihrer Spekulation im Jahr 1980 nannten die Hunt-BrĂŒder Nelson Bunker und William Herbert ĂŒber die HĂ€lfte der amerikanischen VorrĂ€te an Silber ihr eigen – das entsprach zur damaligen Zeit 15 Prozent der weltweiten VorrĂ€te. 6,6 Milliarden Dollar hatten sie sich die Kontrolle ĂŒber den Preis fĂŒr das Edelmetall kosten lassen und schienen ihn tatsĂ€chlich nach Belieben bewegen zu können. Nur mit einer Sache hatten sie nicht gerechnet: Dass wĂ€hrend des Spiels die Spielregeln geĂ€ndert werden könnten. Das brachte ihr kĂŒhnes Vorhaben letztlich zum Einsturz. - Börsenkrach im Zeichen der orakelnden Kröte
Das Orakel hatte gesprochen, und das Orakel hatte gefehlt. Zwar war Nui Onoue wie jedes Jahr mit einer handverlesenen Schar hochrangiger Banker zum Neujahrfest im vierten Stock ihres Osakaer Restaurants zusammengekommen; zwar hatte sie wie immer ihre HÀnde auf den Kopf einer ein Meter hohe Keramik-Kröte gelegt, sich in Trance gebracht und ein paar Mantras gesprochen. Doch anders als in den drei Jahren zuvor sollte die Prophezeiung der 61 Jahre alte Wirtin dieses Mal vollkommen danebenliegen.

Samstag, 27. September 2008 | 23:34 Uhr
Der Marx war ein sehr weise man, auf den man seit allen Zeiten hören kann.
Und Muss!
Montag, 06. Oktober 2008 | 01:01 Uhr
Zum Thema Finanzkrise: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,581446,00.html