Warum echte Videos für einen Spielfilm?

16.11.2011 08:11 | Sternjäger

Kein Drumherumreden: Wir drehen einen Spielfilm. Mit einer von vorn bis hinten erfundenen Geschichte. Anders als im großartige französischen Schulfilm “Die Klasse” (2008) spielt hier niemand sein eigenes Leben. Wir bewundern diesen Film und er hat uns sehr beeinflusst, aber nein: Die, die wir in Szene setzen, sind keine Schüler mehr, sondern professionelle Schauspieler (wenn auch sehr junge). Nur die Stimmen und Aussagen von Schülern, die es hier zu sehen gibt, sind echt. Und einige von ihnen werden wir für unseren Film verwenden.

Ist das verlogen? Wahr ist: Die echten Videos, die wir im Film verwenden, spiegeln etwas vor, was der Film nicht ist. Niemand, auch wir nicht, soll glauben, bloß weil wir ein paar Schnipsel Wirklichkeit einbinden, bilden wir das wahre Leben ab.

Trotzdem sind uns diese Schnipsel wichtig. Dass die Erfinderin unserer Geschichte, die Drehbuchautorin Ariela Bogenberger, als Mutter von drei Schulkindern selbst einen Teil der Wirklichkeit kennt, haben wir schon erwähnt. Außerdem hat sie eine besondere Art zu arbeiten; bevor sie ein Drehbuch verfasst, spricht sie so viel wie möglich mit Menschen, die Teil ihrer Geschichte sein könnten. Was sie von ihnen hört, baut sie in die Geschichte ein – fast wie bei einem Dokumentarfilm. Von daher passen die Video-Statements ganz gut zu diesem Film, finden wir.

Es wäre ja auch ein ziemlicher Widerspruch, einen Film zu machen, dessen Kernaussage lautet: Unsere Schulen hören den Schülern nicht zu – und dann die Betroffenen selbst nicht einmal zu Wort kommen zu lassen. Was die erzählen,  das kann man nicht glaubhaft spielen; kein Fake kann das ersetzen.

Was passiert jetzt mit den Videos?

In unserem Film betreibt einer der Schüler, Tim alias “Sternjäger”, eine Website. Über diese sammeln unsere Protagonisten die Video-Statements von Schülern in der ganzen Republik – und werden von Antworten und Meinungen regelrecht überschwemmt. Und irgendwann kann sogar Tims Vater, der Schuldirektor, die Site nicht mehr ignorieren – und schaut sich mit zunehmender Faszination die Videos an.

Die dann natürlich auch im Film zu sehen sind.

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