Gestern hatten wir unser letztes längeres Interview. Und mit Kevin Brooks saß uns wieder ein interessanter, wieder ein englischsprachiger und wieder ein sehr ungewöhnlicher Autor gegenüber:
Bevor Brooks als Schriftsteller bekannt wurde, traf man ihn eher als Hot-Dog-Verkäufer im Londoner Zoo, als Tankwart oder bei seiner Arbeit im Krematorium. Er spielte Gitarre in einer Punk-Band. Klingt nicht nach einem späteren Gewinners des Deutschen Jugendliteraturpreises. Aber in seinem Fall trifft es zu. Der 49-jährige Brite brauchte einfach an paar Jahre Zeit, um sein Talent zu entfalten. 2001 brachte er mit „Martyn Pig” seinen ersten Roman raus. Schnell war auch Erfolg da. Neben dem Deutschen Literaturpreis 2006 wurde Brooks auch schon mit dem „Goldenen Bücherwurm” und dem “Buxtehuder Bullen” ausgezeichnet:
„Ich habe immer gehofft und gewollt, dass ich eines Tages Schriftsteller sein kann. Ich wusste, dass man, um ein Buch zu schreiben, viel Disziplin und Hingabe braucht - und die hatte ich lange Zeit nicht… Zu lernen, wie man ein Buch schreibt, dass ist ein langer Prozess.”
Lauras Fotos vom Interview:
Und seine Geschichte passt auch zu seinem äußeren Erscheinung. Er sieht verwegen aus, trägt eine Glatze und einen Dreitagebart. Er spricht langsam mit einer tiefen Stimme und dem typisch britischen Akzent. Irgendwie kam er für mich aber sehr sympathisch und entspannt rüber. Er erklärte:
„Ich schreibe über das echte Leben und wirkliche Dinge, zum Beispiel über Menschen mit Problemen und einem harten Leben. Wenn am Ende alles glücklich ausgeht, dann fühlt sich das für mich nach einer Lüge an - denn es ist nicht alles glücklich im Leben.”
Diese realistische Sichtweise drück sich auch in seinem Schreibstil wieder. Brooks schreibt direkt und schonungslos. Er beschönigt die Sachen nicht. Damit beschäftig hat sich besonders Uwe-Michael Gutzschhahn, der auch beim Interview dabei. Er hat bisher alle Brooks-Romane ins Deutsche übersetzt. Gutzschhahn erklärte uns, dass es in jedem Buch eine bestimmte Dynamik der Sprache gibt, jede Geschichte hat ihren eigenen Sound, ihre eigene Stimmung. Es käme darauf an, dass man schnell eine Verbindung zu der Sprache und den Figuren der Geschichte herstellen könne.
Die Übersetzung scheint Gutzschhahn auch hervorragend gelungen zu sein. Brooks Bücher bestechen durch eine direkte und schonungslose Sprache, die einfach realistisch ist, was bestimmt ein Grund für den großen Erfolg seiner Geschichten ist.