Auf der Suche nach der verlorenen Galerie

Europäische Zentralgalerie – ein eindrucksvoller Name für eine Galerie im Ostend. Und erst die Abkürzung: EZG. Drei Buchstaben, die en passant Kunst mit Hochfinanz verbinden. Eine Galerie, die ihrer Zeit voraus ist?

Keine 100 Meter entfernt von der Großmarkthalle soll sie sein, die EZG. In Sichtweite zu dem Platz, wo sich bald der neue Prestigeturm der EZB, der Europäischen Zentralbank, erheben wird. Ein geschickt gewähltes Wortspiel, die Bedeutung des Namens scheint offensichtlich: Hier wird ein Stück Europa geschrieben. Meint auch mein Dozent – und schickt mich hin, um zu erkunden, was das für eine Galerie ist. Wer steckt hinter der EZG und ihrem einfallsreichen Namen?

Frankfurt, Sonnemannstraße, direkt an der großen Baustelle des Namensvetters EZB. Ich biege ein in die Windeckstraße, die Container der Bauarbeiter im Rücken. Hier soll die Galerie sein. Doch der erste Gang durch die Straße bringt keine Erleuchtung. Ein türkischer Supermarkt zur Rechten, zur Linken eine Salzgrotte, ein Heilbad. Eine Pizzeria im Schatten der Bäume. Von der Galerie keine Spur.

Cutting Edge – eine andere Art von Kunst

Das Haus Nummer 48 in der Windeckstraße ist das Haus, das einen Hauch Europa versprühen soll: eine modifizierte europäische Flagge vielleicht, ein Buddha mit mexikanischem Hut, „Hello Kitty“ auf japanisch. Doch nichts davon ist hier zu sehen.

Die Fassade ist eher langweilig, nichts von künstlerischem Flair, wie es barocker Stuck versprühen kann. Eine Klingelleiste wie jede andere. Das einzige Auffällige ist ein Schild mit dem Schriftzug „Cutting Edge“, golden umrahmt. Ein Friseursalon, auch eine Art von Kunst. Detlev Flach ist der Inhaber der „Schnittecke“, der sich hinter dem kreativen Namen verbirgt. Der Friseur weiß von nichts. „EZG? Oder meinen Sie die EZB?“

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