Ein Café zum Üben

Peter Hovermann plant zusammen mit Künstlern, Soziologen und Architekten eine umstrittene Designer-Obdachlosensiedlung im Frankfurter Ostpark. Ein Interview über seine Designentwürfe, Günther Wallraff und Maßnahmen zur Eingliederung von Obdachlosen.

Herr Hovermann, wie kommt man darauf, eine Designer-Obdachlosensiedlung zu bauen?

Peter Hovermann: Vor zwei Jahren war die Bauaufsicht bei uns und meinte: Leute, die Container, die ihr dort stehen habt, sind jetzt 20 Jahre alt und haben nur Brandschutzklasse F10. Das heißt, nach zehn Minuten fackeln die Dinger einfach ab. Und das ist nicht viel. Wenn da noch jemand betrunken ist und du musst das Ding räumen, dann wird das super knapp. In dem Moment, wo klar war, wir müssen alles abreißen und neue Container hinstellen, haben wir uns gesagt, lasst doch mal einen Moment innehalten und überlegen. Ist die Lösung mit den Containern, wie es überall gemacht wird, wirklich „State of the Art“? Oder könnten wir mit unseren 20-jährigen Erfahrungen überlegen, was gut ist und wo wir was anders machen könnten?

Der Enthüllungsjournalist Günter Wallfraff hatte vor ein paar Jahren eine Nacht in ihrer Einrichtung verbracht und sie danach in seiner Reportage als drittschlechteste in Deutschland bezeichnet. War das ein Mitgrund dafür, dass Sie jetzt etwas ganz Neues bauen?

Peter Hovermann: Nein, aber es war für uns schon klasse. Der Bericht war meiner Meinung nach nicht sachgerecht, aber es haben sich plötzlich viele Leute in Frankfurt dafür interessiert. Und das hat die Stadt sicher auch ein bisschen dazu bewogen, ‚ja‘ zu dem Projekt zu sagen. Herr Wallraff war übrigens danach zwei, drei Mal beim Treffen unseres Planungsrates dabei und da hat er sogar recht vernünftige Sachen gesagt.

Sie haben für die Planung der neuen Siedlung ein sehr buntes Team aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen zusammengestellt. Warum?

Peter Hovermann: Wir haben uns in der Situation überlegt, dass wir nicht nur die sozialen Spezialisten, die bei uns arbeiten, an Bord holen sollten. Deren Erfahrung brauchen wir natürlich, aber sie haben vielleicht auch nicht mehr den Blick dafür, was nicht so gut lief. Also haben wir mit Richard Brox einen Betroffenen eingeladen, der ein Obdachlosenportal hat und seit 20 Jahren durch die Welt reist. Der ist nicht wirklich obdachlos, aber er hat schon alle Obdachloseneinrichtungen ausprobiert und das quasi zum Beruf gemacht.

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