Der vertriebene Gartenzwerg

Allem Widerstand zum Trotz wird am Osthafen eine weitere Brücke gebaut. Das Nachsehen haben die Gartenfreunde des Kleingärtnerverein Mainwasen: Sie müssen den Baggern weichen.

Reinhard Flach steht zwischen wilden Gänseblümchen, hüfthohen Gräsern und verwilderten Erbsen. Hier am Deutschherrnufer besaß er über 50 Jahre lang einen Schrebergarten, übernommen von den Eltern, lärmgeschützt und mit exklusivem Blick auf den Main. „Vor zwei Jahren haben sie hier alles platt gemacht“, sagt er.

Platt gemacht für die „Mainbrücke Ost“, die hier entstehen soll. Auf Höhe des EZB-Neubaus wird sie das Ostend mit Sachsenhausen verbinden. 17.000 Autos sollen hier künftig täglich fahren. Was die Erbauer des Osthafens schon 1906 planten, wird jetzt Realität.

Inoffizielle Pläne

„Das Liegenschaftsamt wollte hier eigentlich alle Gärten wegschaffen“, so der erste Vorsitzende des Kleingärtnervereins Mainwasen Klaus Tippmannn. „Aber wir haben erreicht, dass nur die wirklich betroffenen Gärten wegmussten.“ Zwölf Gärten wurden abgerissen. Einige der Gärtner sind in die Anlage 2 umgezogen, die etwas weniger idyllisch und ohne Mainufer oberhalb der Gerbermühlstraße liegt. „Vier der Betroffenen haben ganz aufgegeben“, sagt Tippmann. Das seien Ältere gewesen, die sich einen Neuanfang nicht zumuten wollten. Er selbst habe mit einem Vergabestopp dafür gesorgt, dass frei werdenden Gärten nur intern vergeben wurden. „Die Stadt hat zwar ein Ersatzgelände angeboten“, erinnert sich Tippmann. „Aber das lag so weit vom Schuss, dass dort niemand hinwollte.“

Tippmann erfuhr schon 2004 durch die Presse von den Plänen. „Gerüchte gab es immer wieder“, erinnert er sich, „doch beim Bauverwaltungsamt hieß es immer, da wäre nichts.“ Erst kurz bevor die Gärten tatsächlich abgerissen wurden, gab das Amt im Frühjahr 2009 die Pläne offiziell bekannt.

Der Kampf gegen die Behörden

Rainer Model und Isa Weyhknecht-Diehl wollten das nicht einfach so hinnehmen. Erst vier Jahre zuvor hatten sie ganz unbedarft einen Garten am Main übernommen. Einen Urwald, wie sie sagen, den sie in mühevoller Arbeit herrichteten. Erst ihre Gartennachbarn gaben ihn den Hinweis, sie sollten sich nicht zu viel Mühe geben. Es könnte sich eventuell nicht mehr lohnen, das Dach des Gartenhäuschens neu zu decken.

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