„Es war kein einfacher Weg bis zur Einigung“

Im Skytower sollen sich Vergangenheit und Zukunft vereinen. Ein integriertes Denkmal. Schließlich ist der Platz Teil der jüdischen Geschichte. Salomon Korn, Vorstand der jüdischen Gemeinde Frankfurt, war an der Planung beteiligt. Er erzählt von mühsamen Kompromissen und einem gelungenem Endergebnis.

Über den Erhalt der Großmarkthalle wurde in den letzten Jahren viel gestritten. In wie weit war die Jüdische Gemeinde in diese Diskussion involviert?

Salomon Korn: Wir waren von Anfang an beteiligt, zumal es auch im Interesse der Stadt Frankfurt lag, dass die Jüdische Gemeinde Ihre Bedenken und Anregungen vorträgt. Die Interessen der EZB waren anders gelagert als die der Stadt und der Jüdischen Gemeinde. Am Ende hat die EZB jedoch eingesehen, dass Kompromisse nötig waren, um der Bedeutung des Ortes gerecht zu werden.

Das heißt, bei der Ausschreibung des Bauauftrags für den Neubau wurde bereits berücksichtigt, dass es ein integriertes Denkmal geben wird?

Salomon Korn: Ja, das war von Anfang an klar. Unklar waren Ort und Dimension. Es gab durchaus Überlegungen, die Großmarkthalle wesentlich stärker in die Gedenkstätte einzubeziehen. Doch das scheiterte an Sicherheitsbedenken der EZB. Man begnügte sich dann mit den authentischen Orten: dem Gleisdreieck, von dem aus die Juden in die KZs und Vernichtungslager deportiert wurden und dem Kellergewölbe, in dem sie zusammengetrieben wurden und auf ihre Deportation warten mussten.

Warum war es so schwer, einen Kompromiss zu finden?

Salomon Korn: Das Interesse der Stadt Frankfurt und der Jüdischen Gemeinde war es, den Bereich, der die Deportationen dokumentieren sollte, möglichst groß und öffentlich zu gestalten. Das kollidierte mit Interessen der EZB, die eigenen Räumlichkeiten möglichst groß zu halten und nach außen hin eine Abgrenzung zur Gedenkstätte zu wahren. Sie sollte außerdem für den Betrachter nicht in Konkurrenz zum Neubau treten. Diese Position hat die EZB zunächst hartnäckig verteidigt. Es war kein einfacher Weg bis zur Einigung, aber die Verhandlungen waren stets von Fairness geprägt. Vor allem hatte ich den Eindruck, dass sich Herr Trichet der historischen Dimension des Anliegens und der Bedeutung des Ortes bewusst war.

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