Kinderloses Ostend

Im Frankfurter Ostend leben rund 1.600 Familien mit Kindern. Das ist eh schon unterdurchschnittlich. In Zukunft könnten die Kinderstimmen dort komplett verstummen – außer im Zoo vielleicht. Denn immer mehr junge Familien fliehen vor den Veränderungen im Viertel.

Bisher bezeichneten die Bürger des Ostends das Viertel als einen Multikulti-Stadtteil. Eine bunte Mischung aus allen Alters-, Einkommens- und Klassenschichten. Die Familien schätzen die Nähe zur Innenstadt und zum Mainufer, den ortsansässigen Zoo und die vielen kleinen Einkaufmöglichkeiten, wie den türkischen Gemüsehändler oder den Griechischen nebenan. Doch durch den Neubau der EZB verändert sich das Viertel – nicht nur zum Positiven.

Während Vermieter ihre Wohnungen aufhübschen und danach teuer weitervermieten, kämpfen Mieter darum, ihr Zuhause zu behalten. Einige Familien werden mit zwielichtigen Methoden aus den Wohnungen gedrängt.  „Wenn die Mieter nicht freiwillig gehen, werden Wasseranschlüsse abgedreht oder Kosten erhöht, um den Bewohnern das Leben schwer zu machen“, sagt Sabine Thiem vom Elternbeitrat Ostend. Hauseigentümer, die emotional  nicht an ihren Häusern hängen oder finanzielle Probleme haben, werden mit Angeboten wie „Verkaufen Sie uns Ihr Haus, wir bieten das doppelte des Werts“ geködert.

Die Konsquenz heißt: Wegziehen

SPD-Vorstandsmitglied des Ortsbezirks Ostend, Volker Wolf, sieht in dem Mietanstieg lediglich den natürlichen Prozess einer Stadtentwicklung. Doch gerade für junge Familien mit durchschnittlichem Einkommen wird der Umzug in eine größere Wohnung fast unmöglich, wenn die Mietpreise wirklich anziehen. Die Konsequenz heißt: Wegziehen und dem Ostend den Rücken kehren.

Christiane Dubuque vom Nachbarschaftszentrum Ostend versucht die Veränderungen erst einmal neutral zu beurteilen. Dass das Gebäude der EZB ins Ostend kommt ist nicht unbedingt negativ. Vieles verändere sich auch zum Positiven, betont sie. Aber viele Familien, die das Nachbarschaftszentrum regelmäßig besuchen, stehen dem Wandel sehr skeptisch gegenüber. Sie fürchten, dass die „bunte Mischung“, die das Ostend ausmacht, verloren geht.

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