Mr. Ostend holt das Geld

Die EZB zieht ins Ostend. Verändern wird sich dadurch nichts. Meint Ardi Goldman. Mr. Ostend erklärt, was das Viertel ausmacht und warum das Ostend gar nicht das Ostend ist…

„Schlechte Infrastruktur, laut, viel Gewerbe, Leerstand.“ Das war das Ostend Ende der 80er. Sagt Ardi Goldman, einer der wichtigsten Immobilieninvestoren Frankfurts. Wir sitzen in seinem Büro im sechsten Stock seines Hochhauses nahe Offenbach. Goldman schaut aus dem Fenster, hält inne, will, dass man seinem Blick folgt. Dem Blick auf das Ostend von heute. Der Cocoon, sein Cocoon, ist keine 100 Meter entfernt. Und überhaupt: von Leerstand oder Langeweile keine Spur. Das King Kamehameha, das Penthouse, APT: die schillerndsten Clubs des Frankfurter Nachtlebens sind zuhause im Osten der Stadt. Und Ardi Goldman ist der Mann, der hinter diesen Clubs steht. Der Mann, der das Ostend aus seinem Dornröschen-Schlaf geweckt hat. So sieht er die Sache zumindest.

„Ende der 80er war es mein Ziel, dieses Viertel neu zu beleben. Ich musste etwas verändern, Gestaltungsmöglichkeiten gab es ja genug.“ Goldman redet vom Ostend wie andere Menschen von ihrer Wohnung. Er gesteht sich dieses Recht zu. Schließlich war er es, der Frankfurts Osten im Alleingang zu einem attraktiven Ausgehviertel gemacht hat. So wie Normalsterbliche eine Wohnung tapezieren. Im Interview gibt er sich gelassen und tiefenentspannt. Man soll sofort sehen: Dieser Mann muss niemandem mehr etwas beweisen. Nur auf die Frage, ob er es denn geschafft habe, das Ostend zu beleben, gerät er kurz außer Fassung.

Belebtes Ostend

„Das muss ich doch nicht beantworten.“, entgegnet er barsch. Der Visionär, für den die Vergangenheit so langweilig ist und nur die Zukunft zählt, lässt sich aber doch dazu hinreißen, all seine Projekte im Ostend, angefangen mit der spektakulären Wiederbelebung des Geländes der Union-Brauerei, aufzuzählen. Ja, er hat es geschafft, das Ostend zu beleben. Erst, nachdem er das Ostend entdeckt und den Weg bereitet hat, seien die Anwaltskanzleien und Verwaltungsgesellschaften hierher gezogen – und schließlich die EZB.

Verändern wird dies jedoch wenig, so Goldmann. Vielleicht werde das Ostend in Zukunft nicht mehr die Autostraße, die Ausgehmeile sein, sondern „da, wo die EZB ist.“ Das vielleicht. Infrastrukturell aber werde das Ostend bleiben, wie es ist.

15 Jahre Veränderung

„Veränderung, Veränderung, Veränderung. Die Leute reden dauernd von Veränderung. Welche Veränderung soll denn stattfinden, wenn keine Grundstücke mehr da sind? Das Ostend hat sich seit 15 Jahren verändert. Es kann sich nicht mehr verändern.“ Der Anfang der Hanauer Landstraße, der Innenstadt-nahe Teil wird bestimmt von kleinteiligen 50er Jahre Bauten. Meist als Wohnfläche oder von Einzelhändlern genutzt, für Investoren unattraktiv.

„Die Kleinteiligkeit ist nicht änderbar. Was wollen Investoren mit einem 300 oder 600-Quadratmeter-Haus? Die Menschen wohnen darin, sind zufrieden. Man kann sie nicht rauswerfen aufgrund des Mieterschutzes, also wird es auch keine Luxussanierung geben.“

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