„Wir sind auf der Suche nach Glück“


Dr. Hamid Zokai hilft Drogenabhängigen, zurück ins Leben zu finden. Ein Interview über Vorurteile, koksende Banker und darüber, wie Geld das Ostend verändert.

Dr. Zokai, ihr Alltag als Facharzt für Allgemeinmedizin unterscheidet sich ja doch erheblich von dem eines „normalen“ Arztes

Dr. Hamid Zokai: Ja, ich bin Facharzt für suchtmedizinische Grundversorgung, seit 2003 arbeite ich in der sogenannten Heroinstudie, die das Land Hessen in Auftrag gegeben hat. Es handelt sich um eine Medikamentenstudie für den Wirkstoff  Diamorphin, einen Heroinersatzstoff. Das Mittel sollte erstmals an Suchtkranken erprobt werden, bei denen andere Behandlungsmethoden bisher versagt hatten.

Die Studie wurde zu einem großem Erfolg…

Dr. Hamid Zokai: Richtig, bei den Betroffenen konnten wir eine Besserung des Gesundheitszustandes sowie eine Verringerung des Drogenkonsums beobachten. 2009 hat dann der Bundestag die Zulassung von Diamorphin zu Behandlungszwecken beschlossen, seitdem ist es eine ganz normale ärztliche Behandlung, die im Allgemeinen die Krankenkasse bezahlt. Das hat zu einer erheblichen Minderung bei der Beschaffungskriminalität geführt.

Dabei war das Projekt in der Bevölkerung zumindest anfangs hoch umstritten…

Dr. Hamid Zokai: Sehen sie, das Ostend ist ein strukturschwaches Gebiet an sich, es gibt eine hohe Anzahl von alkoholabhängigen Menschen hier. In der Nähe unserer Ambulanz gibt es mehrere Schulen, eine Bürgerinitiative schürte die Angst vor Junkies auf dem Schulhof. Es waren teilweise abstruse Szenarien. Dabei haben wir uns bemüht, so wenig wie möglich aufzufallen. Als die Bürgerinitiative das erste Mal auf uns aufmerksam wurden, waren wir bereits drei Monate vor Ort aktiv.

Inzwischen behandeln Sie und Ihre Mitarbeiter etwa 200 Suchtkranke.

Dr. Hamid Zokai: … die bis zu drei Mal am Tag zu uns kommen müssen, um sich zu versorgen. Jeden Tag, auch zu Weihnachten. Täglich haben wir so circa 400 „Besuche“.

Wie führen Sie die Menschen an Ihr Projekt heran?

Kommentare (1)

Ihre Kommentare

  1. Pingback: Streit um Drogenausgabe | Eurozone Ostend

Ihr Beitrag

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>