Ein Brückenschlag, der entzweit

Brücken verbinden. Normalerweise. Doch an der neuen Mainbrücke, die das Ostend mit Sachsenhausen verbindet, scheiden sich die Geister. Die Stadt freut sich über die Verkehrsentlastung im Industriegebiet. Im Wohngebiet befürchten die Anwohner verstopfte Straßen.

Der Blick über den Main ist frei. Am Oberräder Ufer stehen nur noch traurige Baumstümpfe. Auf der anderen Seite des Flusses, wo die Franziusstraße in eine leichte Linkskurve geht, ist der Kahlschlag fast beendet. Etwa 150 Bäume mussten Platz machen für die Mainbrücke Ost, die das Frankfurter Ostend mit Sachsenhausen verbinden soll und im Volksmund schon längst einen Spitznamen hat: EZB-Brücke. Denn dem Bau des Gebäudes für die Europäische Zentralbank an der ehemaligen Großmarkthalle verdankt sie ihr eigenes Entstehen.

Die EZB wird das Viertel stark beleben. Ist sie erst einmal da, dürften sich 17.000 Fahrzeuge täglich durch das Industriegebiet an der Hanauer Landstraße zwängen. Der Magistrat befürchtete einen Verkehrsinfarkt – und bat Architekten vor fünf Jahren ans Reißbrett.

Idee von 1906

Der Gewinner der Ausschreibung, Ferdinand Heide aus Frankfurt, griff bei seinem Entwurf auf alte Ideen zurück. 1906 hatte das städtische Wirtschaftsamt mit einer Brücke geworben, die die Franziusstraße im Osthafen mit dem Deutschherrnufer in Sachsenhausen verbinden sollte. Heide schlug eine stählerne Bogenbrücke mit einer Spannweite von etwa 170 Metern vor. Sie leitet den Verkehr auf drei Spuren über den Main und bietet Platz für zwei kombinierte Geh- und Radwege. Rund 17 Millionen Euro kostet das Werk. Die Arbeiten haben im Spätsommer 2011 begonnen. 2013 soll die Brücke fertig sein.

Der Bau wird, glaubt man Architekt Heide, ein „spektakuläres Erlebnis“. Die Konstrukteure fertigen die komplette Brücke aus 3.500 Tonnen Stahl am Sachsenhäuser Ufer an. Das eine Brückenende wird auf Pontons eingeschwommen. Von der Honsellbrücke am Osthafen-Becken eröffnet sich ein guter Blick auf die Arbeiten. Dort steht man gleichzeitig auf einem Stück Frankfurter Geschichte, das Anschluss ans neue Ostend finden wird. Die denkmalgeschützte Honsellbrücke wird mit der Mainbrücke Ost verbunden.

“Wir wollten die Brücke nie haben”

Klingt nach einem gelungenen Projekt. Es kommt aber nicht überall gut an. Im Frankfurter Süden ist man von der neuen Anbindung nicht begeistert. „Wir wollten die Brücke nie haben, weil der Verkehr den Süden hart treffen wird“, sagt Elke Winckler (SPD), ehemalige Ortsvorsteherin des Ortsbeirates 5 und damit zuständig für Oberrad, Niederrad und Sachsenhausen. Sie und ihre Kollegen rechnen mit Staus in Richtung Offenbach und Sachsenhausen. In Oberrad würden neue Schleichwege entstehen – zum Leid der Anwohner. „Wir haben uns gegen die Brücke gestemmt, aber nichts erreicht. Jetzt müssen wir mit der Entscheidung klarkommen.“

Eine kleine Hoffnung gibt es noch. Ein juristisches Damoklesschwert schwebt über der Mainbrücke Ost. Die Nachbarn aus Offenbach befürchten, dass durch die neue Brücke der Kaiserleikreisel überlastet wird. „Wir behalten uns auch eine juristische Klärung vor“, so ein Sprecher des Offenbacher Oberbürgermeisters Horst Schneider. Doch die Hoffnung trügt nur allzu oft.

Autor: Julia Rösch/ Fotos: Ferdinand Heide Architekt BDA

Ihre Kommentare

  1. Lukaschik schreibt am2. November 2011 um 18:15

    Es wird ja nur das gebaut, was 1906 geplant wurde.

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