Edelbordell „Sudfass“ – Ein Ort der Verschwiegenheit

Familienväter, Banker oder Prominente: Viele Männer haben die Vorzüge des „Sudfass“ genossen. Seit 1981 gehört das bekannteste Bordell Deutschlands zum Frankfurter Inventar.

Der Raum ist voll, der Geräuschpegel entsprechend hoch. Knapp 100 Gäste unterhalten sich angeregt miteinander, manche lachen, manche grölen, manche sind einfach nur betrunken. In der Ecke sitzen zwei deutsche Fußball-Nationalspieler, die sich mit zwei Bier in der Hand gegenseitig zuprosten, an der Bar hockt ein bekannter deutscher Musikproduzent, bei dem der Champagner in der Flasche zur Neige geht. Und der Justizminister ist nur mal eben kurz auf die Toilette verschwunden. Die Prominenz feiert gemeinsam – im „Sudfass“, dem Frankfurter Edel-Bordell.

So oder so ähnlich hätte ein Abend im bekanntesten Puff Deutschlands durchaus aussehen können. Seit der Eröffnung 1981 haben viele Personen aus dem öffentlichen Leben im Sauna-Wellness-Club, so wird das Bordell im Frankfurter Ostendviertel offiziell bezeichnet, Nächte durchzecht. Namen sind dabei natürlich nicht überliefert. Verschwiegenheit wird von Bordellbesitzer Dieter Engel groß geschrieben. „Er hat das Sudfass immer sehr professionell betrieben und wollte die Prostitution aus den dunklen, vermatschten Ecken herausholen“, sagt Peter Zingler, ein langjähriger Freund Engels.

„Sauna, Massagen, Nickerchen, Fickerchen“

Der 1937 in Köln geborene Engel ist der Gründer des „Sudfass“. Er kommt aus einem armen Elternhaus. Schon im Alter von 14 Jahren begann er deshalb zu arbeiten, er verlegte Fußböden. Doch der handwerkliche Beruf füllte Engel nicht aus. 1966 eröffnete er in Köln seine erste Saunalandschaft – die erste in ganz Deutschland. Nackte Haut, wo Man(n) nur hinsah. Doch schnell reichten seine Gedanken weiter. Er wollte es auf die Spitze treiben. Nicht nur sehen, auch anfassen!

Unter dem Motto „Sauna, Massagen, Nickerchen, Fickerchen“ wurde Engels neue Geschäftsidee schnell zum Renner im prüden Köln. Zugleich lag genau da der Haken. Die Stadt am Rhein hielt ihre Sittsamkeit hoch, machte Engel das Leben schwer. Er musste umziehen. Die beste Adresse war für ihn Frankfurt. Dort gab es schon ein Toleranzgebiet für Prostitution – zwar im Bahnhofsviertel. Doch stand die Stadt dem Milieu allgemein nicht abgeneigt gegenüber. Engel kaufte im Ostendviertel an der Oskar-von-Miller-Straße, um sich von den restlichen Bordellen abzusetzen. Er wollte keinen Schmuddelladen aufziehen, er wollte die erste Kategorie sein. Das beste Haus in der Stadt, das beste Laufhaus in der Mainmetropole.

Vom Schwulentreff zum Promitreff

In der Anfangszeit wuchs das „Sudfass“ als Schwulentreff, ab 1981 ließ Engel dann seine Frauen ran. In den so genannten „Bumskabinen“ wurden die Gäste reihenweise verwöhnt. Verheiratete Männer aus der Nachbarschaft, reiche Messegäste oder aber die namenlose Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Sport.

Das „Sudfass“ war etwas Neues. „Erstmals in einem Puff mussten die Gäste nicht schon vorher bezahlen. Das war außergewöhnlich, denn normalerweise bremst der Bezahlvorgang ja die Lust“, erklärt Zingler. Zudem standen die Prostituierten unter gesundheitlicher Kontrolle. Engels Konzept ging auf. Sein Laden war voll. Die Frankfurter Taxis fuhren schon nach kurzer Zeit fast ausschließlich das Sudfass an. Jeden Abend, mehrere Male.

Kommentare (2)

Ihre Kommentare

  1. RalleRolf schreibt am19. Oktober 2011 um 19:04

    Sündenpool – ja nee is klar

  2. Anita schreibt am11. Oktober 2011 um 08:12

    Schöner Artikel!

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