Die Euro-Politur für das Image

Frankfurt, Bankenmetropole und Sitz der EZB. Dafür ist die Stadt in der ganzen Welt bekannt. Dieses Image gilt es zu pflegen – Kollateralschäden nicht ausgeschlossen.

Ob als Panoramafoto, im Hoch- oder Querformat, die Frankfurter Skyline ziert Postkarten in jeglicher Form. Vor allem die Hochhäuser im Bankenviertel sind zu einem zentralen Aushängeschild für die Stadt geworden. Um dieses Hochglanzmotiv zu bewahren, hat sich Frankfurt freiwillig Regeln für den Bau weiterer Wolkenkratzer auferlegt: neue Betongiganten müssen die Skyline ergänzen, dürfen sie nicht auseinanderreißen. So steht es zumindest im sogenannten Hochhausentwicklungsplan. Doch das ist nur die trockene Theorie.

Im Falle der Europäischen Zentralbank sieht die Praxis ganz anders aus. Das Areal, das die EZB für seinen Neubau beansprucht liegt im Ostend, rund 4000 Meter von der Skyline entfernt. Und ist deshalb ursprünglich auch nicht als Bebauungsraum für Hochhäuser vorgesehen. Doch keine Regel ohne Ausnahme. „Von einer EZB darf man nicht erwarten, dass sie allen Vorgaben der Hochhausentwicklungsplanung folgen wird“, sagt Martin Hunscher vom Stadtplanungsamt Frankfurt.

Doch darf Frankfurt das wirklich nicht erwarten? Als Institution der europäischen Union komme der EZB einfach eine ganz besondere Bedeutung zu, erklärt Hunscher. „Deshalb haben sich Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Mühe gegeben, dass die EZB auch in Frankfurt bleibt.“

Keine Regel ohne Ausnahme

Frage beantwortet. Frankfurt darf nicht Nichts erwarten, die Stadt will nur nicht. Und auch Hunscher räumt ein, dass hinter solchen Entscheidungen natürlich immer wirtschaftspolitische Interessen stehen. Im Falle der EZB hätten sich die Stadtverordneten deshalb dazu entschlossen, ihr Prinzipien bewusst über Bord zu werfen. Beziehungsweise in einem neuen Hochhausentwicklungsplan das passend zu machen, was nicht mehr passte.

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