Mietpreise: Von der Bannmeile zur Champs-Élysées Frankfurts

Der Wandel im Ostend ist vor allem in der Entwicklung der Mietpreise zu spüren. Die EZB ist daran nur indirekt beteiligt, andere haben das Heft in der Hand.

Samstagmorgen, Sonnemannstraße im Frankfurter Ostend. Ich habe eine Wohnungsbesichtigung. Auf der anderen Straßenseite versperrt eine große Baustelle den Blick auf den Main. Es ist die Großmarkthalle. Der EZB-Neubau ist im vollen Gang, auch wenn am Wochenende nichts zu hören ist.

Die Wohnung selbst ist schön, sehr sogar. Große, sonnendurchflutete Räume, ein Zugang zum Garten. Dazu ist alles kernsaniert, sogar WG-fähig. Wann also können die Studenten hier einziehen? Vermutlich nie. „Die Kaltmiete liegt bei etwa 14 Euro pro Quadratmeter“ sagt der Vermieter. Zu viel des Guten, derzeit zahle ich knapp mehr als die Hälfte.

Als Student bin ich ohnehin nicht die typische Person, die diese Wohnung besichtigt. Die meisten, die bislang vorbei kamen, besitzen offenkundig mehr Geld als ich, erzählt mir der Vermieter. Zuletzt sei einer da gewesen, der aktuell in Dubai arbeitet. Das Interesse sei groß: Vier bis fünf Interessenten pro Woche kämen in die Wohnung. Der Vermieter will aber nicht Hals über Kopf entscheiden, sondern „sich und den potentiellen Mietern Zeit lassen.“

Ein neues Ostend entsteht

Dass sich gegenüber eine der größten Baustellen des Landes befindet, ist trotz Erwähnung in der Wohnungsanzeige nicht allen klar. Die EZB wirft zwar ihre Schatten voraus, überall angekommen ist die Information über den Umzug jedoch noch nicht. „Die Leute, gerade die von weiter weg, sind zunächst entsetzt, wenn sie die Baustelle sehen“, sagt der Vermieter. Doch dieser Zustand halte nicht lange an: „Sie sehen es meist positiv, wenn man ihnen erklärt, was hier entstehen kann.“

Was entsteht, das ist vor allem ein neues Viertel, das sich gesellschaftlich stark von dem jetzigen unterscheiden wird. Wie in anderen deutschen Städten auch, ist eine der ersten Veränderungen, dass sich der Mietpreis binnen kürzester Zeit stark verändert. Die Mietpreise für Bestandsimmobilien sind laut den Daten von immobilienscout24 in den letzten Jahren beständig gestiegen: von Anfang 2009 bis Beginn 2011 um über 11 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung hat kein anderer Stadtteil in Frankfurt mitgemacht. Zwar gibt es auch einige wenige andere Stadtteile mit deutlichen Mietpreissteigungen, doch dort sind die Preise zuletzt meist wieder gesunken.

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