Ostend sucht Anschluss

Ganz unfreiwillig ist der Ostbahnhof samt Vorplatz ein Denkmal geworden: Ein Denkmal des ewigen Aufschiebens. Seit 25 Jahren wartet man auf Anschluss, auf die neue S-Bahn in die City – und verlottert dabei. Bringt die EZB den Zug ins Rollen?

Die Planungen sind schon weit gediehen. Nächstes Jahr sollen die Bagger anrollen, den Danziger Platz in eine riesige Baugrube verwandeln. Sie sollen sich unter der Erde durchschaufeln bis in die Innenstadt. Für die neue S-Bahn, die den Ostbahnhof wieder an das pulsierende Leben anschließt. Und auch Hanau und Maintal mit der City verbinden: Ohne Umsteigen zum Shoppen auf Frankfurts Einkaufsmeile „Zeil“ – so war es geplant.

Bis in die City ist es nur ein kurzer Sparziergang vom Ostbahnhof. Luftlinie anderthalb Kilometer entfernt liegt die Konstablerwache. Doch für die Bagger und Lastwagen wird es ein Gewaltmarsch: Hunderte Ladungen Erde müssen abtransportiert werden. Auch finanziell ist es ein gewaltiges Projekt. 290 Millionen Euro waren bislang dafür veranschlagt. Doch weil die Kassen von Bund und Ländern leer sind, wurde der Baubeginn immer wieder aufs Neue verschoben, auch wenn die Planungen seit Mitte der 80er Jahre stehen.

Der Fiskus ist der Bremser

Jetzt, da die Hüter des Euro ins Viertel ziehen, schien auch das Geld zu fließen. Nach 25 Jahren Hin und Her, Für und Wider, Ja und Nein war die Finanzierung der S-Bahn-Strecke endlich gesichert. „Der Bau der EZB im Ostend hat der S-Bahnlinie Hanau-Maintal-Frankfurt auf die Sprünge geholfen“, jubelte Hanaus Verkehrsdezernent Axel Weiss-Thiel noch im Frühjahr:

Doch wie so oft bei Bauprojekten, blieb es nicht bei den ursprünglich veranschlagten Kosten. Die Tunnel-Bauarbeiten werden teurer als gedacht, zusätzliche Lärmschutzauflagen treiben die Kosten in astronomische Höhen. Aktuelle Schätzungen des hessischen Wirtschaftsministeriums gehen mittlerweile von 420 Millionen Euro aus. Zu viel, meint der Bund und macht allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung: keine Zuschüsse. Auch den Nutzen des Bahn-Neubaus zieht der Bund in Zweifel.

Bisher pendelt ein Regionalzug alle 30 Minuten zwischen Hanau und Frankfurt Hauptbahnhof. Die Nordmainische S-Bahn würde es häufiger schaffen, im 15-Minuten-Takt. Die Fahrzeit würde durch moderne Triebwagen erheblich verkürzt werden. Doch dafür müsste man die Strecke von Ostbahnhof nach Hanau von zwei auf vier Gleise ausbauen. Somit hätte der Fern- und Güterverkehr seine eigene Trasse, Verspätungen würden seltener.

Die Euros fehlen

Die Realisierung der nordmainischen S-Bahn steht also wieder auf der Kippe – und damit auch die Neugestaltung des Ostbahnhofes samt Vorplatz. „Ich habe das Gefühl dass der Bund das Rhein-Main-Gebiet sehr stiefmütterlich behandelt, dabei ist man gerade hier auf exzellente Verkehrswege angewiesen“, schimpft Weiss-Thiel. „Die Städte Frankfurt, Maintal und Hanau, der Main-Kinzig-Kreis, Bahn und RMV haben ihren Finanzierungsanteil längst zugesichert“, weiß Axel Weiss-Thiel. Aber dem Bund fehlte stets das Geld.

So ist es auch jetzt. Diesmal ist es wohl die derzeitige Euro-Krise, warum der Bund aufs Geld achtet. Selbst die Finanzierung doch noch klappt: Das Revival des Ostbahnhofs wird wohl im Jahr 2016 nicht mehr klappen.

Autor: Michael Freidank

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