Zugemauert, verschalt und verschlossen

25 Jahre Städteverfall bekommen am Frankfurter Ostbahnhof ein Gesicht. Ein trostloses. Aus Angst vor Doppelinvestitionen ließen Bahn und Stadt Frankfurt das Areal verrotten. Dabei war der Bahnhof mal topmodern.

Anfang der sechziger Jahre traf das Empfangsgebäude den Zeitgeist. Kühl in der Anmutung, aber funktional gestaltet. Das Obergeschoss ein roter Quader, dessen fensterloser Wandfläche dem Danziger Platz ein abweisendes Gesicht zeigt. Doch muss dieser massive Kubus früher auch etwas Leichtes ausgestrahlt haben. Fast wirkt es, als schwebe er über dem Erdgeschoss, das ein wenig zurückgesetzt ist, durch ein umlaufendes Oberlichtband vom darüberlegenden Stock getrennt.

Der Architekt Karl Radlbeck hat das Gebäude entworfen, der damalige Bundesbahn-Hochbaudezernent. Er errichtete das Gebäude 1961, auf dem Keller des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bahnhofbaus. Radlbeck ignorierte dabei den Prunk des alten Bahnhofes, der mit seiner riesigen Bahnhofshalle etwas Herrschaftliches ausstrahlte.

Der Schmuck des neuen Gebäudes war nüchterner: Ein erleuchtetes DB-Zeichen und eine Bahnhofsuhr. In die Außenfassade eingelassen: beleuchtete Schaukästen, wo kleine und große Männer einst Lokomotivmodelle bewundern konnten. Große Glastüren mit wuchtigem Messinggriff und verziert mit einem Bundesbahn-Logo führten ins Bahnhofsinnere. In der Eingangshalle lud ein Glasfenster mit Tiermotiven zum Besuch des Zoos, der nur eine U-Bahnstation weiter liegt, ein paar Minuten sind es zu Fuß.

Der Verfall beginnt

Die Bausubstanz war nicht für die Ewigkeit. Eine Stahlkonstruktion bewahrt das Gebäude seit bald 30 Jahren vor dem Einsturz. Expressgutflügel und Fahrkartenschalter verschwinden, Kneipe und Zigarrenladen machen dicht. Nur noch zwei für den Personenverkehr unbedingt nötige Gleise sind zugänglich.
Vorbei der Glanz. Das pulsierende Leben vergangener Tage ist heute nur noch schwer vorstellbar. Der Bahnhof wurde in den Achtzigern immer unwichtiger für den Personenverkehr.

Die meisten Züge in östliche Richtung nutzen die Route südlich des Mains über Offenbach. Sie ist besser ausgebaut – der Anfang vom Verfall des Ostbahnhofes.

Kommentare (2)

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  1. Zander,Annette schreibt am25. Januar 2012 um 20:47

    Wenn ich morgens mit dem Bus am Danziger Platz ankomme, denke ich immer: Was für ein schrecklicher Platz !
    Ich hatte gehört,daß die EZB ,nur unter der Voraussetzung,daß der Platz + der Bahnhof restauriert werden,
    überhaupt im Ostend gebaut wird.
    Ich arbeite seit 2001 am Danziger Platz und hab mich wohl wieder mal zu früh gefreut + muß diesen Anblick sicherlich noch sehr lange ertragen.
    Frankfurt kann sich keinen neuen Bahnhof + Platz leisten,aber leistet sich somit einen Schandfleck hoch drei.
    Hoffen wir, dass kein Touri den Bau der EZB live sehen will !

  2. guschtelchen schreibt am26. Oktober 2011 um 09:00

    Nicht nur der Ostbahnhof sondern auch der Danziger Platz davor sind eine Schande für die Stadt Frankfurt. Unfähige Beamte im Römer sind nicht in der Lage diesen Platz auf Vordermann zu bringen. Eigentlich ja auch klar, es ist ja keine vorzeigbare Innenstadtlage.

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