Wider das Ost-West-Gefälle

Für die Stadt Frankfurt war es wichtig, die EZB ins Ostend zu holen. Dieter von Lüpke, Leiter des Stadtplanungsamtes, erklärt, was das Szeneviertel der Stadt so attraktiv macht für die Hochfinanz.

Das Ostend hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem trostlosen Industriegebiet zu einem Szene-Viertel entwickelt. Stark begünstigt wurde diese Entwicklung durch das Engagement privater Investoren wie Ardi Goldmann. Er sieht den Umzug der EZB ins Ostend auch als seine Verdienst. Stimmen Sie dem zu?

Dieter von Lüpke: Das habe ich so noch nicht gehört. Ardi Goldmann gehört sicherlich zu den Leuten, die als Erste die besonderen Qualitäten des Ostends erkannt haben: die Kombination zwischen relativ niedrigen Mieten, einer zentralen Lage und interessanten städtebaulichen Ensembles. Er leistete insofern wichtige Beiträge zur Entwicklung des Ostends, aber ich glaube nicht, dass er die Standortentscheidung der EZB maßgeblich beeinflusst hat.

Was hat das Stadtplanungsamt getan, um das Ostend zu förden?

Dieter von Lüpke: Wir haben uns seit über 20 Jahren mit einem Sanierungsverfahren für das Ostend engagiert. Seitdem hat sich sehr viel getan: Nicht nur die EZB ist ins Ostend gekommen, sondern auch das Bildungszentrum Ostend, die Frankfurt School of Finance and Management und das Literaturhaus. Mittlerweile gibt es in dem Viertel eine dynamische Bauentwicklung.

Wie sah das Sanierungskonzept aus?

Dieter von Lüpke: Wir haben eine Doppelstrategie verfolgt: Zum einen sind Flächen für den sozialen Wohnungsbau reserviert und die entsprechenden Fördermittel bereitgestellt worden, zum anderen haben wir am Mainufer Flächen für den frei finanzierten Wohnungsbau bereitgestellt. Durch die gute Lage wird das naturgemäß relativ teurer Wohnraum. Wir haben also etwas zugunsten von einkommensschwachen Haushalten getan, um die Aufwertung im Ostend zu verlangsamen, gleichzeitig aber auch Raum geschaffen für Leute mit mehr Geld, die sich in der Nachbarschaft der EZB ansiedeln wollen.

Kommentare (0)

Ihr Beitrag

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>