Google – eine Datenmaschine zum „Gelddrucken“

Was sind unsere Daten den Internetdiensten eigentlich wert? Ein Dienst, der als sogenannte „Datenkrake“ gilt, ist die Suchmaschine Google. Google sagt: Wir legen KEINE Nutzerprofile mit persönlichen Daten an. Aber Google verdient mit unseren Daten sein Geld. Sehr viel Geld.

Google sagt auch: „Wir haben eine Mission: Die weltweiten Informationen zugänglich zu machen und zu organisieren.“

Empfang der Firma Google in Hamburg

So empfängt Google seine Besucher in Hamburg

Unendliches Google-Universum

Das unendliche Universum des Internets: Google hat es erforscht, erschlossen, erobert. Denn Google ist nicht nur Google. Sondern auch Google Maps, Google Mail, Google Chat, Youtube – um nur einige Dienste zu nennen.

Google erreicht unglaubliche 95 Prozent aller deutschen Internet-Nutzer. Nutzer, die von Google ebenfalls erforscht, erschlossen und erobert werden.

Ich treffe Lena Wagner, Sprecherin von Google in der Deutschlandzentrale in Hamburg.  Ärgert Sie eigentlich der Begriff „Datenkrake“?

„Ärgern ist zu viel gesagt. Ehrlich gesagt haben wir uns ein bisschen dran gewöhnt, was die Sache nicht schöner macht. Natürlich arbeiten wir mit vielen Daten. Aber das machen zum Beispiel Banken genauso.“

Aber: Wohl keine Bank auf der Welt hat so viele Daten gespeichert wie Google.

Die größte „Daten-Bank“ der Welt

Was für ein Unternehmen! Ein Börsenwert von gigantischen 200 Milliarden US-Dollar. Jährliche Profitsteigerung: 20 Prozent, der Aktienkurs lag in den letzten Wochen bei knapp 600 Dollar.

Google war in den vergangenen Jahren eine Maschine zum Gelddrucken – dank der Anzeigen auf den Google-Seiten. Lena Wagner:

„Der Werbetreibende kommt zu uns und sagt: Ich habe folgendes Produkt, das ich vermarkten möchte. Bitte platziert das so, dass ich interessierte Kunden erreiche. Interessierte Kunden finde ich, wenn sie nach meinem Produkt suchen – oder nach themenverwandten Inhalten. Genau dann  spielen wir die Werbung aus.“

Werbung: Einmal „Kredit“ klicken kostet etwa zehn Euro

Ein Beispiel: Ich gebe bei Google den Begriff „Kredit“ ein – und drücke auf Enter. Jetzt startet eine Online-Versteigerung im Turbogang. Alle Werbekunden, die bei Google den Suchbegriff „Kredit“ inserieren, werden von der Suchmaschine identifiziert. Jener Anbieter, der für seine Anzeige am meisten Geld bietet, wird ganz oben auf der Seite mit der Trefferliste angezeigt – der prominenteste Platz.

Peter Buxmann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt erläutert:
„Das Stichwort „Kredit“ gehört zu den teureren, wie man sich vorstellen kann. Wenn man nach einem Kredit sucht, ist man vielleicht willig, einen Vertrag abzuschließen. Da betragen die Kosten etwa zehn Euro pro Click. Das heißt: Wenn jemand diese Anzeige anklickt, fließen zehn Euro zu Google.“

Persönlich Daten spielen keine Rolle!?

Mein Browser speichert meine Suchanfrage. Darauf kann Google bei künftigen Suchen zurückgreifen. Persönliche Daten spielen dabei aber keine Rolle, sagt mir Lena Wagner. Sie nennt das Beispiel der Suche nach einer Digitalkamera.

„Da ist es egal, wie alt Sie sind, welches Geschlecht Sie haben, egal, wo sie wohnen. Denn Sie sind eben an einer Digitalkamera interessiert. Die Anzeigen erscheinen von Kunden, die das Wort „Digitalkamera“ gebucht haben. Es ist nicht so, dass Nutzerprofile entstehen. Es gibt nirgendwo einen Keller mit Akten, wo ich eine Schublade rausziehe, nach dem Motto:  „Akte Lena Wagner, so und so alt, wohnt in Hamburg“…das gibt es nicht!“

Google kennt Dich!

Bin ich bei Google also anonym unterwegs? „Unsinn“, sagt Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Kiel.

„Das ist alles andere als anonym. Über Jahre, teils sogar über viele Jahre hinweg, werden diese Daten zu Kommunikations-, Interessen- und sonstigen Profilen zusammengestellt. Das was die US-Amerikaner als anonymisiert ansehen, ist nach deutschem, europäischem Recht definitiv personenbeziehbar.“

Google kennt mich also vermutlich ziemlich gut. Und mit jedem Tag, mit jeder Suche, besser…

Marc Dugge

Über Marc Dugge

Marc Dugge ist Reporter/Redakteur bei hr-iNFO.
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