Mein Wert auf Facebook – ein Selbstversuch

Wenn Sie bei Facebook über den Kinobesuch gestern abend posten oder einen Foto hochladen müssen Sie dafür nichts bezahlen  – Facebook ist für seine Nutzer kostenlos. Zumindest auf den ersten Blick. Denn tatsächlich zahlen wir – und zwar mit unseren Daten. Daten, die umgekehrt für Facebook bares Geld wert sind. Wie das geht? Ganz einfach – mit Werbung.

Das funktioniert zum Beispiel so:  Ein Anbieter für Unterhaltungselektronik will auf Facebook ein neues Computermodell bewerben und dabei eine bestimmte Zielgruppe erreichen. Kein Problem, sagt Facebook und bietet potenzielle Kunden an – gegen Bezahlung.

Was aber ist ein solcher potentieller Kunde in der Facebook-Welt wert? Und welche Rolle spielen dabei unsere Daten? Das haben Wirtschaftsinformatiker der TU Darmstadt für hr-iNFO untersucht. Ich habe mir das mal für mich selbst durchrechnen lassen….

Weil ich es mir wert bin…

Ich sitze am Rechner, und schau auf die „Registrieren“ Seite von Facebook – inklusive Versprechen: „Facebook ist und bleibt kostenlos“.

Wenn man bei Facebook dabei sein will, dass muss man sich erst mal registrieren und genau das mache ich jetzt mal. Ich bin selber sehr gespannt, wann da zum ersten Mal die Kasse klingelt. Also ich fange an, erst mal der Name, Nachname, E-mail-Adresse, dann der nächste Punkt: Geschlecht auswählen. Ok, ich bin männlich.

Die Kasse klingelt bei Facebook jetzt, denke ich. Und: Mein Wert als Mann liegt bei 45 Cent.

Neben mir sitzt Peter Buxmann, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt. Ich frage den Professor: Wie kommt diese Zahl zustande?

Kosten fallen erst bei Klick auf Anzeige an

Seine Antwort: „Die Zahl sagt nicht, dass ein Mann 45 Cent wert ist. Denn Facebook rechnet per Klick ab. Es läuft so: Ein Werbetreibender sagt: Ich möchte eine Anzeige schalten, die alle Männer sehen können. Aber erst, wenn jemand dieser Männer auf diesen Werbebanner klickt, kostet es.

Aha. Die 45 Cent stehen sozusagen für meinen Marktwert im Zusammenhang mit einer Werbeanzeige. Was aber, wenn ich eine Frau wäre? Buxmann weiß:“Dann wären Sie für die Werbeindustrie bei Facebook ein bisschen teurer.“

Ich komme zum nächsten Feld: Geburtsdatum.

Nun teilt mir Facebook – falls es mich interessiert – immerhin mit , wofür mein Geburtsdatum benötigt wird: „Dadurch soll die Authentizität der Seite und der Zugang zu altersgerechten Inhalten gewährt werden. Wenn du möchtest, kannst du diese Information in deinem Profil verbergen.“

Aber offensichtlich gibt es noch einen anderen Grund…Denn mein Wert steigt jetzt: auf 50 Cent. Ich bin mir nicht sicher: Kommen diese 50 Cent jetzt auf die ersten 45 drauf? Auch das kann Buxmann erklären: „Nein, das ist nichts anderes als eine Detaillierung der Zielgruppe, also erst hatten wir die Zielgruppe männlich und dann hatten wir jetzt die Detaillierung 30 bis 50 Jahre alt, als insgesamt dann 50 Cent per Klick.“

Der nächste Punkt: Freunde und Familie.

Hier gibt das Feld Beziehungsstatus, und das klicke ich mal an und gebe hier ein: verheiratet. Mein Wert steigt weiter: 54 Cent. Auch der Beziehungsstatus hat also einen Einfluss auf den Marktpreis pro Klick. Und die Zielgruppe der Verheirateten sei ein wenig teurer als die der Singles, so Buxmann.

Ich wende mich wieder meinem Profil zu, fülle zum Schluss „Interessen“ aus. Hier findet man bei Facebook verschiedene Kategorien. Welche Musik gefällt mir, welches Buch, welche Filme und so weiter.. Ich gehe auf Aktivitäten und Interessen und gebe an, ich sei an Unterhaltungselektronik interessiert. Ich bin gespannt: was bin ich jetzt wert? 58 Cent!

Werbewert schwankt zwischen 50 und 70 Cent

58 Cent, das ist jetzt der potenzielle Marktpreis meiner Daten. Ich frage den Professor, wie stabil dese Zahl ist. Seine Antwort überrascht mich etwas: „Dadurch, dass die Daten jeweils in einer Auktion ermittelt werden, ist dieser Preis nicht wirklich stabil. Die Schwankungsquote ist allerdings gering. Sie liegt ungefähr zwischen 50 und 70 Cent für diese Zielgruppe.“

Der Marktpreis per Klick für eine bestimmte Zielgruppe wird also durch eine Auktion ermittelt. Verauktioniert wird, weil verschiedene potenzielle Anbieter, die beispielsweise an Facebook-Nutzern interessiert sind, die Interesse für Unterhaltungselektronik haben, um diese Werbeplätze konkurrieren. Das ist wie an der Börse.

Oliver Günther (hr-iNFO)

Über Oliver Günther (hr-iNFO)

hr-iNFO-Redakteur
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