Jetzt bloß nichts Falsches sagen, denn hinter mir in der Reihe sitzt ein Koloss mit Sense und neben mir Jack Skellington, der Skelettmensch aus “Nightmare before Christmas”. Von Luigi von den Mario Brothers, auch ein Sitznachbar, könnte ich mir wahrscheinlich nicht viel Unterstützung erhoffen. Hoffentlich hat keiner gesehen, dass ich mit den Augen gerollt habe, als gerade schon zum 80. Mal die Siegesfanfare aus Final Fantasy als Handyklingelton irgendwo losging. Zugegeben, den hatte ich auch mal, aber letztes Jahr nach der Cosplaymeisterschaft habe ich ihn gleich durch den (eigentlich nicht minder peinlichen) “Shadow Hearts”-Klingelton ersetzt - den hat nämlich nicht jeder zweite hier.
Dieses Jahr selbes Spiel, das nervtötende Moderatorenpärchen inklusive. Nur haben sie noch ein paar Trennwände aus dem Saal “Harmonie” rausgenommen, um genug Platz für all die illustren Gestalten zu machen, die zur Deutschen Cosplaymeisterschaft in voller Montur erscheinen. Besonders gut fand ich den Obermörder aus “Assassin’s Creed” und Link aus “Zelda”. Weniger eindrucksvoll finde ich die meist übergewichtigen Waldelfen, die sich auch jedes Mal mit unters Volk mischen. Naja, das macht ja die Vielfalt eben aus.
Neben mir haben sie gerade einen Kerl in gigantischer Rüstung samt Plexiglasflügeln der Größe eines A-Null-Posters auf einen Hocker gehievt. Die Bewegungsfreiheit ist durchaus eingeschränkt, wenn man so ein tolles Kostüm hat. Da müssen die Mädels echt aufholen: Die Männer haben definitiv die cooleren Outfits und Charaktere. Richtig gute Hau-Drauf-Helden statt Tanderadei-Wesen und Miezekätzchen!
