Warten auf Joscha
11:14 Uhr: Ganz naiv stelle ich mich mal einfach in die Reihe vor dem Signiertisch von Joscha Sauer im Comic-Zentrum. Da vorne irgendwo, zwischen mir und etwa 15 anderen Leuten, sitzt er, der Schöpfer der Nichtlustig-Cartoons. Ich bin ein Fan seiner Figur Herr Riebmann, der Typ, der in der Wand wohnt und sich mit seinem Nachbarn nur durch die Steckdose unterhält. Dummerweise hab ich nicht mal ein Buch dabei, das Joscha signieren könnte, denn die liegen daheim im Bücherregal. Dumm. Macht aber nichts, denn ich habe ein Post-It. Das muss langen.
11:28 Uhr: Ich bin keinen Schritt weiter. Die Emo-Mädchen vor mir werden immer aufgeregter: “Ohhh, isser das wirklich?” WER DENN SONST? Erschreckt stelle ich fest, dass sie alle vier Nichtlustig-Bände dabei haben und sämtliche Nichtweihnachten-Cartoons. Das kann ja eine Weile dauern.
11:40 Uhr: Zehn Leute vor mir, locker 50 hinter mir. Okay, den Platz gebe ich nicht auf. Jetzt grad nicht! Die Schlange blockiert schon den Gang. Die Mädchen hinter mir unterhalten sich: “Sag mal, liest Du eigentlich Comics?” - “Nö, ich sammel nur Autogramme für meinen Vater”. Sie soll sich eine “Klozeichnung” abholen, das ist ihr anscheinend ein bisschen peinlich.
11:56 Uhr: Ich bin kurz davor, jeden, der sich durch die Schlange quetscht, ohne “Entschuldigung, darf ich mal durch” zu sagen, anzuschnautzen. Trost ist, das nebenan eine arme Koreanerin im Manga-Kostüm Popkorn und Plüschdecken mit “I love Korea”-Aufdruck oder so verteilen muss.
12:01 Uhr: Hätte ich mich doch bloß bei Ralph Ruthe nebenan angestellt, da ist die Schlange nur halb so lang und er zeichnet schneller!
12:07 Uhr: Fast da! Nur noch zwei Leute vor mir! Ein Mädchen dreht sich um - ihre Freundinnen sind schon gegangen, um ihren Papiertascheninhalt mit noch mehr sinnlosem Gratis-Zeugs zu füllen - schaut auf mein Namensschild und sagt: “Ich heiße auch Valerie und ich wäre schon längst gegangen, wenn ich nicht so weit vorne stehen würde!” Ich lächle sie an: “Du sprichst mir aus der Seele!”
12:11 Uhr: Ich bin dran! Joscha ist supernett, nur halb so genervt wie ich und beginnt, einen Dinosaurier auf mein gelbes Post-It zu zeichnen. Fast ist er fertig, da kommt ein Kamerateam angestürmt und eine Dame mit Mikro: “Herr Sauer, sind sind ja ein Superstar! Schauen Sie sich mal die Schlange an! Ihre Fans warten ja schon seit zwei Stunden!” Also gibt er noch ein kurzes Interview, ich kann nur wie hypnotisiert auf den halb-fertigen Dino glotzen.
12:16 Uhr: Ich kann’s kaum glauben, ich hab das Post-It, ein Autogramm und noch ein nettes, entschuldigendes Lächeln von Joscha Sauer bekommen. Das nächste Mal nehme ich mir einen Klappstuhl mit. Und hier ist der Beweis, dass ich wirklich eine Stunde für ein Post-It angestanden habe:
Tags: Autogrammjagd, Joscha Sauer, Post-It, Prominente, Warten









Oktober 17th, 2008 um 14:25
Respekt!
Ich habe nur die Schlange gesehen und mich nicht angestellt…
Wundert mich nicht, dass das so lange gedauert hat, da er ganz offensichtlich den Leuten lieber etwas zeichnet, als mal eben sein Autogramm irgendwo hin zu schreiben
Oktober 17th, 2008 um 15:45
Dankeschön :o) Genau das war der Grund: Er hat sich echt viel Mühe gemacht, jedem ein Wunschbildchen ins Buch zu zeichnen. Deswegen ist er am Samstag sicher auch zum Signier-Marathon angemeldet: “Joscha Sauer signiert so lange, bis keiner mehr kommt…” Mal sehen, or er vor Messeschluss um 19:30 Uhr da raus ist ;o)