So richtige Euphorie will an den Märkten nicht aufkommen. Dabei ist die Börse glänzend ins neue Jahr gestartet. Satte vier Prozent hat der Deutsche Aktienindex (Dax) allein in der vergangenen Woche zulegen können, doch lachende Gesichter gibt es an der Börse nur selten zu sehen. Die meisten Händler, die ja oft nur für Minuten auf bestimmte Entwicklungen aufspringen, wundern sich selbst darüber, wie robust der Aufwärtstrend seit fünf Wochen ist.
Der Aufschwung weist alle Anzeichen einer Bärenmarkt-Rally auf. Dabei handelt es sich um eine Erholungsphase in einem eigentlich dauerhaften Abwärtstrend. Üblicherweise beginnen die Kurse nach einem heftigen Absturz mit einem Anstieg, der von der Hoffnung getragen wird, dass es wohl doch nicht so schlimm sei, wie angenommen. Gern setzen die Anleger in diesem Umfeld auch auf weiter sinkende Zinsen. Selbst die größten Pessimisten, die Börsenbären, wechseln dann das Lager, weil sie einfach nicht recht bekommen.
Die Stimmung kippt, wenn die Erwartungen unerfüllt bleiben.
Dieses Mal berufen sich die Händler auf robuste Konjunkturdaten. Ein Absturz der Wirtschaft werde unwahrscheinlicher, heißt es. Das Ifo-Geschäftsklima hat mit seinem dritten Anstieg in Folge diese Hoffnung weiter genährt. Zudem setzen die Akteure darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) alles unternimmt, um den wackeligen Finanzsektor mit billigem Geld zu fluten. Auch die zum großen Teil noch sehr guten Unternehmensgewinne gelten als Kaufargument, und zusammen reichen alle diese Argumente locker aus, um Bedenken beiseite zu schieben.
Derer sind aber auch reichlich vorhanden. So hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Finanzbedarf angeschlagener Staaten auf weltweit eine Billion Dollar taxiert. Die Weltbank sieht das weltweite Wirtschaftswachstum bei nur noch 2,5 Prozent (nach 3,6 Prozent). Europa sieht das Institut in einer Rezession. Hinzu gesellen sich alle ungelösten Fragen der Schuldenkrise.
Es ist also gut möglich, dass sich innerhalb der kommenden Tage oder Wochen die Bedenken wie Mehltau über den Optimismus legen. Es kann aber auch länger dauern. Statistiker haben die durchnittliche Dauer einer Bärenmarkt-Rally mit vier Monaten bemessen. Viele Börsianer bezeichnen die Bewegung auch wenig schmeichelhaft als “Rally für die Doofen”. “Doof”, beziehungsweise gekniffen sind allerdings nur jene, die ganz am Ende einer solchen Rally einsteigen, “weil es ja nur noch aufwärts gehen kann”. Und die dann den Ausstieg verpassen.




Kommentare
von Alex um 13:13 Uhr
von GoldFan um 05:36 Uhr
von Daniel um 21:36 Uhr
von Liselotte Kranz um 18:36 Uhr
von mami um 19:59 Uhr