Markus Gürne

03.02.2012 14:02 | Markus Gürne

Wer in Schwaben geboren wird, der bekommt recht schnell einen Bezug zu Geld. Und lernt früh, dass man erst einmal was verdienen muss, um etwas ausgeben zu können.

So begann ich während der Schulzeiten zunächst in einem Fahrradladen kleine und große Reparaturen durchzuführen, später trug ich Werbeprospekte aller Art aus kurz vor dem Abitur begannen erste zarte journalistische Tätigkeiten in der Sportredaktion des damaligen SDR in Stuttgart.

Der Wechsel zum damaligen SWF hing mit dem Studienbeginn der Rechtswissenschaften, der politischen Wissenschaften und der allgemeinen Rhetorik an der altehrwürdigen  Universität in Tübingen zusammen – und hier stolperte ich auch zum ersten Mal über Geld und eine damit zusammenhängende Lehre – Volkswirtschaft. Der berühmte und auch berüchtigte VWL Schein für Juristen brachte mich zum Wahnsinn – sechs Mal musste ich in die Strafrunde bis ich ihn endlich hatte.

Und an diesem Punkt wollte ich es wissen. Keine graue Theorie mehr, sondern Praxis sollte es sein. Finanzen, Wirtschaft, Börse: verständlich und für jedermann begreifbar.

Diese Idee passte ganz gut in meine weitere Lebensplanung, denn ich merkte im weiteren Verlauf des Studiums, dass mein Rechtsgefühl nicht eben selten im Gegensatz zur Rechtssprechung stand.

Nach Beendigung des Studiums und einem Volontariat beim SWR schlug ich also vollends die journalistische Laufbahn ein und genieße jeden Tag. Für mich ist es ein Traumjob,  jeden Tag neugierig sein zu dürfen und kraft Amtes sogar zu müssen.

Mit den Jahren haben sich zwei Felder als Steckenpferde heraus kristallisiert. Wirtschaft und Finanzen einerseits, die Wirkungen und Auswirkungen einer globalisierten Welt andererseits. Das eine schlug sich vor allem darin nieder, dass ich mit großem Interesse und viel Sitzfleisch über mehrere Tarifrunden in der Metall- und Elektroindustrie sowie im öffentlichen Dienst berichtet habe – ebenso wie über Finanz und Wirtschaftsthemen für die ARD.

Eine Woche im Monat begab ich mich aufs Börsenparkett , – damals noch in Stuttgart – und berichtete für das Landesprogramm des SWR aus Deutschlands Börse Nummer 2.

Als Kontrastprogramm zum beschaulichen Leben in Stuttgart zog es mich zunächst nach Kairo als Berichterstatter für die arabische Welt, in Zeiten des letzten Golfkrieges auch monatelang nach Bagdad. Dort konnte ich aus nächster Nähe beobachten, was es bedeutet, wenn ein Land keine Wirtschaft mehr hat und keinerlei Finanzsystem mehr funktioniert.

Zurück in Deutschland kam ich nach Frankfurt und leitete dort die Redaktion ARD-aktuell. Deutlich mehr Finanz- als Wirtschaftsthemen standen an und als die Lokführer über Monate einen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn austrug, war ich absolut in meinem Element.

Gerade eingelebt in der Bankenmetropole Deutschlands ereilte mich der Ruf, nach Indien zu gehen und von dort aus Südasien als Korrespondent zu bearbeiten und zu bereisen. Afghanistan und Pakistan, aber auch Sri Lanka und die Malediven gehörten zum Berichtgebiet. Und während ich Dutzende Male am Hindukusch und in Pakistan war, schaffte ich es nur ein einziges Mal ins Paradies auf die Malediven- und dann regnete es fünf Tage lang.

Und seit Januar 2012 bin ich wieder in Frankfurt. Dieses Mal Börse nicht mehr bei der kleinen Schwester in Stuttgart, sondern beim Original in Frankfurt. Für mich schließt sich ein Kreis, denn nun bin nach unendlich vielen Umwegen und Reisen endlich da, wo ich sein wollte. Mitten im Geschehen in einer Zeit, die wohl kaum spannender sein kann und die uns alle in völlig anderem Maße betrifft als die Entwicklungen auf irgendeinem anderen Gebiet.

Aus vielen Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen der Börsenredaktion, Bankvolkswirten und Notenbankern, Analysten und Wissenschaftlern habe ich nicht nur viel gelernt, sondern erfahre immer mehr, dass ich mit einem anderen Blick auf die Börse und die Banken/Staatsschuldenkrise sehe. Ich habe noch immer den Blick eines Menschen von außen, der nach vier Jahren wieder zurückkommt und ein anderes Deutschland und Europa vorfindet als das, das er vor Jahren verlassen und aus der Ferne beobachtet hat.

Sie können sich also sicher sein, dass ich möglicherweise den einen oder anderen Blog schreiben werde, der eine etwas andere Sicht auf Themen haben wird.

Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Ihnen und auf viele Blogs mit Themen hinter den Schalten ins Fernsehen.