Wer braucht Banken?

06.09.2018 15:09 | Stefan Wolff

Der Abstieg war langwierig und schmerzvoll. Jetzt muss die Commerzbank aus dem Dax absteigen. Sie wird durch den Zahlungsdienstleister Wirecard ersetzt. Das ist eine Zäsur. Nicht nur für den Dax. Für die gesamte Wirtschaft.

 

Es gab mal eine Zeit, da wurde der Deutsche Aktienindex als “overbanked” bezeichnet. Damals befanden sich die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Commerzbank, die Bayerische Hypothekenbank  und die Bayerische Vereinsbank im Dax. Hinzu kamen die großen Versicherer Allianz und Münchener Rück. Die beiden Bayern-Banken fusionierten zur Hypovereinsbank. Diese fiel fortan nur noch durch faule Immobilienkredite auf und wurde schließlich von der italienischen Unicredit geschluckt.

 

Die Dresdner Bank wurde von der Commerzbank übernommen. Das fusionierte Unternehmen ist inzwischen kleiner, als es die Commerzbank allein je war. Bei den Banken ist nur noch die Deutsche Bank übrig geblieben.  Mit der Übernahme des amerikanischen Bankers Trust wollten die Frankfurter zum weltgrößten Player aufsteigen. Davon ist die immerhin noch größte deutsche Bank Lichtjahre entfernt. In Europa schafft sie es nicht einmal unter die Top Ten.

 

Genau genommen ist die Deutsche Bank nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Finanzkrise, hausgemachte Skandale  und Gerichtsprozesse haben dem (immer noch) deutschen Branchenprimus kräftig zugesetzt und das Image des einstigen Strahlemanns. Dax-Aufsteiger Wirecard wiegt an de Börse mehr als 22 Milliarden Euro, doppelt soviel wie die Commerzbank. In Augenhöhe mit der Deutschen Bank.

 

Wirecard bietet mit mobilen Zahlungslösungen nur einen Bruchteil des Bankgeschäfts an und ist damit sehr erfolgreich. Generell schreitet die Digitalisierung des Bankwesens unaufhaltsam voran. Schon mobile Bezahllösungen (mobile payment) entfremden den Kunden von seiner Bank. Wer mit der Smartwatch zahlt, zückt nicht die EC-Karte und blickt damit seltener auf das Logo der Hausbank.

 

Bei Überweisungen ist das ähnlich. Bezahldienstleister wie Papal treiben die Entfremdung weiter voran. Google und Facebook werden mittelfristig die Chat-Funktion um eine Überweisungsmöglichkeit erweitern. In der Zukunft liegt das Geld in der Cloud, und Kredite vergibt die Crowd. Mit einem Klick ist die Rechnung bezahlt. “Instant payment” wird auch im Firmengeschäft Einzug halten. Die Blockchain macht es möglich, dass Rechnungen untereinander blitzschnell ausgeglichen werden können. Und die Bank schaut zu.

 

Die Digitalisierung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Banken – groß wie klein – müssen sich ranhalten, sich zur Not auch neu erfinden. Fintechs knabbern an ihren Geschäftsmodellen. Kooperationen sollen den Schaden begrenzen. Nach der Finanzkrise liegt hier (zehn Jahre nach der Lehman-Pleite) die große Herausforderung.

 

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von AbseitsDesMainstreams

    Ich denke, es ist durchaus berechtigte Schadenfreude angesagt, wenn der Bankensektor den Bach herunter geht.

    Da waren die Glaspaläste und Boni in Millionenhöhe für die Großbanken, aber selbst die Sparkassen bauten alle paar Jahre neue Hauptgeschäftsstellen oder versorgten ihre Mitarbeiter mit Gratisbaudarlehen etc.

    Das Ganze Geld für die Eitelkeit und den Hochmut kam vom Kunden. Hohe Gebühren etwa für den Ankauf und Verkauf von Aktien (bis vor etwa 10 Jahren je 1 % des Werts) oder horrende Überziehungszinsen bei Girokonto.

    Dabei ist das Geschäft der Banken doch so einfach: Der eine Bürger möchte Sparen und der andere möchte ein Haus finanzieren oder in Unternehmen investieren. Diese Geschäft muss synchronisiert und abgewickelt werden. Was die Banken aus diesem ehrlichen Geschäft gemacht haben ist erbärmlich und Glaspaläste sind dafür nich notwendig.

    Hochmut kommt eben vor dem Fall!

    PS: Und ich treue Seele zahle immer noch viel zu viel bei meiner Sparkasse für Depotgebühren.

    PPS: Die Medien von Tageszeitungen bis tagesschau.de sind die nächsten die durch die Digitalisierung von ihrem hohen Ross fallen werden.

  2. Kommentar 2: von Lukas

    Handlungsbedarf

    Meiner Meinung nach haben die Großbanken sich in den letzten Jahren zu sehr auf abstrakte Finanzgeschäfte konzentriert und das Endnutzergeschäft vernachlässigt. Zudem sind im Zuge der rapiden Digitalisierung des Alltags neue Möglichkeiten entstanden, die sich agilere und kundennutzungsorientiertere Unternehmen (das beste Beispiel dürfte PayPal sein) zu eigen gemacht haben. Die Tatsache, dass durch die Niedrigzinspolitik der EZB auch konventionelle Anlageinstrumente der Banken nun nahezu unrentabel geworden sind, macht die Situation nicht unbedingt besser. Die zentrale Rolle der Geldhäuser im Finanzmarkt mag unbestritten sein, aber es fehlt an Innovation im Kundenbereich. Instrumente wie Wechat-Pay und Alipay können auch in Deutschland demnächst konventionelle Zahlungsmittel in den Schatten stellen und das verknüpfte Konto hinter diesen Diensten wäre nur noch ein Pro Forma. Demnach zum Schluss: Die Banken müssen innovativ werden, um ein Teil in den neuen Prozessen zu werden.

  3. Kommentar 3: von Klaus van Wahnen

    Der digitale Einbruch ist heute an der Tagesordnung – und der Staat schützt seine Bürger nicht. Ob privat, in Unternehmen oder Behörden wird täglich eingebrochen und die „Polizei“ ist hilflos. Wie lange dauert es bis die Deutsche Bundesbank geleakt wird. Dagegen wäre die letzte Finanzkrise nur ein Abklatsch.
    Ich denke so wie der Staat die Sicherheit unserer Währung gewährleistet sollte er in Zukunft auch für die Sicherheit der Bits und Bytes gerade stehen. Der Staat könnte digitale Grundstücke vergeben worauf einzelne Softwareanbieter digitale Gebäude errichten – z.B. für das Militär, die Staatsorgane, Infrastruktur Betreiber oder private Firmen usw.

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