Der alte Geschichtenerzähler

02.07.2018 09:07 | Stefan Wolff

Er hätte genauso gut “Dix” heißen können oder “Dux”. Nur das naheliegende ging nicht. “DAI” als Kürzel für “Deutscher Aktienindex” war bereits besetzt – von Aktien der Daimler Benz AG. Vier Männer standen vor 25 Jahren auf dem Parkett, verwarfen aus naheliegenden Gründen “Dux”, das vom lateinischen Wort für “Führer” abgeleitet war, und Manfred Zass von der Deutschen Girozentrale entschied: “Dann heißt das Kind eben Dax.”

 

Der Name ist ein Glücksgriff, weil er so griffig ist und sich nahtlos in die Börsentierwelt aus Bulle und Bär einreihen lässt. Selbst Aktienmuffeln ist der Dax ein Begriff. Dass heute auf dem Parkett der 30. Geburtstag des deutschen Leitindex gefeiert wird, verwundert viele. “Wie, erst 30 Jahre?”, ist wohl die häufigste Reaktion, was aber daran liegt, dass der Dax zurück gerechnet wurde, und so der Verlauf bis zum Beginn des Aktienhandels nach dem Krieg verfolgt werden kann.

 

Gut ist auch dass der Dax “erst” 30 Jahre alt ist. Nur neun Monate vor der Geburt hatte der “Schwarze Montag” deutsche Aktien ein Viertel ihres Werts gekostet. Für den Dax hätte dies einen Fehlstart bedeutet. So aber liefen die Kurse rund und direkt in die Wiedervereinigungseuphorie hinein. Es hat einige solcher Rallyphasen gegeben und dabei einige Tage, die sich tief in das Gedächtnis eingebrannt haben.

 

Der Rücktritt von Oskar Lafontaine vom Amt des Bundesfinanzministers im März 1999 gehört sicherlich dazu. Der Dax machte einen Riesensatz, denn dass “Linke” mit Geld nicht umgehen können, gehört zum Allgemeinwissen an der Börse. Da stört es auch nicht, dass es die anderen auch nicht können.

 

Es gab viele solcher  schwarze Tage und Jubelarien. Unterm Strich aber ging es immer bergauf. Wer langfristig dem Index die Treue gehalten hat, hat pro Jahr 8,5 Prozent Gewinn gemacht. Das wird angesichts längerer Verlustphasen gern vergessen. Zu sehr haben sich die geplatzte Internetblase zur Jahrtausendwende und die jüngste Finanzkrise in das kollektive Gedächtnis der Sparer gebrannt.

 

Und noch ein Umstand mag Skeptiker bestätigen: Die Finanzkrise hat die Koordinaten der Geldanlage nachhaltig verschoben. Die langsam endende Nullzinspolitik der Notenbanken war ein Konjunkturprogramm für Aktien. Nicht von ungefähr fuhr die Börse im Herbst 2008 die größten Tagesgewinne der Geschichte ein. Als am 13. Oktober 2008 die G-7-Staaten ein Rettungspaket für das angeschlagene Finanzsystem beschlossen hatten und die Bundesregierung 500 Milliarden Euro für die Rettung von Banken freigab, stieg der Dax um über elf Prozent.

 

Ansonsten sind Gerüchte das Salz in der Börsensuppe. Geschickt ausgestreut würzen sie einen ansonsten faden Tag. Deutsche Händler unterstellen gern ihren britischen Kollegen, dass sie aus Langeweile den Dax zuweilen mit erfundenen Geschichten anschubsen.

Meistens ist das aber gar nicht nötig. Der Dax erzählt jeden Tag seine Geschichten, ob beim schnellen Aufstieg in der Internet-Euphorie oder im langen Darben nach Platzen der Blase. Im Moment sind nach einem langen Anstieg die weniger angenehmen Themen dran. Handelsstreitigkeiten und die Angst vor steigenden Zinsen drohen den Dax ins Sommerloch zu drücken.

 

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Kommentar

  1. Kommentar 1: von friedrich peter peeters

    Die Dax-Geschichte wird viel zu erzählen haben demnächst aus de Jahren 2017 und 2018, wo ein gewisser Trump anfing die Realitäten um zu drehen und damit sogar Erfolg zu haben schien. Aus einer negativen Zahlungsbilanz, die stetig in Umfang zunahm, aus einer totalen Überschuldung, die jedes andere Land in die Pleite getrieben hätte, wurde ein Haushalt in einer Größenordnung hergezaubert die allen Fachleute die Sprache verschlug und die kühl kommentiert wurde das die Finanzierung aus den Gesundheitskostenbesparungen herkommen würde. Ja es würde soviel bespart das erhebliche Steuerreduzierungen ebenfalls durchgesetzt würden von 35 auf 21 %…..Im übrigen würde eine weitere Finanzierung sich aus dem Wirtschaftswachstum ergeben, das Wachstum des BSP würde von 2 auf 4 % steigen. Der Anfang wurde gemacht mit einem Anstieg der Rüstungsausgaben von über 30% und schon ging die Arbeitslosenquote drastisch von Monat zu Monat runter, das ließ die Verbraucherausgaben kräftig steigen und das Perpetuum Mobile des Kapitalismus begann zu drehen.

    Aber die Finanzierungsfrage der stetig steigende Staatsschulden ist immer noch nicht gelöst. Auch nicht mit den dreisten Versuch es einfach über Importzölle zu finanzieren, bezahlt von den Chinesen, Deutschen, Kanadier, Mexikaner, Koreaner, Japaner und einige andere dumme Völkerschaften. So unter dem Motto IST DER DER GUTE NAME MAL KREPIERT; LEBT ES VON DEN ANDEREN GANZ UNGENIERT.

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