Die Woche der Währungshüter

11.06.2018 13:06 | Stefan Wolff

Tweets und Trumps verkommen zur Nebensache. Dieser Tage zählt nur die Geldpolitik. Die Sitzungen von US-Notenbank und EZB gehören zu den wichtigsten Zusammenkünften des Jahres. Die jetzt erwarteten Weichenstellungen werden die Finanzmärkte auf einige Monate hin prägen.

 

Lettland ist so etwas wie ein Musterknabe der Euro-Gemeinschaft. Der baltische Staat hat konsequent die Fesseln der Planwirtschaft abgeworfen und ein imposantes Wachstum hingelegt. Seit dem EU-Beitritt im Jahr 2004 haben sich die Löhne und Gehälter der Letten verdoppelt. Die Staatsverschuldung liegt mit knapp 33 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) deutlich am unteren Rand im Euro-Raum. Nun tagt die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag Lettlands Hauptstadt Riga, ausgerechnet, wenn es um das Ende des Anleihe-Aufkaufprogramms gehen soll.

 

Es dürfte ungemütlich werden. Einerseits wird von EZB-Chef Mario Draghi erwartet, einen Zeitplan für den Ausstieg aus dem Anleiheaufkaufprogramm vorzulegen. Auf der anderen Seite wird es einige Fragen geben, wie die EZB gedenkt, mit der neuen italienischen Regierung und deren Ausgabenpolitik umzugehen. Italien ist mit über 130 Prozent des BIP verschuldet, und nach allem Dafürhalten steuert Italiens Regierung darauf zu, diese Quote weiter nach oben zu schrauben.

 

Steuererleichterungen und Investitionsprogramme können nur mit mehr Schulden erkauft werden. Die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums steht nicht eben auf einem stabilen Fundament und wird außerdem in der Flüchtlingsfrage von der EU allein gelassen, was ebenfalls hohe Kosten verursacht und politischen Missmut.

Italiens Wirtschaftslage und das mögliche Ende des Anleiheaufkaufprogramms hängen unmittelbar zusammen. Die EZB ist Italiens größte Gläubigerin außerhalb Italiens. Ein Ende des Kaufprogramms würde die Finanzierungskosten für Italien erhöhen. Das erhöht dann auch die Risiken für italienische, französische und spanische Banken, die viele Papiere aus Rom horten.

 

Für die EZB ist das eine Zwickmühle. Sollte Draghi nach dieser Sitzung kneifen, wird man den Währungshütern vorwerfen, unzuverlässig zu sein. Draghi selbst dürften dann einige Hardliner seine Nationalität zum Vorwurf machen und ihm Befangenheit unterstellen.

 

Von solchen Vorwürfen ist die US-Notenbank (Fed), die am Mittwoch  ihre Zinsentscheidung bekannt gibt, weit entfernt. Zwar ist Jerome Powell ein Notenbankchef von Trumps Gnaden und hat die allseits beliebte Janet Yellen abgelöst. Doch der “Neue” hat die Linie der Fed transparent und gradlinig weiter verfolgt. Dass die Fed erneut die Zinsen anheben wird, gilt als unstrittig. Mit diesem siebten Schritt des aktuellen Zinsanhebungszyklus stoßen die Geldpolitiker allerdings auf gewisse Probleme.

 

Schon jetzt nähern sich die Zinsen für kurzlaufende Papiere und Anleihen mit längerer Laufzeit an. Steigen die Zinsen weiter, dann könnten die Kurzläufer mittelfristig höhere Zinsen abwerfen, als Kredite mit langen Laufzeiten. Gerade für Banken ist das unangenehm, da sie langfristige Kredite mit kurzfristigen Darlehen gegenfinanzieren.

 

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte dies auf die Gewinne der Banken drücken. Für die Fed ist das ein Dilemma. Wenn sie ihren geldpolitischen Kurs unterbricht, dann könnte – angesichts einer boomenden US-Wirtschaft – die Inflation ins Kraut schießen. Auf den ersten Blick sind es nur ganz normale Zinssitzungen. In denen steckt aber ordentlich Zündstoff.

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