Alle Zugbrücken hoch!

02.03.2018 16:03 | Stefan Wolff

Als die Pfalz im Jahr 1829 in den bayerisch-württembergischen, beziehungsweise den preußisch-hessischen Zollverein eingegliedert und die bisherige Freihandelszone aufgehoben wurde, führte das zu massiven Problemen. In Bayern wurde Wein aus der Rheinpfalz, die damals zu Bayern gehörte, unerschwinglich teuer. Es mussten einfach zu viele Grenzen passiert werden. Zu oft langten die Zöllner zu. Es ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt: Zölle sind ganz großer Murks.

 

Trotzdem ist es en vogue, die Zugbrücken hochzuziehen. Die US-Regierung plant Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium. Die EU droht mit höheren Zöllen für Harley-Davidson-Motorräder. Was erst einmal vor allem europäische Männer in der Midlife-Crisis trifft, könnte der Beginn einer Zollspirale sein. Strafzölle auf Import-Autos stehen in den USA im Raum. Denkbar ist auch, dass Trump die heimische Computerbranche vor billiger Fernost-Ware schützen möchte, falls sich das Silicon Valley mit ihm gut stellt.

 

Natürlich – und hier nähern sich alle der (Handels-)Kriegsrhetorik  – wetzen auch die anderen Seiten ihre Säbel. China wird Zölle auf Stahl nicht hinnehmen, sodass sich die perfekte Mischung ergibt, die eine Rezession auslösen kann. Die Unternehmen wissen das. Eine Umfrage der American Chamber Of Commerce (AmCham) unter deutschen und US-amerikanischen Firmen hat ergeben, dass eine satte Mehrheit nicht an den Nutzen von Strafzöllen glaubt. Auch befürchtet eine ebenso satte Mehrheit einen Handelskrieg.

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Klar ist: Erst einmal werden Aluminium und Stahl in den USA teurer. Schließlich fällt die preisdrückende Konkurrenz weg. Alle, die etwas mit Stahl und Aluminium bauen, müssen tiefer in die Tasche greifen. Damit werden Autos, Flugzeuge, Maschinen teurer. Unternehmen werden ihre Investitionen auf die lange Bank schieben; Verbraucher werden den Autokauf hinauszögern, so lange es eben geht.

 

Und in Europa? Wer sich jetzt nicht schützt, bekommt das Überangebot billigen Stahls geliefert, das in den USA keiner haben will. Das kostet Arbeitsplätze. Und schon heißt es: Aufschwung adé. Vielleicht ziehen auch die Europäer die Zugbrücke hoch, um ihre Stahlkocher zu schützen. Alle schmoren dann im eigenen Saft, und die Erfolge einer langen Ära der Globalisierung (die auch Kehrseiten hat, ich weiß) ist im Schornstein.

 

An den Finanzmärkten hat man es kapiert. Deshalb gibt es diese Rücksetzer und nicht etwa wegen dieser vorgeschobenen Zinsdiskussion. Hier platzt die Trump-Blase. Die überhöhten Erwartungen der Wirtschaft an den US-Präsidenten werden sich nicht erfüllen. Für Wirtschaft und Börse bedeutet dies, dass der Aufenthalt in der Goldilocks-Zone endet. Ein bisschen höhere Zinsen spielen da überhaupt keine Rolle.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Checker

    Trump hat Recht.

    Er hilft, wie versprochen, seinem Land !
    Was soll daran falsch sein ?

  2. Kommentar 2: von Stefan Wolff

    Dass Strafzölle seinem LÖand – wie dargestellt – langfristig schaden.

  3. Kommentar 3: von Karl

    „Was soll daran falsch sein ?“

  4. Kommentar 4: von Karl

    „Was soll daran falsch sein ?“

    Die importierten Stahlmengen, die sich jetzt schlagartig um den Zoll verteuern, wird man nicht so schnell durch heimische Produktion ersetzen können, die außerdem teurer sind (andernfalls würde man nicht importieren). D.h .die Unternehmen werden die Zölle zumindest teilweise auf die Preise aufschlagen und am Markt durchsetzen können, entweder offen oder versteckt, indem man modifizierte, im endeffekt teurere Produkte anbietet.

  5. Kommentar 5: von Springy

    Er hilft seinem Land??? Wie dumm ist das denn, es wird zu einem Handelskrieg zwischen allen Ländern führen, was daran gut sein soll, weiß nur der Trottel!!

  6. Kommentar 6: von August Kotter

    Das wäre doch ein Grund, sich politisch und wirtschaftlich
    mit Putin zu arrangieren. Auch in Afrika zu investieren.

  7. Kommentar 7: von Klaus van Wahnen

    Das ist ein klassisches Eigentor des US-Präsidenten. Das fatale Signal lautet, die USA schotten sich von der globalen Wirtschaft ab. Das selbst verordnete Embargo soll die marode US-Stahlindustrie vor dem Zusammenbruch retten. Doch es wird mittelfristig die High-Tech Giganten Apple, Microsoft und Google in die Knie zwingen.

  8. Kommentar 8: von Henoch

    Hallo Checker,

    wenn ich Ihnen verspreche, sie zu beklauen und zu betrügen und das dann einhalte, habe dann auch ich Ihren Applaus? Oder ist das Trump was anderes, weil er als Rassist, Frauenverachter und Dauerlügner bei Ihnen Sympathien weckt?

    Wenn Ihnen die 94% Ablehung von unnötigen Zöllen nicht deutlich machen, was das Problem daran ist, wird es niemand schaffen, Ihnen es hier zu erklären …

  9. Kommentar 9: von Olaf

    Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer! Mit Strafzöllen gibt es Gewinner und Verlierer und ohne Strafzölle auch. Allen Recht getan ist eine Kunst die keiner kann.

  10. Kommentar 10: von MiXia

    Der von Herrn Wolf dargestellte Wirkungszusammenhang stimmt im Grundsatz schon, nur die Auswirkungen dürften nicht so direkt sein, wie am Beispiel Auto dargestellt. Natürlich wird es Leute geben, die den Autokauf aus Preisgründen hinausschieben, jedoch dürften sich diese eher in den unteren Marktsegmenten tummeln. Manche sagen sich vielleicht das Gegenteil: Kaufe jetzt, vor es teurer wird. Und Premium-Autoanbieter dürften nur gedämpft einen Nachfragerückgang spüren, kaufen deren Kunden doch eher aufgrund von Präferenzen, nicht wegen des Preises. Aber überall wo Amerikaner künftig preissensible Produkte mit hohem Stahl- oder Aluminiumanteil verkaufen wollen sind sie weniger konkurrenzfähig. Gut für Anbieter aus dem Rest der Welt.

  11. Kommentar 11: von schgrueblerxyz

    Wenn die „Globalisierung auch Kehrseiten hat“
    dann kann man nicht einfach schulterzuckend weitermachen,
    sondern muss etwas ändern.
    Wenn nun internationale Handelsverträge dazu führen,
    dass eine Seite sich berechtigt geschädigt fühlt, müssen die
    Verträge geändert werden, damit beide Handelspartner weiter
    freiwillig miteinander handeln wollen. Für die Akzeptanz der
    heutigen Handelssystematik und die Überlebensfähigkeit der dahinter
    liegenden Idee wird man wohl in kürzeren Abständen periodische
    Anpassungen der Verhaltensregeln machen müssen – mehr mit dem
    wachen Blick auf den Nutzenausgleich der Handelspartner und weniger mit dem
    starren Blick auf Regeleinhaltung zu Vorteilswahrung.

  12. Kommentar 12: von Bingo

    Alle haben eine Meinung, keiner kann sie mit Daten belegen. Herr Wollf hat Recht, wenn er sagt, dass der Markt auf die Trump-Eskapaden mehr reagiert als auf Zinsen. Die Globalisierung hat nicht nur im Handel, sondern auch zu einer starken Verflechtung innerhalb des immer größer werdenden Finanzmarktes geführt. Dieser wirkt in der Regel als Absorber von Schocks, also eben solchen wie derzeit. Wenn man nun wie Trump versucht das Ruder ohne wenn und aber rumzureissen, werden die Auswirkungen als erstes im Finanzmarkt sichtbar. Ob er damit etwas gutes tut, ist fraglich, denn offensichtlich ist, dass hier nun Leute am Werk sind, deren Theorien zum Handel nicht mehr den aktuellen Marktgegebenheiten entsprechen. Der Markt hat sich verändert, genauso sollten sich auch die Maßnahmen verändern. Trump wird klein beigeben, der Finanzmarkt wird das schon hinbiegen.

  13. Kommentar 13: von friedrich peter peeters

    Schon erstaunlich wieviel Staub die Politik aufwirbelt. Wirtschaftliche Fakten scheinen kaum noch eine Rolle zu spielen. Alles schaut nur noch auf Trump. Die wirtschaftliche Fakten in Amerika lassen zu wünschen übrig. Das Wirtschaftswachstum fürs erste Quartal ist mit 1,8% nach unten revidiert worden. Der Einzelhandelsumsatz, der über 70% zur wirtschaftliche Entwicklung beiträgt, lässt in den ersten 3 Monaten deutlich zu wünschen übrig. So auch die fehlende Einkommenssteigerungen, obwohl es eine Vollbeschäftigung gibt. Die Amerikaner die ja sogar ihre Lebensmittel auf Pump kaufen haben in 2017 wesentlich mehr ausgegeben als sie verdient haben nach den Versprechungen Trumps. Das rächt sich jetzt. Trump kann nicht unbeschränkt Importzölle erheben, die Konjunktur braucht Einzelhandelswachstum und wegen der Vollbeschäftigung wo eine höhere Produktion kaum möglich ist und wegen der Qualitätssicherung im Rohstoffbereich für die Nachgelagerte Fertigwarenproduktion. Auf gut Deutsch ein Boeing Flugzeug und ein Chevrolet Auto brauchen ein Minimum an Qualität, geschweige die Rüstung.

  14. Kommentar 14: von Klaus van Wahnen

    Ich denke die protektionistische Handelspolitik, die Zinswende und die heiß gelaufene Konjunktur haben den Turn-Around an den Börsen eingeleitet.

  15. Kommentar 15: von Günter Lehanka

    Herr Trump ist ein Spieler. Er gehört ins Casino und nicht in die Verantwortung einer Weltmacht.

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