Der Sheriff von Nothingham

20.12.2017 10:12 | Stefan Wolff

Jetzt ist die Steuerreform in den USA so gut wie durch. Und während US-Präsident Donald Trump als „Weihnachtsmann“ feiern lässt, reagiert die Börse weit weniger euphorisch, als zuvor angenommen.

Ein Wahlversprechen ist eingelöst. Unternehmen können sich in den kommenden Monaten über große Steuerersparnisse freuen. Damit hat Donald Trump geliefert. Das erste Mal übrigens. Alle anderen Vorhaben hängen entweder in der Pipeline oder es wurde ihnen richterlich oder parlamentarisch der Garaus gemacht.

Die Bilanz ist aus Sicht des Weißen Hauses verheerend, und würde der Blick auf das Erreichte nicht durch eine wohl ausgeprägte Wahrnehmungsstörung verklärt werden, würde sich das Eigenlob wohl in Grenzen halten. Dass nicht alles, beziehungsweise so gut wie gar nichts geklappt hat, ist auf der anderen Seite ganz gut. So gibt es keine Mauer zu Mexiko, keine Strafzölle und keine Abstriche bei Obamacare.

Nun also die Steuerreform. Unternehmenssteuern sinken auf 21 Prozent. Unternehmen, die ihr Geld im Ausland  geparkt haben, wird die Einfuhr durch Steuerrabatte versüßt. Auch die US-Bürger sollen entlastet werden. Steuerexperten haben aber vorgerechnet, dass die Entlastungen vor allem den Gutverdienenden und den Wohlhabenden zugutekommen. Unter- und Mittelschicht zahlen mittelfristig drauf, heißt es.

Die US-Politik setzt aber auf den Trickle-down-Effekt.  Sind  das Wirtschaftswachstum robust und Wohlstand der Reichen unangetastet, sollen Konsum und Investitionen der Theorie nach auch  zu den weniger Wohlhabenden durchsickern. Allerdings dauert das offensichtlich seine Zeit. Denn in den vergangenen Jahrzehnten ist wenig geschehen, auch nicht nach den Wohltaten der „Reaganomics“. So gesehen ist Trump nicht der Weihnachtsmann, sondern ein Robin Hood am Gegenteil-Tag, ein Sheriff von Nothingham.

Auf der anderen Seite liegen die Risiken auf der Hand. Wenn die Wirtschaft nicht anspringt wie erhofft, schießen die Kosten für die Steuerreform ins Kraut. In zehn Jahren könne sich das Defizit im US-Haushalt um bis zu 1.500 Milliarden Dollar erhöhen, rechnen Steuerexperten vor.

Damit könnten sich die Probleme eher vergrößern. Das sieht man auch an der Debatte um den drohenden Shutdown der US-Verwaltung. Wenn kein Haushalt unter Dach und Fach gebracht wird, wenn die Schuldenobergrenze nicht angehoben wird, dann droht der Stillstand. Parks und Museen müssen schließen, Lehrer bekommen kein Gehalt. Mal wieder.

Ein Jahr lang haben die Finanzmärkte mehr als nur wohlwollend Trump begleitet. Gut möglich, dass diese Rally bald ihr Verfallsdatum erreicht.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Philip Reimers

    Lieber Herr Wolff,
    als Volkswirt kann ich Ihnen nur zustimmen. Herr Trump möchte offensichtlich unbedingt in die Geschichtsbücher eingehen, sei auch als derjenige, der die Welt ins Chaos gestürzt hat. Sollte der US-Haushalt und schließlich die US-Wirtschaft kollabieren, hoffe ich, dass zumindest das Familien-Imperium der Trumps als erstes hops geht und Herr Trump froh sein wird, in einer Suppenküche eine warme Mahlzeit zu bekommen und dank Obamacare weiterhin zum Arzt gehen kann ….

  2. Kommentar 2: von schgrueblerxyz

    Geschenke für Viele und zwei Wettscheine für Jeden
    hat Donald Trump den Amerikanern unter den Weihnachtsbaum gelegt.
    Die drei Geschenke nennt Donald Trump „tax cut und jobs act“.

    1)Die ersten Geschenke (Steuergeschenke),
    die verteilt wurden, sind aber nicht finanziert aus der Kasse, weil die
    dafür notwendige Einsparung von Ausgaben nicht im entsprechenden Umfang stattfindet.
    Also wurde stattdessen ein Staatskredit verschenkt.
    Wie meist bei Weihnachtsgeschenken gibt es große und kleine Geschenke. Große Steuergeschenke bekommen Firmen und Vermögende,
    kleinere Steuergeschenke erhalten Mittelstand und arme Bevölkerung.

    Nun wurden die Amerikaner zusätzlich noch mit zwei Wettscheinen beschenkt.

    2)Auf dem ersten Wettschein steht, dass die Amerikaner wahrscheinlich nicht später den verschenkten Staatskredit zurückzahlen müssen, weil die reich beschenkten Firmen und Vermögenden mit dem geschenkten Geld soviel Wachstum und Investitionen finanzieren werden, dass die zukünftigen Steuereinnahmen den verschenkten Staatskredit von selbst tilgen werden.

    3)Auf dem zweiten Wettschein steht, dass zusätzliches Wachstum und zusätzliche Investitionen (wie unter 2 beschrieben) soviel zusätzliche
    Arbeit erzeugen werden, dass die jetzt weniger beschenkte untere Hälfte der Amerikaner (siehe unter 1 ) in Zukunft wieder angemessene höhere Löhne und höheren Wohlstand haben wird.

    Nun sind 2) und 3) Wetten die gewinnen und aber auch verlieren können.
    Es bleibt als sicheres (aber noch vorläufiges Geschenk) die Nummer 1.

    Weitere sichere Geschenke für Arbeitsplätze und Firmen hat Donald Trump
    in 2017 z.b. durch Verträge mit SaudiArabien und China hereingeholt.
    Dies muss man ehrlicherweise zugeben.
    Vielleicht sollte er in dieser Richtung verstärkt weiterarbeiten, weil sichere Geschenke statt Wetten auch eher zu sicherer Wiederwahl anstelle von Wiederwahlwetten führen.

  3. Kommentar 3: von friedrich peter peeters

    Das Jahr 2017 war das Jahr der Luftblasen und der nicht eingehaltene Versprechungen von Trump. Die Steuerreform nützt nur einige Tausend Multimilliardäre, die Millionen Menschen der Mittelklasse gehen total leer aus, die untere Einkommensschicht hat sowieso nichts. Woher soll das Konsumwachstum kommen. Die Unternehmenssteuern gehen runter auf 21%, aber jetzt schon Herr Wolff, zahlen die Multis und Großunternehmen über ihren Firmensitz in Delaware kaum steuern. Also was tut man mit den gesparten Steuern, denn Investitionen für Infrastrukturreform gibt es wohl nicht mehr und Unternehmensinvestitionen im eigenen Land müssen sich lohnen, also werden Aktien zurück gekauft und Schulden zu bezahlt. Der Mittelstand darf dann die neue zusätzliche 1500 Milliarden Steuernachlass für die Reichen auch noch zurückbezahlen über höhere Steuern, wenn sie es können. Inflation und Zinsen werden Zug um Zug deutlich steigen, auch in Europa.

  4. Kommentar 4: von Michael Braun

    Sorry, nachstehenden Post hatte ich versehentlich im falschen Blog platziert:

    Na ist doch alles wunderbar, wenn ich auf mein Unternehmen in den USA auch noch eine Steuervergünstig erhalte. Welchen Bären will man uns den aufbinden? Mindestens die Hälfte aller börsennotierten US Unternehmen schreiben Verluste. Aber ich lasse mich von Herrn Trump via Twitter auch eines Besseren belehren, wenn man auf Verluste auch noch steuerliche Entlastung her zaubern kann. Scheinbar kann man in den USA immer noch mit Schneeballsystemen a la Elon Musk oder Steuerbetrug a la Amazon oder technischer Manipulation a la Apple oder, oder …. eine derartige Blase generieren, dass die Nationen dieser Welt for Ehrfurcht erstarren und der Expotentialkurve der US Indizes hinterherrennen. Von Herrn Dragi ganz zu schweigen, der die europäischen Nationen in den größten Ruin seit dem zweiten Weltkrieg hineinlaufen lässt.

  5. Kommentar 5: von Claus Holland

    Ha!
    Erst jetzt gesehen, bei „Alle Zugbrücken hoch“. Trump ist nur ein Blender, der die kurzfristigen Dinge pusht, so wie mit Twitter. Langfristig passt das nicht, zumindest nicht fürs Volk, vielleicht aber für die Oberschicht. Dann würde er jedenfalls seine Position nutzen, um auch die eigenen Taschen zu füllen. Ein Sheriff von Nottingham ist er dennoch nicht, da fehlt es an fast allem.

    ABER: Sheriff von Nottingham – dieser Titel ist bei mir seit Jahren für Schäuble reserviert, der das Volk trotz voller Kassen für Prinz John Merkel auspresst (jetzt: ausgepresst hat)! Ich sage nicht, dass man mit dem Geld prassen soll, aber der Sheriff hat die Finanzbehören auf derart scharf getrimmt, dass ja kein Penny verloren geht. Das passt als Vertreter einer Volkspartei nicht zu den vollen Kassen. Mal sehen, wen Prinz John als Nachfolger bekommt, Altmaier ist ja nur interim und zählt deshalb nicht. Und mal sehen, auch die Tage von Prinz John Merkel sind gezählt.

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