Ein erstes Schrittchen

26.10.2017 21:10 | Stefan Wolff

 

“Maybe October”, hatte Mario Draghi im vergangenen September versprochen. Der EZB-Chef hat Wort gehalten. Die Zinswende ist ein Stück greifbarer geworden. Die Europäische Zentralbank wird das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe halbieren. Das heißt natürlich nicht, dass damit das Ruder komplett herumgerissen wird. Auf signifikant höhere Zinsen werden Verbraucher noch lange warten müssen.

 

Seit März 2015 hat die EZB das gemacht, was vorher schon die US-Notenbank Fed, die Bank of Japan, die Bank of England und viele andere gemacht haben. Sie hat im Kampf gegen die Krise Geld gedruckt und davon Anleihen von Unternehmen und Staaten gekauft. Das ist ein massiver und hoch umstrittener Eingriff in den Markt, der aber die Zinsen drückt. Verbraucher und Firmen bekamen den Zugang zu günstigen Krediten. Das bedeutet, sie konnten mehr konsumieren und investieren.

 

Der Plan der EZB ist aufgegangen. In Deutschland brummen die Geschäfte. Auch die krisengeschüttelten Staaten des Euroraums haben sich – zumindest zum Teil – wieder erholt. Die Finanzbranche ist dem Kollaps entkommen. Und ohne Nullzinspolitik und Anleiheaufkaufprogramm der EZB wäre die „Schwarze Null“ im deutschen Haushalt wahrscheinlich gar nicht, zumindest aber nur unter größeren Schmerzen erreicht worden.

 

Also, alles richtig gemacht, EZB? Ja und nein. Zum einen vergessen die Deutschen gern, dass die Europäische Zentralbank keine Politik für deutsche Befindlichkeiten macht. Zum anderen befindet sich eben nicht nur Deutschland auf dem Wachstumspfad. Lediglich einige Banken wackeln, doch sind deren Probleme nicht von Pappe.

 

Insgesamt aber sind höhere Zinsen schon lange drin.  Die EZB zögert noch, eine konsequente Wende zu fahren, weil sie – wie alle Notenbanken – auf Terra incognita manövriert. Auf der anderen Seite müssen wieder ein paar Pfeile in den Köcher. Dementsprechend hält sich die EZB ja auch das Türchen offen, zur Not das Programm weiter zu verlängern und sogar wieder auszuweiten.

 

Aber auch so bleiben die Probleme bestehen. Bis September wird der Anleiheberg der EZB  so oder so auf 2550 Milliarden Euro anwachsen. Diesen nicht mehr weiter aufzubauen oder gar abzutragen, wird Jahre dauern. Über steigende Leitzinsen wird die EZB ohnehin nicht vor 2019 nachdenken.

 

Das ist auch der Grund, warum der Dax neue Rekorde markiert und der Euro fällt. Für Aktien bleibt es die beste aller Welten. Der Euro wird angesichts weiter niedriger Zinsen nicht eben attraktiver. Die jüngste Sitzung der EZB hat gezeigt, dass es Draghi mit seinem Credo “Whatever it takes” immer noch ernst nimmt. Draghi wird alles unternehmen, um das Eurosystem zu bewahren. Der erste Schritt in Richtung Zinswende kann schnell auch wieder zurückgegangen werden. Brexit, Katalonien und viele andere Faktoren machen das denkbar.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von EVANA

    Die BRD erwartete 3.Währungsreform, deshalb wurden mit EZB erst Staatsanleihen& dann Firmen-Anleihen für Billionen gekauft!! Wenn also unser Papiergeld auf den Sparkonten nichts mehr wert ist bei der Währungsreform, besitzt der Staat Sachwerte in Billionen mit all den Anleihen. Gleichzeitig konnte unsere Regierung mit diesem Vorgehen verhindern,dass diese Firmenanleihen von Bürgern gekauft wurden. Jeder Bürger der BRD bekommt dann ein Handgeld von 100€ nach der Währungsreform und der Staat hat keine Schulden mehr.Ich bin Rentnerin(75) und habe Sachwerte (Haus, Aktien&Gold) und Sie? Haben Sie Tagesgeld&Spargeld ohne Zins ? Dann wachen Sie auf ! Oh ja, Frau Merkel versprach ja“ Ihr Geld ist sicher!“

  2. Kommentar 2: von friedrich peter peeters

    Das Anleihevolumen hat Draghi halbiert. Aus Überzeugung hat er es nicht getan, sondern die Realitäten haben Draghi dazu gezwungen, EUGH und Karlsruhe einerseits und andererseits der Unfrieden innerhalb der EZB. Die Laufzeiten aber drastisch zu verlängern ist ein echter Taschenspielertrick, verbunden mit der Warnung, es könnte nach länger dauern. Und diese Warnung scheint zu basieren auf die Innenpolitik in Italien. Nicht zu fassen, gewinnt die Sternenbewegung und Liga Nord macht Draghi bis zur Unendlichkeit weiter. Eventuell kommt auch noch Spanien dazu, wer weiß. Was hat dies bitte zu tun mit der Geldpolitik der EZB. Kein wunder das der EURO weltweit immer mehr an Bedeutung verliert. Sie sollte einen Anteil von 30 % am Finanzmarkt haben, hat aber nur 20%. Und wenn es so weiter geht wird der Anteil weiter runter gehen. Dabei ruht der EURO weitestgehend auf Deutschland. Und das bei einer schwachen künftigen Koalitionsregierung. Also ich denke die Stärke phase der Euro haben wir hinter uns, 1- Die weitere Zinserhöhungen in Amerika und England. 2- Die zunehmend Uneinigkeit in Europa in der Geldpolitik. 3- Die zunehmende politisch Uneinigkeit in Europa.- 4.Das völlige wirtschaftliche Versagen Italiens. 5- Die Auferstandung Amerikas aus dem Trump Dip und die Durchsetzung der Steuerreduzierung als auch die Gesundheitskostenersparnis in Amerika.

    Es wird Zeit das Draghi diese Realitäten sieht, aber er schwebt hoch über den Wolken und da ist die Freiheit ja leider grenzenlos.

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