Dünnes aus Jackson Hole

28.08.2017 15:08 | Stefan Wolff

Das Notenbanktreffen in Jackson Hole, einem ansonsten verschnarchten Nest im US-Bundesstaat Wyoming, sorgt regelmäßig für Gesprächsstoff. Oft wird vor dem Treffen an den Märkten mehr Schaum geschlagen, als man hinterher gebrauchen kann. Auch dieses Mal war das so. Und trotzdem hatte das Treffen einiges zu bieten.

 

Wenn sich Notenbanker zur Tagespolitik äußern, dann geschieht das meist auf dezente Art und Weise. So gesehen kann man die Reden von EZB-Chef Mario Draghi und US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen vom Wochenende als klare Kampfansage in Richtung Weißes Haus interpretieren. So kritisierte Draghi die zunehmenden protektionistischen Tendenzen in vielen Ländern. Angesichts neuer Vorstöße in Richtung Mauerbau an der Grenze zu Mexiko ist dies eine klare Kritik an Donald Trump.

 

Der US-Präsident hatte erst vor kurzem damit gedroht, die Regierung lahmzulegen, falls nicht die Mittel für den Bau der Grenzbefestigung zu Mexiko bewilligt würden. Dieser “Government Shutdown” ist eigentlich ein Druckmittel, mit dem die Opposition der Regierung die Daumenschrauben anlegt. Somit zeigt die Drohung, wie zerrüttet das Verhältnis der Republikaner zu ihrem Präsidenten ist.

 

Trump will die Mauer um jeden Preis. Sie wird das Monument eines eingehaltenen Wahlversprechens sein – vermutlich des einzigen gehaltenen Wahlversprechens. Dabei scheint längst widerlegt, dass eine Volkswirtschaft besser gestellt ist, wenn sich ein Land ausschließlich um sich selbst dreht. Europa blickt jedenfalls mit Sorge auf diese Entwicklung, weil die nordamerikanische Freihandelszone Nafta neu verhandelt werden soll.

 

Für Deutschland steht besonders viel auf dem Spiel. Mexiko ist eine Art Drehkreuz für deutsche Exporteure. 1.900 Firmen sind vor Ort aktiv. Das niedrige Lohngefüge dort ist ebenso wichtig, wie die zwölf Handelsabkommen, die Mexiko mit 46 Ländern abgeschlossen hat.

 

Um Protektionismus ginge es Janet Yellen nur am Rande. Sie kritisierte die Steuerpläne Trumps und warnte davor, die Banken zu deregulieren. In Zeiten niedriger Zinsen sei weniger Kontrolle umso gefährlicher, sagt die Notenbankchefin, die nun umso mehr um ihren Job bangen darf.

 

Dabei hat Yellen zurecht darauf hingewiesen, dass die 2010 vorgenommenen Regulierungen weder das Wirtschaftswachstum noch die Versorgung mit Liquidität gebremst hätten. Die große Sorge ist, das entfesselte Finanzmärkte – wie im Jahr 2008 – eine erneute Krise auslösen könnten. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler hatte seinerzeit mit der Aussage: “Das Monster ist von der Kette” ein Zitat der Krise geprägt.

 

Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn könnte im kommenden März nach Ablauf der Amtszeit Yellens die Geschäfte in der Fed übernehmen. Sollte das Amt nicht den Mann formen, wie das ja auch bei Trump nicht der Fall gewesen ist, droht eine Geldpolitik nach Gutsherrenart. So langsam entwickelt sich das Weiße Haus zu einer Gefahr für die Märkte.

 

Zum Ende der Krise in den “Nuller” Jahren war es der Kardinalfehler des ehemaligen Fed-Chefs Alan Greenspan gewesen, viel zu spät und dann zu schnell die Zinsen wieder angehoben zu haben. Ähnliches könnte sich nun ereignen, falls unangebracht niedrige Zinsen auf wieder deregulierte Banken treffen sollten.

 

Schade nur, dass weder Yellen noch Draghi sich zu ihrer eigenen Strategie äußerten. Denn darauf hatten die Beobachter am meisten gehofft. Doch weder Janet Yellen noch Mario Draghi griffen die Gelegenheit beim Schopf, ihren zukünftigen geldpolitischen Kurs zu skizzieren. Dabei wollen die Anleger vornehmlich wissen, wie denn nun der Ausstieg der EZB aus der Politik des billigen Geldes gestaltet werden soll.

 

Nun setzen die Märkte auf die kommende EZB-Sitzung am 7. September. Dann soll Mario Draghi erklären, wann das Anleiheaufkaufprogramm zurückgefahren wird. Dabei ist noch gar nicht abgemacht, ob dies in der aktuellen Situation überhaupt der Fall sein wird. Die Kursentwicklungen  bei italienischen Anleihen lassen Probleme erahnen. Die Zweifel, dass Italien von seinem Schuldenberg runterkommen kann, werden lauter.

 

Es kann passieren, dass ausgerechnet Italien den Zinswendeplänen der EZB einen Strich durch die Rechnung macht. Und dass das ausgerechnet den Italiener Draghi ausbremsen könnte, dürfte dann für viel Diskussion sorgen.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Gerard Ryan

    Dass Buffet steigt ein als größter Investor bei Bank of Amerika ist Symptom seine Überzeugung in eine baldige Wiederbeleben der Inflation. Die Chart M1,M2,M3 hat eine immer steileren Anstieg sowie international handel in guter, Kupfer preise, Kreditvergabe, Immobilien preise und vieles mehr. Der Tag kommt bald für eine scharfe, starke und erschreckende Anstieg der Inflation. Der genaue Tag der Inflation wird nicht allein bestimmt von Finanzen und Ökonomie sondern menschliche Psychologie. Der Consumer der Geld hat muss nun auf die Sofa so das wir sehr viele stellen können über seine Träume. Und ob das helfen wird bin ich nicht sicher. Es ist aber sicher das Inflation ist bald bei uns.

  2. Kommentar 2: von Gesine Meier

    Was passiert wenn die Chancen die Inflation zu erhöhen eine Methode ist auf folgende Geldpolitik Drahgis zu reagieren durch den IWF . Weil wirtschaftlich starke EU Länder die Schulden somit für die schwachen Südländer passiv durch trastische Steuer Erhöhungen übernehmen müssen welche jetzt im Haushalt noch garnicht absehbar sind. Denn Deutschland hat die Überschuldungsgrenze auch mit mehr als 1 % überschritten. Wie entwickelt sich der Euro und der Finazplatz Frankfurt nach London. Was passiert am Wohnungsmarkt dadurch rund um Frankfurt. warum verschweigen das unsre Politiker alles was für Risiken auf Deutschland zu kommen. Wer beeinflusst die Informationspolitik in Deutschland.

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