Mayday!

09.06.2017 14:06 | Stefan Wolff

Besser als die Bundesregierung kann man den Misserfolg Theresa Mays nicht auf den Punkt bringen. Man kommentiere das Wahlergebnis „aus Höflichkeit und Respekt“ nicht, hieß es von der stellvertretenden Regierungssprecherin. Was hätte sie auch sagen sollen? Die ehrliche Einschätzung, dass Theresa May es komplett vergeigt hat, passt nicht in die diplomatische Klaviatur.

 

Denn sie hat es vergeigt, unbestritten, hat ohne Not ihre absolute Mehrheit aufs Spiel gesetzt, Kandidaten-Debatten geschwänzt und mit ihren Plänen zur Rentenbesteuerung ihre gesamte Stammwählerschaft gegen sich aufgebracht. Fast hat man den Eindruck, May hat absichtlich gehandelt, um gerade nicht einen harten Brexit durchkämpfen zu müssen. Politischer Selbstmord aus Furcht vor dem tod, sozusagen.

 

Wer den Brexit verhandelt, wird seinen Wählern ein paar unangenehme Wahrheiten beibringen müssen. Im Falle eines Verbleibs im Binnenmarkt wird Großbritannien auch dafür zahlen, ähnlich wie Norwegen oder Schweiz. Das wird vielen Briten nicht schmecken, auch wenn die Finanzmärkte gerade auf eine enge Bindung Großbritanniens an die EU setzen, weshalb die Kurse steigen. Zieht sich das Land auf sein Inseldasein zurück, steht die Wirtschaft isoliert da. “Brexit means Brexit”, hat Theresa May mal gesagt, wenn auch anders gemeint.

 

Bis dato sieht es überhaupt nicht so aus. als hätte die Premierministerin auch nur ansatzweise einen Plan in der Schublade. Die vermeintliche “Eiserne Lady 2.0”, als die ihre Fans sie so gern sehen, ist ein Pudding. Auch die Erklärung nach dem Gespräch mit der Queen war eine Aneinanderreihung von Floskeln.

 

Auch wenn eine Regierungsbildung gelingen sollte, ist Theresa May angezählt. Sie regiert als “Lame Duck”,  als lahme Ente. In der Wirtschaft ist man sich dessen bewusst. Man befürchtet eine Hängepartie in den Brexit-Verhandlungen. Sollten am Ende gar keine Ergebnisse herausspringen, droht der ungeordnete, der chaotische Ausstieg. Nach Ablauf der zwei Jahre würden alle Verbindungen auf einen Schlag gekappt, inklusive aller Zollvergünstigungen und Reisefreiheiten.

 

Die Folgen sind kaum auszudenken. Vor allem dürfte ein solches Szenario britische Jobs kosten. Opel/Vauxhall produziert auf der  Insel. Welche Opelwerke würde die neue Eignerin Peugeot wohl schließen, wenn es zum Schwur käme? Auch für BMW wäre die Produktion des Mini nicht mehr lukrativ, müssten die vom Festland zugelieferten Teile verzollt werden.

 

Ziel des Brexit sei, so May, den Wohlstand der Briten langfristig abzusichern. Oh, really?

 

 

 

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Udo Walter Everhard

    man könnte in optimistischer Erwartung eines Soft-Brexit diesen ab jetzt
    ‚Brexie‘ nennen…

  2. Kommentar 2: von Michael Thomas

    Bei uns in Stgt. heisst’s jetzt Brexitle

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