Mehltau auf den Märkten

30.05.2017 07:05 | Stefan Wolff

Der G7-Gipfel hat weit mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden hätten können. Zumindest bei den Europäern ist die Erkenntnis gewachsen, dass sie vorerst keine transatlantische Hilfe erwarten dürfen. Den schmallippigen Bekenntnissen zu einem freien Welthandel sollte keine große Haltbarkeit beigemessen werden.

 

Die politische Hausse läuft langsam aber sicher aus. Mit Trump kann die Weltwirtschaft keinen Blumentopf gewinnen. “America First” wird weder den Amerikanern noch den Exporteuren nützen, die sich gute Geschäfte erhofft haben. Was nutzt es in Zeiten alternativer Fakten überhaupt, mit Argumenten ein “bad, very bad” zu kontern?

 

Beispiel Automobilindustrie. Da erhalten über 100.000 Menschen in den USA einen Job von deutschen Autofirmen. Die Marktanteile amerikanischer Autohersteller sind in Deutschland höher als die der Deutschen in den USA und trotzdem trumpt ein dumpfer Bass. Damit stehen Strafzölle und Importsteuern wieder im Raum. Deutschland und die EU wären gezwungen, solche Maßnahmen mit Gegenmaßnahmen zu kontern. Es wäre der Beginn einer Abwärtsspirale. Die erste Auslandsreise des US-Präsidenten dürfte noch ein wenig für Gesprächsstoff sorgen. Ansonsten gehen den Märkten gerade die Themen aus.

 

Langsam aber sicher geht die Berichtssaison dem Ende entgegen. Nur noch wenige Nachzügler werden in den kommenden Tagen und Wochen noch Quartalszahlen vorlegen. Die Bilanz fällt positiv aus. Umsatz und Gewinn sind bei den meisten Firmen deutlich stärker gestiegen als in den vergangenen Jahren. Die Ausblicke deuten weiter auf robustes Wachstum. Ob das allerdings ausreicht, um die Aktienrally weiter zu befeuern, ist fraglich. Es droht ein Nachrichten-Vakuum.

 

Zu einem weiteren Sorgenkind entwickelt sich momentan China. Die Ratinagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Chinas herabgestuft und schließt nicht aus, dem Daumen weiter zu senken. Chinas Verschuldung steigt, die Dynamik des Wirtschaftswachstums nimmt ab. Auch andere Schwellenländer schwächeln gerade.

 

Eine weitere Wachstumsbremse droht von der Preisseite: Anziehende Inflationsraten würden den Druck auf die Notenbanken erhöhen, an der Zinsschraube zu drehen. In den vergangenen Jahren haben steigende Preise und Zinsen stets selbst den stärksten Bullen erlegt.

 

Auch wenn Rekordstände bei Dax und Dow weiter fußläufig entfernt bleiben, ob sie erreicht oder gar übertroffen werden, ist angesichts der wachsenden Risiken eher fraglich. Vielleicht können europäische Aktien von dem Trend profitieren, dass sich US-Anleger aus ihrem Heimatmarkt zurückziehen. Noch sieht es nicht so aus.

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