Der neue Hoffnungsträger

08.05.2017 15:05 | Stefan Wolff

Jetzt soll es also Macron richten. Die Erleichterung der Finanzmärkte ist riesig. Eine rechtspopulistische Euro-Gegnerin an der Spitze der zweitgrößten Volkswirtschaft der EU hatte sich niemand ausmalen wollen. Die Börsenwelt (und nicht nur die) wäre nach der Wahl eine völlig andere gewesen.

 

Jetzt also Macron. Der Parteilose muss liefern. Das wird nicht leicht werden. Weder für ihn, da er sich nach den Parlamentswahlen Mitte Juni erst einmal seine Mehrheiten zusammensuchen werden muss. Noch wird es für die Deutschen leicht werden, denn trotz aller Bekenntnisse zu Europa und zum Euro liegen die Positionen Macrons und der Bundesregierung zum Teil weit auseinander.

 

Mehrfach hat der frisch gewählte Präsident (nicht nur) im Wahlkampf die deutschen Exportüberschüsse kritisiert. Außerdem ist er für Eurobonds eingetreten, also für eine gemeinschaftliche Schuldenverwaltung der Euroländer. Das ist ein tiefrotes Tuch für Kanzlerin und Finanzminister. Auch ein gemeinsamer Finanz- oder Wirtschaftsminister ist kaum etwas, wofür sich Berlin erwärmt.

 

Allerdings hat Macron erst einmal sehr viele Baustellen im eigenen Land, bevor er sich Brüssel zuwenden kann. Jedoch wird es Konflikte geben. Frankreich wird als reformfreudiger Staat über kurz oder lang mehr Gewicht in die europäische Waagschale werfen.

 

Grundsätzlich dürfte der Euroraum nach dieser Wahl einen Stabilitäts-Schub bekommen. Es ist sogar die Rede davon, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wieder an den Zinsen drehen könnte. Die Inflationsraten stehen dem nicht im Wege. Damit würde die EZB zur US-Notenbank aufschließen können.

 

Frankreichs Notenbankchef François Villeroy de Galhau ist vehementer Gegner von Minuszinsen. Er liegt damit voll auf Bundesbank-Linie. Macrons Wahlsieg könnte auch das französische Gewicht im EZB-Direktorium erhöhen. Villeroy de Galhau gilt als heißer Kandidat auf die Nachfolge von Mario Draghi, dessen Amtszeit im Oktober 2019 endet.

 

Unterm Strich gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Dissonanzen. Die guten deutsch-französischen Beziehungen bleiben den Unternehmen und den Menschen erhalten. Immerhin ist die deutsche Wirtschaft der größte Investor in Frankreich. Auch sonst sind die Verknüpfungen eng. 300.000 Jobs gibt es in Frankreich deshalb, weil sich  3.800 deutsche Unternehmen dort angesiedelt haben. In Deutschland arbeiten 340.000 Mitarbeiter für die 3.000 französischen Firmen hier.
Auch  jenseits der Aktienkurse, die in Paris und Frankfurt schon nach dem ersten Wahlgang ordentlich gestiegen sind, ist die Wahl Macrons erst einmal ein positives Signal. Die Börsen haben allerdings sehr viel vorweg genommen. Bis auf 12.800 Punkte ist der Dax gestiegen. Die Luft da oben ist ziemlich dünn. Viele klassische Bewertungsinstrumente weisen die Aktienkurse als “teuer” aus.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Karsten

    Nicht erwähnt wurde, dass mit Macron auch ein Banker gewonnen hat – dass die Bankaktien in letzter Zeit so kräftig haussierten, dürfte nicht zufällig gewesen sein – es lebe der Finanzkapitalismus!

  2. Kommentar 2: von O.Terra

    In Frankreich hat die Vernunft gesiegt
    ja, nun wirklich und Konsequent an die Arbeit, EU ist nun fast gerettet
    man muss Frankreich intensiv fundamental und überall unterstützen
    als Belohnung sollte und könnte das Börsenplatz der EU Länder nach Paris verlegt werden damit auch deshalb die Britten sich wundern und alle anderen kritischen EU Länder u.a. Italien sehen da gibt es Unterstützung und Belohnung wer voll und Ehrlich in der EU bleibt

  3. Kommentar 3: von Wolf Köbele

    Warum schreiben Sie nicht, daß auch die Bankeneinlagensicherung vergemeinschaftet werden soll, was die deutschen Sparer in Haftung nimmt? Warum nichts über die gemeinsame Arbeitslosenversicherung, die von den deutschen Sozialbeitragspflichtigen finanziert werden soll? Womöglich denkt Herr Macron auch daran die Gesetzlichen Krankenversicherungen Deutschlands zu schröpfen? —- Und Herr Gabriel jubelt! Da ist schon sehr viel faul in dieser Nachbarschaft!

  4. Kommentar 4: von Peter Goetz

    Frankreich ein reformfreudiger Staat? Die einzige Reform, die ich ihn zutraue, ist die Einführung von Eurobonds und eines Europäischen Finanzministers, der den Deutschen direkt in den Haushalt greifen kann. Umgekehrt werden jedoch Reformvereinbarungen oder gar das Verlangen von Reformanstrengungen seitens der EU oder Deutschlands empört als Eingriff in die eigene Souveränität zurückgewiesen.

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