Der frische Franzose

14.02.2017 19:02 | Stefan Wolff

Trump und Brexit wirken. Opel könnte zu einem französischen Unternehmen werden, weil Konzernmutter General Motors (GM) nach fast 90 Jahren die Risiken zu groß werden. Was ein Weltkrieg und mehrere Wirtschaftskrisen nicht geschafft haben, schaffen die neuen politischen Verhältnisse. Die Wirtschaftsräume driften auseinander, anstatt sich weiter zu verzahnen.

 

Schon mehrfach stand die Verbindung zwischen Opel und GM scheinbar vor dem “Aus”. In der großen Finanzkrise, die die Autostadt Detroit in eine öde Wüstenei verwandelten, erschien der österreichische Zulieferer Magna als Opel-Retter auf dem Plan. Konkreter waren Übernahmepläne nie zuvor gewesen und sollten es auch nicht mehr werden, selbst als Solarworld-Chef Frank Asbeck die Rüsselsheimer für 250 Millionen Euro übernehmen wollte.

 

Der Verkauf an Magna scheiterte damals mit der Begründung, dass GM sich seine internationale Strategie erhalten wolle und Opel deshalb als wichtiges Standbein in Europa benötige. Das ist wohl vorbei. Erstens schreiben die Rüsselsheimer immer noch rote Zahlen. Der Brexit könnte Kosten und Verluste maximieren. Man stelle sich nur vor, der Austausch von Komponenten zwischen den Werken in zwei verschiedenen Wirtschaftsräumen würde durch Zölle erschwert. Großbritannien ist über die Marke Vauxhall de wichtigste Auslandsmarkt für Opel.

 

Zweitens dürfte US-Präsident Trump bald Steuerpläne vorlegen, die heimische Produktion großzügig bevorzugen. Der Rückzug könnte also zum Gewinnkatalysator für GM werden. Lateinamerika und vor allem China bleiben als mit Abstand wichtigste Auslandsmärkte erhalten.

 

China dürfte auch bei den Käufern das Zauberwort sein. Für Opel ist das Reich der Mitte Terra incognita. GM hat sich stets die deutsche Konkurrenz außerhalb Europas verbeten (außer in Chile, Israel und Südafrika). PSA litt zuletzt unter einem schwachen China-Geschäft, obwohl der Konzern mit Dongfeng einen chinesischen Ankeraktionär hat. Unterm Strich würden sich viele Chancen ergeben. Aus zwei mittelgroßen Herstellern kann ein großer werden.

 

Und trotzdem kennt das Geschäft nicht nur Gewinner. Opel und PSA haben schon umfangreiche Kooperationen vereinbart. So wird der Nachfolger des Opel Zafira im französischen Sochaux gebaut werden. Die Kastenwagen von Peugeot, Citroen und Opel kommen auf eine gemeinsame Plattform. Im Opel-Werk in Saragossa werden zukünftig auch PSA-Modelle vom Band laufen.

 

In Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach geht dagegen das große Zittern um die Jobs los. Der französische Staat sitzt bei PSA im Boot. Er wird darauf achten, dass die Einspareffekte eher auf der rechten Rheinseite eintreten. Rüsselsheim hat einige Auftragspolster in der Entwicklung. Der Standort scheint vorerst gesichert zu sein. Alles andere ist vage.

 

Ein schmerzliches Beispiel, wie es kommen kann, ist aus deutscher Sicht das Schicksal der Hoechst AG. Das Chemie-Unternehmen fusionierte zu Aventis und ging dann im Sanofi-Konzern auf. Sitz: Paris.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Peter

    Gut, dass Kaiserslautern linksrheinisch liegt 😉

  2. Kommentar 2: von Stefan Wolff

    Schiefes Bild, ich weiß.

  3. Kommentar 3: von friedrich peter peeters

    Das General Motors die uneheliche Tochter Opel los werden will ist schon laenger bekannt, die Gruende sind u.a. man kriegt Opel nicht integriert bei General Motors, es bleibt ein Fremkoerper, dazu versteht General Motors nicht den Automarkt in Europa, weiter, es werden nur Verluste produziert, und weiter PSA/Pegueot verdient richtig Geld, kann also cash bezahlen. Dau kommt Trump im Spiel, er will das vagabondierende Geld der amerikanische Multi-Unternehmen nach Amerika zurueck haben. Und wie?. Mit weniger Steuern. Weniger als in Irland, Luxemburg, UK, und Holland.Normalerweise betragen die Steuern 35% Federal Tax und 4,2% State Taxe, also 39,2. Vermutlich, zu 99 % sicher, zahlen die Firmen mit Fluchtgelder zwischen 5,25 und max 10 % Steuern
    vorausgesetzt man investiert in US. General Motors wird also richtig Geld sparen auf am Verkaufserloes an Pegueot. Uebrigens “ Heim ins Reich “ kommen circa 2,5 Trillionen $ an Gesamt Fluchtgelder.

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