Jetzt hat sie es getan

15.12.2016 17:12 | Stefan Wolff

Wenn die Aktienkurse steigen, weil die Zinsen steigen, dann hat die US-Notenbank wohl alles richtig gemacht. Janet Yellen hat geliefert, was inzwischen alle erwartet haben. Ein Jahr lang hat die Notenbankchefin diesen zweiten Zinsschritt herausgezögert, verschoben, vertagt. Jetzt ist die Zinswende endgültig eingeläutet worden. Und alle freuen sich.

Die Freude ist Resultat der Erwartungen. Denn wenn die Fed erneut gekniffen hätte, wäre das nicht gut angekommen. Die Kurse wären eingebrochen, weil die Anleger Ungemach vermutet hätten; zum Beispiel, dass die US-Wirtschaft wackeliger dasteht als angenommen. Nun stellt Yellen drei weitere Zinsanhebungen im kommenden Jahr in Aussicht.

Die Frage ist nur, ob sie diesen Kurs beibehalten kann. Zwar hat Donald Trump in seinem Wahlkampf vehement für steigende Zinsen plädiert. Für seine testosterongetriebene Wirtschaftspolitik wird er aber Geld brauchen, viel Geld. Und das bekommt man nun einmal  bei niedrigen Zinsen zu erträglicheren Konditionen. Yellens Amtszeit endet Ende 2017. Eine weitere soll es nach Aussagen Trumps nicht geben. Schon bei der Ministerwahl hat er ja eine gewisse Affinität zu Goldman Sachs aufschimmern lassen.

Bleibt die Fed bei ihrem Kurs, dann schließt sich die Frage an, wie lange die EZB sich diesem Sog wird entziehen können. Theoretisch hängt sie natürlich nicht von Entscheidungen der Fed ab. Jedoch ist es nicht sehr ratsam, die eigene Währung dem freien Fall zu überlassen, wenn gerade die Ölpreise wieder anziehen. Schließlich wird die Ölrechnung in Dollar beglichen. Für Exporteure können die vermeintlichen Währungsvorteile schnell zum Nullsummenspiel werden.

Auch bei den Banken könnte die Freude über die Zinswende schnell in ihr Gegenteil umschlagen. Natürlich versprechen höhere Zinsen tendenziell höhere Gewinnmargen. Doch gerade die langfristigen Engagements können den Banken und Sparkassen schnell um die Ohren fliegen. Lang laufende Kredite werden mit kurz laufenden Engagements gegenfinanziert. Wenn die Zinsen am kurzen Ende hochgehen, lässt sich so kein Geld mehr verdienen. Bei steil ansteigenden Zinsen zahlen die Kreditgeber am Ende drauf.

Auch an den europäischen Märkten sind Ausläufer der Zinswende angekommen. Es besteht die leise Hoffnung, dass über kurz oder lang auch Geldanlage in Zinsprodukten wieder lohnen könnte. Eigentlich mehren sich die Zeichen dafür. Die EZB allerdings hält weiter dagegen. Dabei zeigt sich die Wirtschaft weitgehend abgestumpft gegenüber den Verlockungen der lockeren Geldpolitik. Das Kreditgeschäft ist jedenfalls nicht eben angesprungen. Investitionen sind immer noch die fehlende Größe im Wirtschaftswachstumskonzert.

Aber die EZB dürfte vor allem die italienischen Banken im Auge gehabt haben, als sie eine Woche vor der Fed-Sitzung das Anleiheaufkaufprogramm verlängerte. Die Geldhäuser sind akut schwindsüchtig, sitzen auf einem Berg fauler Kredite und sind anfällig für Verwerfungen an den Anleihemärkten.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von friedrich peter peeters

    Der Zinsanstieg jetzt in Dezember war zu erwarten. Wichtiger als der heutige Zinsanstieg war die sehr deutliche Ankuendigung weiterer Zinserhoehungen, 2/3, im Laufe von 2017. Ich weisss nicht ob Janet Yellen die neue Regierung schon mal warnen wollte. Das Trump fuer seine Testosteronwirtschaftpolitik ( Toll Herr Wolff) viel Geld gebrauchen wird wird ihm klar sein, Draghi wird ihm bereitwillig bedienen bis Ende 2017, so hat er doch angekuendigt oder……Und Trump wird die Zig-Milliarden der Multinationals zurueck nach Amerika holen, entweder als Investitionen oder als Steuern. Dazu duerften jetzt auch die Fluchtgelder Weltweit und aus Europa Nutzniesser der staendig steigende Zinsen nach Amerika fliessen. Bonds und Aktien werden sich freuen. Draghi wird bald die Puste ausgehen, der $ stand schon heute abend bei 1,041. Und wenn Draghi die Probleme seiner Bankfreunden in Italien nicht loest und es zu einem Run auf die Paschi-Bank kommt, dann steht es vor Weihnachten Dollar/Euro 1/1. Das waere dann das Weihnachtsgeschenk der ECB. Dann wird der Unternehmenskauf fuer Chinesen und Amerikaner besonders interessant. Entschuldigung das ich sarkastisch werde, aber es ist schon ein Aergernis den Werteverfall des Euros zu erleben.

  2. Kommentar 2: von Stefan

    Ist doch klar warum Yellen bis nach der Wahl gewartet hat. Jetzt hat die Fed einen Sündenbock ( Trump). Er wird der Konkursverwalter der USA werden.
    Der Konkurs der USA wird jetzt mit Vorsatz herbeigeführt.Wenn jetzt genug
    Kapital in die USA zurückgeflossen ist wird der Resetknopf gedrückt, nur der
    Markt peilt die Lage noch nicht. Bis es zu spät ist.

    MfG

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