Der Bremser geht von Bord

24.06.2016 14:06 | Stefan Wolff

Tagelang hatten Anleger auf einen Verbleib der Briten in der Europäischen Union spekuliert. Die Kursreaktion am Tage nach der Brexit-Reaktion zeigt deutlich, dass Wetten auch verloren gehen können. Großbritannien hat entschieden. Das Land wird die EU verlassen. Die “splendid isolation” ist nah.

Es wird eine schmutzige Scheidung. Zwei Jahre sind nun Zeit, um die Bedingungen für die Trennung auszuhandeln. Es drohen Zölle, Einfuhrbeschränkungen und andere Handelshemmnisse. Vermutlich wird ziemlich viel Geld von der Insel abfließen. Deutsche Bank-Chef John Cryan hat im Vorfeld der Abstimmung gesagt, im Falle eines Brexit würden viele Kunden keinen Sinn darin sehen, in der Londoner City Euro-Anleihen zu handeln.

Börsen-Fusion überhaupt noch sinnvoll?

Als führender Devisenhändler der Welt dürfte der Einfluss der Deutschen Bank nicht zu unterschätzen sein. Auch andere Finanzinsititute dürften ihre Zelte in London zumindest verkleinern. Die Deutsche Börse sollte ihre Fusionspläne mit London noch einmal überdenken. Frankfurt kann auch aus eigener Kraft zum führenden Finanzplatz in Europa heranwachsen. Die nun eingetretenen Rechtsunsicherheiten dürften einen Zusammenschluss erschweren und den Erfolg weniger planbar machen.

Die heftigen Kursverluste sind natürlich nicht nur das Resultat einer verloren gegangenen Wette. Das Wirtschaftsklima in Europa wird sich eintrüben. Unternehmen, die in Großbritannien gute Geschäfte machen, gehören zu den stärksten Verlierern an der Börse, wie eben die Deutsche Bank, die ein Fünftel ihrer Unternehmensgewinne in der City erwirtschaftet. Oder eben die Versorger, die in Großbritannien aktiv sind. Und natürlich die Autohersteller. Nicht nur, dass diese wegen der großen Verunsicherung der Verbraucher damit rechnen müssen, weniger Neuwagen mit Rechtslenkung abzusetzen.

Der Bremser geht von Bord

Und politisch? Ein “Weiterso” kann es nicht geben. Der Austritt eines so großen Landes aus der EU ist ein historischer Einschnitt. Und im Falle Großbritanniens eine historische Chance. Der Bremser geht von Bord. Das bedeutet auch, dass der Zug mehr Fahrt aufnehmen kann. Die Briten waren personifizierte Extrawurst. Die Antwort auf den Austritt kann nur heißen: Mehr Europa. Die Zeit dafür ist reif.

Für die Politik wird das eine Mammutaufgabe sein. Den Populisten, die in Großbritannien einen Pyrrhussieg errungen haben, darf der Raum nicht gelassen werden, den sie sich in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und anderswo erobert haben. An die Spitze müssen sich wieder begeisterte Europäer setzen, nicht irgendwelche Ärmelschoner, die nur Verwaltungsakte tätigen und über Gurkenlängen diskutieren.

Gemeinsame Verteidigungspolitik, gemeinsame Wirtschaftspolitik, gemeinsame Flüchtlingspolitik sind möglich. Als Belohnung winkt ein gemeinsamer Markt, der zukunftsfähig ist.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Tri Komplex

    Bravo Herr Wolff! Ich bin ja nicht oft Ihrer Meinung, aber diesmal haben Sie ins Schwarze getroffen.
    Für ein Europa der „Willigen“, das dann auch wirklich Fahrt aufnehmen kann, dürfte es meinethalben noch ein paar weitere Austritte aus der EU geben; ob mit oder ohne Referendum ist mir dabei wurscht.

  2. Kommentar 2: von Don Fitzgerald

    Das trifft nur sehr bedingt der Punkt. Gerade die Menschen in London haben dafür gestimmt zu bleiben, weil die die Vorteile kennen.
    48 Prozent wolten bleiben – und wenn es nicht für eine Miserabele Kampagne durch Cameron, wäre es anders gelaufen.

    Ich verstehe die „Bremser“ Kommentar nur bedingt. Die waren kritisch…… was auch gut ist.

    Aber sonst, teile ich Ihrer Meinung.

  3. Kommentar 3: von Kristof

    Ein „Weiterso“ kann es tatsächlich nicht geben, Ihre „Schlussfolgerung“ hört sich aber genau so an und Sie wollen sogar, dass noch Fahrt aufgenommen werden soll. Vielleicht nicht besser mal das Volk auch bei uns fragen?

    „Die Wähler haben einen Sieg errungen“, muss es heissen, und nicht, „die „Populisten“ haben einen Phyrrussieg errungen“. Die Briten machen jetzt ihr Ding!

    Eine ‚gemeinsame‘ Währung haben wir schon und die ist ein Desaster, und jetzt noch mehr ‚gemeinsam‘? Immer noch nicht den Schuss gehört?

  4. Kommentar 4: von gm

    dem kann ich nur zustimmen. Entweder dabei oder nicht. Nur halb geht nicht. Das gilt auch für die Anderen die nur die Rosinen wollen aber bei den Pflichten oder unangenehmen Teilen sagen “ das geht uns nichts an“.

  5. Kommentar 5: von Kristof

    Nachtrag: Der Schweiz geht’s doch gut, oder? Wieso soll es den Briten also durch den Austritt schlechter gehen? Vielleicht bilden sich auch neu Koalitionen, Vereinigtes Königreich, Schweiz, Island und bald weitere?

  6. Kommentar 6: von K

    Nich ein Nachtrag: Der FTSE100 hat im Gegensatz

  7. Kommentar 7: von Kristof

    Der FTSE100 hat im Gegensatz zum Stoxx50E und DAX kaum Federn lassen müssen, die Briten liegen mit ihrem Austritt aus der EU vielleicht goldrichtig.

  8. Kommentar 8: von Ein Deutscher Bundesbürger

    Emotional tut mir der Austritt der sehr, denn England ist für mich immer ein fester Bestandteil der EU gewesen. Oft habe ich über ihre ständigen Extrawünsche gemeckert und trotzdem: So ist Demokratie!
    Für mich ist England jetzt nicht mehr Teil unserer Gemeinschaft und wir -EU- sollten die Chance für die Zukunft nutzen, denn gemeinsam können wir sehr sehr stark sein…

  9. Kommentar 9: von Fay Valentine

    England hat gezeigt, dass es einen Ausgang aus dem EU-Verein gibt. Ich hoffe für Europa, dass auch Griechenland, Portugal, Italien, Spanien, Frankreich, Holland und natürlich Deutschland diesen Ausgang in nächster Zeit nutzen werden. (Also alle Staaten, die die Stabilitäts-Kriterien nicht mehr erfüllen, bzw. diese die erfüllt haben).

  10. Kommentar 10: von Klaus Hommel

    Lieber Herr Wolff,

    Sie sprechen mir aus der Seele und ich möchte den Brexit auch als Chance verstehen, die es ermöglicht ein Bürger-Europa zu gestalten. Es wäre auch wichtig, daß man den Staats- und Regierungschefs die Chance nimmt, die EU für alles das in die Pflicht zu nehmen, was sie befördert haben.

    Ich möchte neben aller Häme gegenüber Großbritannien an dieser Stelle zur Mäßigung aufrufen. Etwa die Hälfte der Briten hat gegen den Brexit gestimmt. Großbritannien sollte in der Zukunft eine Option haben in Europa einen Platz zu finden, aber als Gleicher unter Gleichen!!!!

  11. Kommentar 11: von gerdottp

    Ganz meine Meinung.
    Ich hoffe auf eine gemeinsame Außenpolitik, Verteidigungspolitik und Finanzpolitik in der „Rest-EU“.

  12. Kommentar 12: von Manfred Malik

    Ein wichtiges europäisches Land geht von Bord – schade.
    Es ist aber auch ein Hinweise, dass das Gewähren von Extrawürsten keinen Erfolg hat. Wer nicht vom gemeinschaftlichen Tun überzeugt ist, den kann man auch mit noch so vielen Vergünstigungen nicht halten.
    Das sollte allen Mitgliedern klar sein; auch den Institutionen. Besonders den östlichen und südöstlichen Anreinern zu Deutschland sollte das Rosinenpicken erschwert werden – nehmen ja aber geben nein, das geht so nicht.
    Betrachten wir das Ganze auch als Chance für einen Neustart.
    Es müssen klare Handlungsfelder benannt werden, in denen die Gemeinschaft Gas gibt (Außengrenzen, Verteidigung, Jugendarbeitslosigkeit, ..) und die Felder, die die Mitgliedsstaaten eigenverantwortlich bearbeiten. Da entstünde dann Wettbewerb um die besten Ideen oder Lösungen. Das brächte uns alle voran.
    Und sind wir mal ehrlich, alleine sind die kleinen Staaten in Europa (<100Mio Einwohner) der Bedeutungslosigkeit nahe.
    Mal sehen, was die nächsten Monate alles bringt.

  13. Kommentar 13: von M.B

    Es wurde mit dem BREXIT mal wieder deutlich, dass die Bevölkerung in viele Dinge nicht mit einbezogen wurde. Das sehen wir in den USA mit Trump oder auch in Deutschland mit der AFD, oder oder ……. . Das Wesentliche, was jetzt noch keiner kommuniziert hat, ist dass die Unternehmensführungen ebenfalls jetzt 2 Jahre Zeit haben sich neu zu positionieren. Und glauben sie mir, nicht wenige Unternehmen werden sehr schnell ihren Unternehmenssitz in ein EU Land verlagern, um die gleichen Vorteile zu erhalten wie bisher und das auch noch ohne Wechselkursrisiko.

  14. Kommentar 14: von Ernst Frommeyer

    Der Beitrag von Herrn Wolff ermutigt insofern, da er auf neue Chancen setzt und die Miesmacherei erheblich in die Schranken verweist. Nach vorne schauen ist das Gebot der Stunde.

  15. Kommentar 15: von Europäer1971

    Endlich ist Schluss mit der Extrawurst. Liebe Engländer (nicht Briten, denn die Schotten sind schlauer!), Europa hatte 60 Jahren Frieden! Eine lange Zeit, wie sie kaum in der früheren Geschichte Europas vorkam! Ihr seid die ersten, die diese Harmonie durch Egoismus gefährdet! Gerade die älteren Engländer, die wissen was Krieg bedeutet, haben in geistiger Umnachtung gegen den europäischen Geist gestimmt! Schande über Euch! Ich hoffe Schottland trennt sich von GB und Nordirland vereint sich mit dem restlichen Irland.
    Dann, liebe Engländer, könnt Ihr Euch auf Eurer Insel einkuscheln und beobachten wie zunehmend isoliert Ihr seid, währende das restliche Europa wirtschaftlich und moralisch an Euch vorbeiziehen wird!

  16. Kommentar 16: von Europäer1971

    …ach ja, ich vergass: Lieber Herr Trump, bitte mischen Sie sich mit ihrer geistigen Beschränktheit nicht in die Weltpolitik ein: Sie wissen vermutlich nicht einmal wo Europa liegt….

  17. Kommentar 17: von Europäer1971

    ..warum haben eigentlich alle Europakritiker so komische Frisuren? Boris Johnson, Donald Trump, Geert Wilders….
    Deutet eine äußerliche Kopf-Verwirrung auch auf eine innerliche hin???

  18. Kommentar 18: von WILK

    IM NOVEMBER 1972 VERBRACHTE ICH EINEN ANGELURLAUB IN IRLAND. ABENDS VERFOLGTE ICH BEI BBC DIE WETTERVORHERSAGE FUER DEN
    NÄCHSTEN TAG. MAN PROGNOSTIZIERTE FUER GREAT BRITAIN STARKEN
    NEBEL. DAS HOERTE SICH SO AN :
    THE CONTINENT WILL BE CUT OFF FROM BRITAIN.
    GENAU DIESE COMMONWEALTH HYBRIS UND DIE NEIGUNG PERMANENT AUF
    IHREN VORTEIL BEDACHT ZU SEIN MACHT SIE NICHT ZU SYMPATHIETRAEGERN IN EUROPA – THE CONTINENT KANN AUF SIE VERZICHTEN.

  19. Kommentar 19: von Andreas Bollmann

    Der Brexit wird einen Dominoeffekt in vielen osteuropäischen Ländern auslösen. Ich bin immer noch entsetzt und wütend über die Flutung unseres Landes mit sogenannten Flüchtlingen und meide seither öffentliche Plätze. Hätte ich eine Wahl, so würde ich allein aus diesem Grunde auch für einen Austritt Deutschlands aus der EU stimmen.

  20. Kommentar 20: von Martin

    Wolf’s Kommentar ist der erste, der mir aus dem Herzen spricht. Das Problem der EU war nicht zu viel Gemeinsamkeit sondern zu viel Rosinenpickerei. Für mich ist der Brexit die größte Chance der letzten 30 Jahre. #17: Habe herrlich gelacht.

  21. Kommentar 21: von willi

    Warum fällt die Börse London um ca. 3% und die dt. Börse um ca. 7% ?
    Ich dachte England hat zukünftig so viele Nachteile?

  22. Kommentar 22: von Future

    Hallo Herr Wolf,

    eine sehr schöne Analyse.
    Ihren Schluss finde ich allerdings leider äußerst bedenklich. Glauben sie wirklich, dass man für gemeinsame Politiken, die auf gemeinsam gefühlten und gelebten Werten beruhen, eine Belohnung braucht? Aber es erklärt, warum Sie keine Antworten auf die Unzufriedenheit der Menschen finden. Wirtschaftstheoretische Antworten und Lösungen beantworten emotionale Fragen und Probleme nicht, die Menschen nun einmal auch haben. Kein Wunder, wenn sich die Menschen unverstanden fühlen und sich bei den Populisten Luft machen. Insofern zeigt der Brexit deutlich -auch wenn ich ihn bedauere-, dass die EU eine reine Wirtschaftsgemeinschaft ist, die von gemeinsamen Werten weit entfernt ist. Hier geht es nur um das Geschäft. Das zeigt alleine schon die Flüchtlingsdiskussion. Wenn also EU -was ich sehr befürworten würde- bitte endlich einmal eine Werte-EU.

  23. Kommentar 23: von Germane 46

    Vielleicht waren die Briten nie richtige Europäer, fühlten sie sich doch mehr an der Seite der USA und wollten nur die wirtschaftlichen Vorteile der EU nutzen
    sonst jedoch frei sein, nun gönnen wir ihnen doch die Freiheit, die Schweiz hat
    sie doch auch und kämpft und kämpft.

  24. Kommentar 24: von Bengalo

    Ist es nicht ein Feuerwerk, dass mit geknalle und nicht überlegten Handlungen die Engländer ihre Chancen vertan haben. Dann müssen sie auch damit leben das man ihnen früher oder später bei den Verhandlungen, wenn es im Fall TTIP kommen sollte, ihre Grenzen aufzeigen werden. Jeder der in einer Situation gelebt hat, wo ihm das Wasser bis zum Halse stand, einen Rettungsanker gesucht hat. Wenn es einem „Gut“ geht, dann braucht man solch einen Rettungsanker nicht. Nur wie lange. Es gibt Phasen, wo es aufwärts geht und umgekehrt. Doch haben die britischen Beamten die EU als Melkkuh benutzt. Auch wenn die mit die Nettozahler waren, aber nur wegen des Finanzplatzes London. Dort haben die das Geld verdient. Wo auf dem Lande konnte man Geld verdien, bei der Kuhwirtschaft oder bei der Schafzucht. Das Öl und Gas was gewonnen wurden ist – 82 Prozent des Exportes erwirtschaftet -, liegt vor der schottischen Küste. Mal sehen was die Schotten nun machen. Gewinnen diese den Absprung von England, dann bin ich gespannt, was die Engländer dazu zu sagen haben. Hoffentlich kommt es nicht zu dem Konflikt um die Rohstoffressourcen. Da liegt ein Konfliktpotential und die oder der König ist dann gefragt. Jetzt zeigt sich wieder einmal, dass die Politiker den Schritt machten, um alles in frage zu stellen und dabei Konflikte auslösen können, die nicht mehr beherrschbar sind, wie im Irak, Syrien, Kurden etc. Damit bleibt es wahrscheinlich nicht bei den Bengalos.

  25. Kommentar 25: von Hermann

    Jetzt sind die ersten Querulanten und Extrawürste aus der EU ausgetreten. Hoffentlich kommen noch ein paar weitere dazu, damit endlich Ruhe einkehrt und die EU in kleinerem Umfang konsolidiert werden kann. Auch ein absoluter Aufnahmestopp ist wichtig.

  26. Kommentar 26: von fosten

    warum löscht ihr Komiker hier Sachen?
    warum verliert der englische Index viel weniger als der Deutsche?
    Welcher Schlauberger weiß das?
    Es heißt doch immer die Britenschiessen sich ins Knie?
    Doch nicht so? hahahahahahahahaha

  27. Kommentar 27: von werner Niehaus

    Wettbewerb ist gut. Warten doch mal ab, wo in naechster Zeit mehr Wachstum entsteht. Die Briten haben es gewagt, sich den immer staerker werdenden Regulierungsdruck der EU Buerokratie zu wehren. Eine mit Subentionen begleitete Wirtschaft- und Strukturpolitik fuehrt selten zu einem gesunden und stabilem Wachstum. Bruessel muss Umdenken und die Briten haben die Nachricht uebermittelt.

  28. Kommentar 28: von Rolf Damoune

    die Engländer haben den Populisten geglaubt dass nur Nachteile aus Europa kommen und nur der Austritt zum Wohle des Landes ist. Nun sollte Europa auch zeigen dass der Austritt der größte Fehler der Engländer war. Doch ich glaube nicht dass die Herren Politiker aus Europa und im besonderen aus Deutschland( Frau Bundeskanzlerin) die Härte zeigen werden.

  29. Kommentar 29: von friedrich peter peeters

    Ich denke man sollte die Situation nüchtern analysieren. Die EU wird in den kommenden Jahren die extreme Kosten für die Ost- und Südstaaten nicht mehr tragen können, die Zahl der leistungsfähige Staaten wird kleiner. Damit wird die EU für die Süd-und Oststaaten an Attraktivität verlieren. Sie werden aussteigen oder eine andere Form der Zusammenarbeit suchen. Der Export in den EU Ländern und nach Grossbritannien wird hierunter deutlich leiden. Dies wird schon in 2017 spürbar sein. Ob eine kleinere und stärkere EU úberlebt und in welcher Form ist fraglich, siehe die politische Entwicklung in einigen Ländern. Die EU muss hierzu wesentlich mehr beitragen.

  30. Kommentar 30: von Edi Zwickenpflug

    In Bezug auf die Bankenkontrolle wird sich der Austritt sicherlich positiv auswirken, da es ja ein offenes Geheimnis ist, daß sich die USA und Großbritannien im Schulterschluß ständig einer Bankenkontrolle verweigert haben. Im Sinne des EU-Gedankens wäre es meiner Meinung nach sowieso von Vorteil vom Austrittsthema hin zum Ausschlußverfahren zu kommen.
    Ein System wird auf die Dauer nur funktionieren wenn Systemverweigerer
    auch von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden können.
    Und wem heute der EU-Gedanke im Jahre 2016 immer noch suspekt erscheint,
    dem empfehle ich einen Gang über die Soldatenfriedhöfe von Verdun.

  31. Kommentar 31: von Jockel

    Die EU verliert viel mehr als England.

    Dem Appell, die Briten mögen jetzt schnell machen, fehlt jede Rechtsgrundlage sie zum Anziehen des §50 zu verpflichten.
    Das Referendum war eine rein innerbritische Angelegenheit und betrifft nicht das Außenverhältnis zur EU.
    Sie werden nicht nur Kricket spielen, sondern auch mit der EU und haben dafür nun alle Zeit der Welt.

    Dass die EU es mit sich machen lässt, hat sie ja schon oft genug bewiesen.
    Und am allermeisten gegenüber den Brieten.
    Sie ist einfach zu schwerfällig, kopflastig und in sich zerstritten.
    Die ehemals heheren Werte sind zu durchscheinenden Feigenblättern verkommen.
    Die Friedensdividende erscheint den Menschen wie ein Honeypott, an dem man sich bedienen kann, ohne selbst etwas dafür zu tun.
    Mit den so angelockten neuen ‚Freunden‘ und unkritisch einverlaibten jüngeren EU-Mitgliedern haben wir die innere Zerrissenheit der EU nur noch gesteigert.

    Was ist uns geblieben von „Einigkeit und Recht und Freiheit“ oder von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“?
    Ich denke, wir haben auf allen Feldern verloren:
    Heute schaut ein jeder auf ein glattes Profil und auf sein eigenes Konto.

    Mit den Brieten gingen nicht nur Bremser von Bord, sondern auch Partner, Türöffner und Brückenköpfe.
    Ich wette, dass die EU sich kaum wird einigen können, welchen Rang Englisch als Amtssprache künftig wird haben dürfen!

    Die Briten haben nicht überlegt gewählt und sind nun selbst ein bisschen erschrocken.
    Es war eine Trotzreaktion mangels Identifikation und Teilhabe.

    Dem Wunsch nach mehr Europa schließe ich mich gerne an, aber das geht nur mit mehr Demokratie und weniger Kompliziertheit.
    Bis so etwas kommt, wird noch viel Wasser durch den Rhein fließen und noch mehr durch den Ärmelkanal.

  32. Kommentar 32: von friedrich peter peeters

    Herr Wolff, Ihr Appell für mehr Begeisterung für Europa würden wir ja gerne nachkommen, aber es wird uns immer schwieriger gemacht. Wie soll ich mich denn für einen Herrn Juncker begeistern, der nicht in der Lage ist ein Minimum an Perspektive für Europas Zukunft aufzuzeichnen, der nicht mal in der Lage ist seinen Laden zu organisieren, der defacto Erfüllungsgehilfe der Finanzindustrie und Multinationals ist und denen dafür noch Steuerfreiheit gewährt. Dies zu lasten des Mittelstandes und der kleinere Unternehmen, die letztendgültig der grösste Arbeitgeber sind.In den meisten Länder werden sie konsequent kaputt gemacht, nicht nur in Deutschland. Steuersenkungen auf breiter Basis wären möglich wenn die Multis ihre Steuern zahlen würden. Am meisten ärgert mich aber das Europa verkommen ist zu einer Diktatur wo nur die Multis und Finanzindustrie das Sagen haben. Nicht mal der Anschein einer Demokratie wird gewahrt. Herr Wolff auch die Presse hat in ihrer unkritische Haltung hier versagt. JA zu Europa, aber so nicht.

  33. Kommentar 33: von pauline

    Schon jetzt hat die deutsche Börse die Informationen für den kleinen Anleger eingeschränkt. Anstatt das orderbuch auch für den TEC-DAX und andere Märkte zu erweitern, ist es für den DAX praktisch nciht mehr auffindbar.

    Wäre sie ohne den Brexit nach London umgezogen, spielte der kleine Anleger für sie überhaupt keine Rolle mehr. Der soll gefälligst Fonds kaufen und auf diese Weise die großen Banken noch reicher machen.

    Eine Börse, die einen Makrtplatz darstellen soll und früher mal wollte sieht anders aus.

  34. Kommentar 34: von Klaus van Wahnen

    Lassen wir mal die Kirche im Dorf.
    Großbritanien wird auch weiterhin Teil des europäischen Binnenmarktes bleiben. Nur bestimmen die Briten halt nicht mehr dessen Spielregeln mit.
    Auch die Einschränkung der Freizügigkeit ist kein Beinbruch.
    Großbirtanien kann ja mit jedem einzelnen EU-Staat ein eigenes Abkommen vereinbaren. Für Deutsche und Briten wird sich also gar nichts ändern.
    Nur die Staaten im Osten der EU bekommen die rote Karte.

  35. Kommentar 35: von EVANA

    Warum stoppt die BRD (oder Kartellamt) nicht das Vorhaben dieser Holding HLDCO123 PLC ,die Deutsche Börse zu übernehmen &mit der London Stock Exchange Group zusammenzuführen!! Zumindest sollte nach dem Brexit ein späterer Zeitpunkt für eine Fusion gewählt werden ! Ich werde laufend von Dt Börse angeschrieben,doch meine Aktien zu tauschen-möchte ich aber nicht ! Die Londoner machen mit mehr Angestellten weniger Gewinn,als die Deutsche Börse ! Das ist keine win/win Sache für die Dt.Börse ! Aber wie kann man sich dagegen wehren?

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