Bayer kauft sich ein Imageproblem

23.05.2016 13:05 | Stefan Wolff

In Leverkusen bahnt sich die größte Firmenübernahme der Geschichte an, und die Reaktionen fallen eindeutig aus. Monsanto-Aktien steigen in Richtung Übernahmeangebotspreis. Einige Versprengte setzen auch noch auf Gegengebote. Schließlich galt BASF auch als interessiert. Bayer-Aktien gehen währenddessen auf Tauchfahrt. Dabei geht es nicht nur um die geplante Kapitalerhöhung. Viele Anleger werden mit dem anstehenden Deal nicht warm. Sie finden 62 Milliarden Dollar (etwa 55 Milliarden Euro) für Monsanto schlicht zu teuer.

Das düfrte aber nicht das einzige Problem sein. Monsanto selbst sieht sich ja gern als Lebensspender, als Streiter für das Ende des Hungers in der Welt. Monsanto-Gegner beschreiben den Konzern als Todesstern, dessen Mission es ist, Leben zu beherrschen und Vielfalt zu vernichten. Die Diskussion um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat ist dabei nur Spitze des Eisbergs, zeigt aber deutlich, dass Bayer mit seinem Kaufangebot für Monsanto auch jede Menge Konfliktpotenzial einkauft. Das kann zu einem Imageproblem für die normalerweise relativ wohlklingende Marke Bayer werden.

Warum also tut sich Bayer das an? Die Antwort ist einfach: Weil Monsanto Geschäfte macht, die Bayer in Europa nicht machen darf, die die Leverkusener anderswo aber schon machen. Nur ist ihnen Monsanto in vielen Bereichen voraus.

Als großes Ziel steht das Doppel-Monopol. Monsanto und Bayer können Saatgut für Pflanzen liefern, die sich nicht von allein vermehren und die passenden Mittelchen dazu, die der Landwirt versprühen muss, damit die Pflanzen überhaupt überleben. In bestimmten Bereichen lässt sich dann eine marktbeherrschende Stellung quasi gar nicht mehr vermeiden. Und: Durch den Erwerb von Monsanto käme der Genmais quasi durch die Hintertür. In Deutschland verpönt, hätten die Produkte ganz andere Potenziale, würden sie von den USA aus in die Welt getragen.

Die ganz große Sorge sollte sein, ob denn ein Bayer-Monsanto Konzern überhaupt in Leverkusen noch eine Perspektive für sich sieht. Der Laden steht immer dort, wo die Geschäfte laufen. Die Musik in der Agrar-Chemie spielt ganz klar nicht am Rhein. Die Übernahme könnte der erste Schritt sein für eine Auswanderer-Geschichte.

Ein Beispiel dafür ist die Hoechst AG. Im Zuge der Fusion mit Rhone-Poulenc zog das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Aventis nach Straßburg, um sich dann mit Sanofi nach Paris zu fusionieren. Von Hoechst ist am Main nicht viel übrig.

Damals handelte es sich um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe. Auch wenn Monsanto für Bayer allenfalls ein Juniorpartner ist, könnten die Marktmächte ungeahnte Anziehungskräfte entwickeln.

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Twitter

Seitenanfang

Kommentare

  1. Kommentar 1: von Karl

    Bayer wo bleibt die Ethik-Leitlinie (siehe Bayer-Verantwortung Auszug)

    Erkenntnisse für Mensch und Tier
    Wir führen Tierversuche nur dann durch, wenn wir erwarten, dass die Ergebnisse der Versuche einen wesentlichen Beitrag zu Erkenntnissen leisten werden, die zum Schutz und zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Mensch, Tier sowie dem Schutz der Umwelt dienen. Dabei wird immer eine Abwägung getroffen, ob der erwartete Erkenntnisgewinn sowohl den Einsatz von Tieren als auch die Belastung der Tiere im Versuch rechtfertigt.
    Compliance
    Es ist Grundlage des Bayer-Leitbildes, internationale sowie nationale Gesetze und Richtlinien einzuhalten und anerkannte ethische Grundsätze zur Abwägung der Notwendigkeit von Tierversuchen heranzuziehen. Dies wird durch externe Begutachtung überprüft und durch die hier vorliegenden globalen Bayer-Grundsätze zu Tierschutz und Tierversuchen konkretisiert.

    Und dann kommt Glyphosat über uns und vernichtet alles im Boden und Wasser.
    Nein danke, hoffentlich sehen die Aktionäre nicht nur den Profit.

  2. Kommentar 2: von max

    @Karl: „Und dann kommt Glyphosat über uns und vernichtet alles im Boden und Wasser.“

    Es wäre besser wenn man sich vorher über ein Produkt wenigstens grundlegend informiert und nicht jeden Unsinn der Lobbyisten nachplappert oder sogar noch übersteigert, auch nicht der Lobbyisten von Greenpeace, BUND und anderen.

    Glyphosat ist ein Unkrautvernichtungsmittel und kein Insektizid oder Ähnliches. Von Glyphosat werden weder Insekten, noch Regenwürmer, geschweige denn Mäuse oder andere Säugetiere vernichtet. Nicht einmal die Bakterien im Boden kann Glyphosat vernichten. Ihr Bezug von Glyphosat zu Tierversuchen und Tierschutz ist, unabhängig ob man das Zeug im Essen haben will oder nicht, also völlig daneben.

  3. Kommentar 3: von Health

    Warum streut man das Glyphosat über die heranreifenden Getreidesorten?
    Das soll, wie ich gelesen haben, den Ernteprozess beziehungsweise den Ertrag der Ähren steigern oder die Abreifung zu beschleunigen !
    Also ist das Glyphosat ein selektives Herbizid. Die wirken doch nur gegen spezielle Stoffwechselvorgänge in speziellen „Unkräutern“. Doch dabei werden auch einfache Pflanzen geschädigt, da sie zu einer ganz anderen Gattung gehören. Getreide gehört zu den Gräsern (einkeimblättrige Pflanzen), wilde Stiefmütterchen (Unkraut) gehören hingegen zu den zweiblättrigen Pflanzen. Im Ergebnis ist hier festzuhalten, das auch das Getreide in Mitleidenschaft gezogen werde und es in den Nahrungsmittelkreislauf damit eingeschleust werde.

  4. Kommentar 4: von Subdi

    @max

    Vertreter von Geenpeace und BUND haben das bestimmt nicht behauptet, und das sind auch keine Lobbyisten, sondern umweltpolitische Bürgerinitiativen.

    Natürlich stimmt es nicht, dass Glyphosat „alles in Boden und Wasser“ vernichtet, aber schädlich ist es mit Sicherheit, und der massenhafte, ungebremste Einsatz dient nur der Gewinnmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit.

    Meiner Meinung nach müsste es wenigstens hoch besteuert werden, höher als KFZ-Kraftstoff …

    Monsasnto ist auch aus vielen anderen Gründen die schlimmste Skandalfirma der Chemiebranche, und Monsanto hat dank Lobbyismus großen Einfluss auf die Politiker und die Gesetzgebung der USA.

    Bayer wird diesen Lobbyismus nicht leisten können, solange Bayer in den USA eine ausländische Firma ist. Ein weiteres Argument für die künftige Firma, den Standort Leverkusen und Deutschland als Firmensitz aufzugeben.

  5. Kommentar 5: von Norbert

    Dass Bayer die Verbrecherfirma Monsanto kaufen will ist einfach nur abstossend und peinlich. Geradezu eine Schande für ganz Deutschland.
    Ich zitiere nur einige Schlagzeilen:
    – Skandal: Monsanto spendet 500.000 Dollar an Institut, das Glyphosat für nicht krebserregend hält
    – Monsanto und Co. haben US-Senatoren bestochen um Freihandelsabkommen durchzuwinken
    – Ein Monsanto-Manager hatte im Jahr 2002 versucht, einen indonesischen Behörden-Chef mit einer Zahlung von 50.000 Dollar zu bestechen und dies als Berater-Honorar deklariert. Dieser sollte im Gegenzug auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die gentechnisch veränderte Baumwolle des Konzerns verzichten.

    Jedem halbwegs klar denkenden Menschen muss inzwischen klar sein, warum die Bienen verschwinden, die Vögel stark dezimiert sind und viel weniger Fluginsekten als früher unterwegs sind. Neulich stellte jemand fest, dass vor 20 Jahren die Autos im Sommer nach einer Fahrt auf der Autobahn voller toter Insekten waren. Davon ist nahezu nichts mehr übrig. Ich wette, dass Glyphosat das mitverursacht. In den USA müssen die Bienen schon mit LKW Kolonnen quer durch das Land gefahren werden, damit die Bestäubung noch funktioniert. Wollen wir das in Deutschland auch? Nein zu Glyphosat und zu TTIP!

  6. Kommentar 6: von Vello

    Dieses Unkrautvertilgungmittel gehört schon längst verboten , wird aber durch Lobbyismus weiter im Gespräch bleiben! Wenn der Minister Schmid behauptet, daß dieses Mittel umweltverträglich ist, dann lügt er. Vielleicht hat ihm ein sehr günstiger kostenloser Urlaub dazu verholfen? Die Forscher haben erkannt daß diese Mittel den Krebs fördert! Wenn im Grundwasser und allen sonstigen Produkten und im Körper dieses Gift nachweisbar ist, sollte es einem Menschen zum Nachdenken bringen! Aber beim Geld usw. hört alles auf. Gott wird Sie strafen!

  7. Kommentar 7: von Andi

    Scheinbar ist Glyphosat schon in vielem Trinkwasser, in unseren Nahrungsmitteln und unseren Koerpern nachweisbar, vor allem hier in der USA. Es gibt Studien die behaupten dass es krebserregend ist und andere die das abstreiten. Wobei beides, vor allem dass es über lange Zeit keinen Schaden anrichtet, schwer nachweisbar ist.
    Was hier in den USA niemand abzustreiten scheint ist dass es die Vielfalt der „Nutzpflanzen“ die in der Agrarindustrie angebaut werden drastisch verringert hat. Die meisten sind inzwischen gentechnisch modifiziert um „Roundup ready“ zu sein. Und auch die Vielfalt von sogenannten „Unkräutern“ die auf und um die Agrarflächen gewachsen sind wurden drastisch reduziert. Deren ökologische Funktion fuer andere Lebewesen wird selten beachtet. Mit der Einführung von Roundup ready Sojabohnen und Mais in den 1990’er Jahren fiel zum Beispiel die Monarchschmetterling Population um 90%, da die Pflanze die die Raupe zum leben braucht durch die großflächige Anwendung von Roundup so stark reduziert wurde.

  8. Kommentar 8: von Andi

    Und ich war überrascht dass dieser Expertenbeitrag von einem „Düngemittel Glyphosat“ sprach wenn es doch ein Unkrautvernichtungsmittel ist?!?

  9. Kommentar 9: von Klemens

    Auch wenn Chemie und IT zwei sehr verschiedene Sparten sind: in der IT-Branche zeigt sich viel deutlicher, daß für die Übernahme eines Konkurrenten mehrere Gründe in Frage kommen:

    a) Know How (Handy-Hersteller kaufen Patente, Microsoft hat vor kurzem eine kleine Software-Klitsche wegen herausragende Mitarbeiter gekauft)

    b) Sofort-Umsatz statt langsamer Entwicklung

    c) Image / Konkurrenz ausschalten – entweder eigene Produkte unter „fremden“ Namen „oder fremde“ Technik unter eigenem Namen.
    Wurde von diversen Software-Herstellern gemacht.

    genauso auch bei Nahrungs-/Genussmitteln: Tschibo hat vor Jahren Eduscho gekauft und vom Markt genommen – vor nicht all zu langer Zeit tauchte Eduscho dann als angebliche Konkurrenzmarke wieder auf… Genauso hat Henkel („Persil“) die ehemalige DDR-Marke „Spee“ gekauft, weil die dortigen Hausfrauen an der Marke hingen…

    Was sich die Manager bei Bayer tatsächlich dabei gedacht haben, entzieht sich allerdings dem außen stehenden Betrachter.

  10. Kommentar 10: von Stefan Wolff

    Das war ein Versehen im Eifer des Gefechts. Natürlich ist es ein Unkrautvernichter, der Fehler ist korrigiert. Danke für den Hinweis.

  11. Kommentar 11: von Pullman

    Der 50-60 % Absturz wird eh bald kommen. Es haben sich anhand der Charttechnik 7 Todeskreuze gebildet bei amerikanischen Indizes.Dieses wurde nur zwei mal gebildet, in den Jahren 2000-20001 und 2007-2008.
    Seht euch mal den Kurs von Lehman Brothers und Deutsche Bank an und legt ihn übereinander. 70 Billionen an Derivaten in den Büchern.
    Happy Birthday

  12. Kommentar 12: von friedrich peter peeters

    Bayer ist eine Weltfirma, da geht es nicht nur um das Image der Umweltbewussten in Deutschland. Mit Monsanto kauft sich Bayer Saatgut Know How, den Saatgut Weltmarkt, Umsatz und Ertrag und vorallem für die Bayer-Produkte die noch nicht vorhandene Märkte. Die Aktionäre sollten sich mal nicht so aufregen in einigen Jahren werden sie einen grossen Reibach machen, eine solche Gelegenheit gibt es nicht ein zweites Mal. Ansonsten sollen sie doch sichere Bankaktien kaufen, am besten die DB. Im übrigen auch Aktionäre sind UNTERNEHMER, nicht wahr……..

Schreiben Sie selbst einen Kommentar!

Bitte lesen Sie die Regeln für Kommentare.

Seitenanfang