Autos sind die neuen Banken

26.04.2016 16:04 | Stefan Wolff

 

Es war die Euphorie rund um die “Hochzeit im Himmel”. Die Ehe zwischen Daimler und Chrysler jagte im Jahr 1998 den Kurs der Daimler-Aktien über die Marke von 100 Euro. Solche Höhen wurden seither nie mehr gesehen. Papiere der Deutschen Bank erreichten ihr Allzeithoch Mitte 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Von den damals 102 Euro sind gerade noch knapp 17 Euro übrig (Stand: 26.04.2016).

 

Niedergänge zweier Weltkonzerne an der Börse. Ganz ähnliche Geschichten erzählen auch die Kursverläufe von Volkswagen und Commerzbank. Und die Parallelen sind ganz erstaunlich, wenn man sie von einer Perspektive betrachtet. Es geht um Vertrauen oder besser: um verlorengegangenes Vertrauen.

 

Es war keine wirkliche Überraschung, als klar wurde, dass nicht nur VW bei Abgaswerten geschummelt hat.  Ein Schock war es schon. Die Branche steht nun endgültig unter Generalverdacht. Sollte sich der Skandal ausweiten, dann werden Autoaktien zu den neuen Bankwerten werden. Diese hatten im Zuge der Finanzkrise nicht nur erhebliche Kursverluste wegstecken müssen sondern auch deutlich an Renommee eingebüßt.

 

Erst war es die Enttäuschung darüber, dass viele Institute vor der Krise hemmungslos gezockt haben, dass sie ihren Kunden Produkte aufschwätzten, die sie eigentlich nicht brauchten. Dann kamen die Geldstrafen und Prozesse und die hohen Regulierungsanforderungen, die bis heute dafür sorgen, dass es auch bilanztechnisch nicht rund läuft.

 

Die Folge: Bankaktien haben sich zu Mauerblümchen an der Börse entwickelt. Anleger schrecken immer noch vor den vielen bestehenden Unsicherheiten zurück. Ein ähnliches Schicksal droht nun auch den Papieren der Automobilhersteller.  Es ist kaum zu erwarten, dass die US-Justizbehörden und Gerichte VW (und neuerdings auch Daimler) schnell vom Haken lassen werden. Die Prozesse werden sich ziehen, die Kosten werden sich kontinuierlich erhöhen. Bis der Skandal sich in – dann hoffentlich saubere – Luft aufgelöst hat werden nicht Monate sondern Jahre vergehen.

 

Zumindest VW hat es versäumt, die Sache schnell und geräuschlos beizulegen. Das ist vermutlich auch angesichts des Umfangs nur schwer möglich gewesen. Dieses Versäumnis allerdings strahlt auf die gesamte Branche ab. Während VW Aktien auf einen Schlag verloren haben, hat sich der Niedergang bei Daimler kontinuierlich vollzogen. Chrysler, Mitsubishi und andere Träume vom Weltkonzern kosteten langsam aber sicher Substanz. Ende 2012 schien die Talsohle durchschritten. Die Stuttgarter glänzten mit steigenden Verkaufszahlen, intelligenter Modellpolitik, schienen alles richtig zu machen.

 

Jetzt folgte der Dämpfer. Wie nachhaltig dieser ist, entscheiden die Manager in Wolfsburg und Stuttgart. Verbraucher vergessen bekanntermaßen schnell. Sie verzeihen “ihrer” Marke. An der Börse ist das nicht so. Einmal verloren gegangenes Vertrauen lässt sich nur sehr schwer wieder herstellen.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von M.B.

    Auch wenn es in diesem Bericht nicht so deutlich angesprochen wird, es ist die unausgesprochene Wahrheit. Herr Ackermann fokussierte das Unternehmen und seine Mitarbeiter auf eine Umsatzrendite von bis zu 20%. Hierzu wurden sowohl Legale aber auch Illegale Methoden angewandt. Das zeigt sich jetzt in allen Bereichen des Unternehmens. Die Verursacher dafür sind jedoch schon lange abgetaucht. In der Automobilindustrie sind wir scheinbar erst am Anfang angelangt. Ich frage mich allerdings wer mehr Respekt und Anerkennung verdient hat. Ein Manager der vorsätzlich das Kapital, dazu zähle ich auch die Mitarbeiter, eines Unternehmens aufs Spiel setzt, oder ein Whistleblower der sich für die Enthüllungen auch noch vor den Staatsorganen verstecken muss.

  2. Kommentar 2: von Fay Valentine

    Der letzte Satz von Ihnen war ironisch gemeint .. oder etwa nicht ?? Wenn jemand ein mangelhaftes Langzeitgedächtnis hat, dann ein Börsianer. Die „Hirn“ ist an der Börse selten zu finden. Hier regieren Emotionen wie Angst und Gier.

    Was die Automobil-Konzerne angeht, habe ich keine Angst, dass diese einen Schaden von dieser „Kriese“ davontragen. Öl und damit Bezin ist aktuell billig wie nie. Damit lassen sich prima veraltete Verbrennungsmotoren verkaufen. Solange Elektro-Fahrzeuge teuer sind und das Aufladenetzwerk noch in den Anfängen befindet können unsere deutschen Automobilfirmen weiter ihren Verbrenner-Schrott verkaufen.

    Die Banken haben ihre „toxischen Wertpapiere“ mittlerweile an die EZB verkauft und sind aus dem schlimmsten raus. Das Problem ist nun, mit dem „Nullzins“ noch etwas zu verdienen.

  3. Kommentar 3: von Dax

    selten so einen Schwachsinn gelesen. Typisch ard…

  4. Kommentar 4: von Stefan Wolff

    Welch luzider Kommentar.

  5. Kommentar 5: von schgrueblerxyz

    der Hang zum Geniestreich anstelle von konsequentem kontinuierlichen Arbeiten führt zu den beschriebenen Fehlleistungen. Und als Genie zu gelten ist sehr verführerisch und ist in allen Branchen anzutreffen. Das Problem wird man durch Regulierungen nicht von außen komplett verhindern können sondern nur durch innere Charakterstärke der Führungskräfte.

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