Die Sorgen sind übertrieben

18.02.2016 17:02 | Stefan Wolff

Die Deutsche Börse hat gut Lachen. Die heftigen Kursschwankungen spülen dem Konzern eine Menge Geld in die Taschen. Ganz anders sieht das bei den Anlegern aus. Profis und Private brauchen Nerven wie Drahtseile.

 

Es gibt ein Wort, dass Aktienhändler nur selten in den Mund nehmen. Es lautet: “Panik”. Doch wie anders als mit “Panik” soll man den steilen Kursrutsch der vergangenen Tage und Wochen sonst erklären? Auch die Erholungsversuche fallen entweder zaghaft aus oder aber – wie zuletzt – mit Wucht. Auch eine Art von Panik.

 

Doch wo kommt diese Panik her? So panisch die Märkte agieren, so übertrieben sind inzwischen die Kursverluste. Was in den Boomzeiten nach oben ins Kraut schoss, fällt nun auf der Verlustseite zu sehr in die Grütze. Die Weltwirtschaft funkt langsameres Wachstum. Doch die deutsche Wirtschaft präsentiert sich (noch) robust. Der Konsum bleibt eine solide Säule. Außerdem sind die staatlichen Investitionen angezogen. Die gewachsenen außenwirtschaftlichen Probleme stören da, doch können die Verwerfungen kompensiert werden. Jedenfalls scheinen die aktuell grassierenden Konjunkturängste aus dieser Perspektive überzogen zu sein.

 

Doch die Angst steht im Raum. Anleger fürchten eine erneute Finanzkrise. Der niedrige Ölpreis belastet Förderländer und -firmen. Das könnte, so die Befürchtung, auf deren Kreditgeber, also die Banken abstrahlen. Dass eine einzige Branche den gesamten Finanzsektor ins Tal der Tränen stürzen könnte, ist keine unbegründete Sorge. In den Jahren 2007 und 2008 waren es die Immobilien, dieses Mal könnte es das Öl sein. Die Kosten für die Absicherung von Kreditrisiken (Credit Default Swaps/CDS) sind bei der Deutschen Bank auf den höchsten Stand seit etwa dreieinhalb Jahren gestiegen.

 

Und trotzdem drängen sich die Parallelen, die da gesehen und durchgespielt werden, nur zum Teil auf. Unbestreitbar haben Ölförderer ein Problem. Die Ausrüstungsinvestitionen gehen zurück. Kreditausfälle sind durchaus wahrscheinlich, aber überschaubar. Einer Studie zufolge sind von etwa 500 untersuchten Unternehmen ungefähr 175 von einer Insolvenz bedroht. Die Schulden werden auf 150 Milliarden US-Dollar (135 Milliarden Euro) beziffert. Das ist eine Menge Holz, bedeutet im Umkehrschluss jedoch, dass das Weltfinanzsytem eine Hypo Real Estate könnte verkraften müssen. Das ist machbar.

 

Die Immobilienblase damals war flankiert von einer massiven Spekulationswelle geplatzt. Am Ende lösten nicht die gefallenen Häuserpreise in den USA eine Finanzkrise aus, sondern die unzähligen Verbriefungen und Wetten auf den Häusermarkt, die zum Teil bis heute ihr Zombie-Dasein in diversen Bad Banks fristen. Ein solches Chaos droht dieses Mal mit großer Wahrscheinlichkeit nicht.

 

Sehr viel wahrscheinlicher ist es da, dass an den Aktienmärkten die Zinswende in die Kurse eingearbeitet wird. Kaum signalisiert die US-Notenbank, die nächsten Schritte auf die lange Bank schieben zu wollen, steigen die Kurse wieder.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Finanzmixerin

    Als Anleger sollte man den Kursrutsch als Segen ansehen, wenn man noch ein paar Mittel zum Investieren hat. Es gibt seit langem die besten Kaufgelegenheiten. Selbst Titel die lange schon viel zu teuer waren, sind im Moment teilweise wieder kaufbar. Der nächste Aufschwung kommt bestimmt.

  2. Kommentar 2: von Globalaktion

    Nichts kann einen aus der Ruhe bringen. Die „Märkte“ spielen nicht verrückt, sondern die Investmentbroker in den Banksälen sind die nervösen Spekulanten. Wenn die Positionen aufbauen müssen, um ihr Geld anzulegen, müssen diese dann auch wieder glatt gestellt werden, damit man nicht gegenüber dem/den Vorgesetzten schlechte Zahlen vorlege. Also auf Teufel komm heraus verkaufen, Das ist das Problem. Nicht die Realwirtschaft ist der Schuldige, sondern wie schon angesprochen, die Bankspezialisten und Hedgefonds.

  3. Kommentar 3: von Heiko

    Als Langfristanleger sind Kursrutsche ideal zum Nachkaufen von Aktien, von guten Unternehmen. Es ist ja nicht so, wenn uns wieder mal ein Krise „verkauft“ wird, dass es gleich allen Unternehmen schlecht geht. Gibt es eigentlich eine wirklich echte Alternative zu Aktien? Es gibt ja genügend Unternehmen, die schon über viele Jahrzehnte regemäßig Dividenden zahlen, trotz z.B. schlechter Wirtschaftsdaten. Abgesehen von KRISEN: Wir schlittern doch eigentlich nur von einer Krise in die nächste. Wenn man sieht, wie billig inzwischen jedermann an Geld kommt, dass kann auf Dauer nicht gut gehen. Das ist einfache Logik. Gut, zum Schluss kann man dann vom Himmel Geldscheine regnen lassen :-). Hauptsache Geld ist im Umlauf. Irgendwann, ist auch mal ein Markt für eine Zeitlang gesättigt. Oder sollen wir jetzt alle 6 Monate ein neues Auto kaufen, oder jede Woche ein neues Smartphone oder…….. :-). Ich bin nur mal gespannt, welche Bank es noch in 10 Jahren gibt. So, wie diese Kredite inzwischen vergeben, schlechte Beratungen, keine attraktive Produkte, etc.
    Fazit: Ich finde Rückwärtsgänge an den Börsen mal gut – Endlich mal wieder gute Kaufkurse. Auch wenn es dann doch mal weiter fällt, dann wird eben wieder nachgekauft.
    Ich denke einfach: Leute schließen Lebensversicherungen ab, sparen da monatlich eine Summe X und können z.B. dann 25 Jahre nicht an ihr Geld. So sollte man das auch mit Aktien sehen: LANGFRISTIG.

  4. Kommentar 4: von Amanita Phalloides

    Panik? Bei den Carry-Trades setzen Banken einen margin call, was einen Verkaufsdruck auslöst. Erst dann wäre Panik fällig. Die Ausschläge an der Börse indizieren vor allem perfekte Rechenzentren. Die persönliche Einschätzung ist aus den Bankengeschäften gewichen und zu viele Ahnungslose meinen mit CT am langen Hebel zu sitzen.

  5. Kommentar 5: von Achim

    Schon klar. Mit der Panikmacherei möchte man mit passiven Kleinanlegern auf Bauernfang gehen. Große Fonds und Banken fürchten doch nur ihre Long-Positionen :) Zum Thema Ölpreis: Schon interessant zu sehen, wie die größten ÖL-Förderer der Welt als Akteure im Syrienkrieg auftreten… traurig traurig. Unabhängig davon wie die Situation in Syrien ausgeht… auf langfristige Sicht dürften Long-Positionen im Öl-Sektor für Investoren interessante Positionen darstellen. Auch der CEO Morgan Stanley, James Gorman, sieht den Ölpreis als langfristiges Anlageobjekt.
    Also abwarten und Tee trinken. Wenn die Medien weniger „Börsen-Informationen“ streuen würden wäre alles nicht so schlimm 😉

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