Der billige Euro kann teuer werden

30.11.2015 14:11 | Stefan Wolff

Fast ungebremst marschiert der Euro auf die Parität zum US-Dollar zu. Doch wenn ein Euro einen Dollar kostet, dürfte die Reise noch lange nicht beendet sein.

Eine Währung im freien Fall. Experten gehen davon aus, dass der Euro erst einmal bis auf 80 US-Cent durchgereicht werden könnte. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hat den Boden dafür bereitet. Sie wird auch am kommenden Donnerstag dafür sorgen, dass sich daran nichts ändert.

Angeblich jubeln die Exporteure über dieses umfassende Konjunkturprogramm, doch das ist wie immer nur die halbe Wahrheit. Viele Produzenten sind ihren Märkten gefolgt. Sie stellen ihre Waren vor Ort her. Die Angestellten werden zumeist in der jeweiligen Landeswährung bezahlt. Zuhause wird in Euro bilanziert.

Viele Unternehmen kaufen Einzelteile aus dem Ausland ein, weil dort die Löhne günstiger sind. Gezahlt wird in der jeweiligen Landeswährung oder in US-Dollar. Sportartikelhersteller oder Bekleidungsketten lassen gleich ganz in Asien herstellen. Sie leiden unter einem billigen Euro.

Auch mit Krediten ist das so eine Sache. Gerade große Konzerne haben viele Geldquellen. Ein billiger Euro macht US-Kredite zu einem teuren Geschäft. Und er erschwert die Kalkulation. Auch Mittelständler haben diese Probleme. Viele Investitionen im Ausland können erst gar nicht über die Hausbank finanziert werden. Auslandskredite gehören zum Wachstum.

Last but not least leiden natürlich alle Unternehmen, die Rohstoffe importieren müssen. Öl, Kupfer oder Aluminium werden in Dollar gehandelt. Nicht auszudenken, was passieren würde, würden die Ölpreise spürbar anziehen. Ein Preisschock hätte das Zeug dazu, die deutsche Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen.

Und dem Verbraucher eine kalte Wohnung zu bescheren, denn dass ein billiger Euro nur jene treffe, die zum Weihnachtsshopping nach London oder New York jetten, ist natürlich ein Märchen. Steigende Energiepreise kommen in jedem Haushalt an. Eine lang anhaltende Euroschwäche würde auch die Preise für Unterhaltungselektronik und andere Waren, die vornehmlich aus Fernost kommen, verteuern.

Als der Euro das letzte Mal so schwach war wie heute, sahen Beobachter dies als Zeichen der Schwäche. Der Euro sei eine Weichwährung, hieß es damals. Der Wechselkurs spiegele nicht nur die wirtschaftliche Schwäche der Region (gemeint war vor allem Deutschland) sondern auch das tiefe Misstrauen der Devisenhändler dieser Welt in die Gemeinschaftswährung.

Was damals schlecht beleumundet war, gilt heute als eine Tugend. Dabei ist doch völlig klar, dass es selten eine gute Idee ist, mit einer weichen Währung die Wirtschaft ankurbeln zu wollen. Unternehmen müssen sich wettbewerbsfähig halten, um bestehen zu können. Das geht zwar auch über den Preis, ist aber nicht nachhaltig.

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Kommentare

  1. Kommentar 1: von Manfred Malik

    Und dann hätten wir endlich wieder eine höhere Inflation als 0,1% und wären der Deflation entgangen, was doch das Ziel ist.
    Ob man dann diese bei den gewünschten 1,9% einbremsen kann, wird sich zeigen müssen – hoffen wir es mal!?
    Die Ölheizungen in Häusern haben derzeit wieder einen Boom, bei einer Investition für die nächsten 20 Jahre – da glauben viele, das Öl bleibt billig!?

  2. Kommentar 2: von Heiko Glienke

    Es wird Zeit, dass der Euro endlich abgeschafft wird. Er hilft weder Europa und schon gar nicht Deutschland. Die ersten Schritte sind mit der sog. Euro-Rettung, dem 3. Hilfspaket für Griechenland und der deutschen Flüchtlingspolitik ja bereits gemacht. Ein weiterer Mosaikstein kommt am Donnerstag durch Herrn Draghi dazu, denn die europäische Schuldenunion wird weiter kräftig aufgebläht. Dieses (fast schon) verbrecherische Treiben ist inzwischen nicht mal mehr dem deutschen Michel vermittelbar. Das Ende von Euro und Eurozone ist sicher, wollen wir hoffen, dass die Folgen halbwegs beherrschbar bleiben.

  3. Kommentar 3: von HR

    Es wird Zeit, dass mal diskutiert wird, was danach kommt:
    die Diagnose lautet ja wohl eindeutig „weltweite Geldblase“.
    Oder ?

  4. Kommentar 4: von Oliver

    Wer redet hier von 0,1% Inflation,haben alle vergessen was der Euro am Anfang wert war?!?Man hat über 2,20$ für einen Euro bekommen.Das war auch die Zeit in der jeder Deutsche seine gesparten Euros in $ hätte tauschen sollen,bevor diese unfähige Ja-Sager Pseudo-Gutmenschen-Regierung und diese hässliche Hackfresse Draghi uns beklaut hat.Denn mal ehrlich,die geilsten Sachen gab es schon immer im Ausland und nicht in diesem Land,das von fettgefressenen Politikern regiert wird,die keine Ahnung von Krieg haben,aber wegen nem Koffer alles absperren lassen,auf unsere Kosten.Diese Fußballer verdienen Millionen und werden doch wohl für so viel Kohle sich mal ein bischen in Gefahr begeben können.Wenn bei uns auf der Arbeit ein Koffer steht den keiner kennt,muß ich trotzdem arbeiten 😉
    Merkel holt den Terror nach Deutschland!

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