Zeichen der Schwäche

13.11.2015 14:11 | Stefan Wolff

Die Börse hat derzeit ganz schön zu kämpfen. Nach einem goldenen Oktober zeichnet sich ein ziemlich trüber Herbst ab.

Langsam aber unaufhaltsam macht sich die lahmende Weltkonjunktur auch hierzulande bemerkbar. Im dritten Quartal wuchs Deutschlands Wirtschaft “nur” um 0,3 Prozent, nach 0,4 Prozent Wachstum im Vorquartal. Dabei zeichnet sich deutlich ab, wohin die Wirtschaft in den kommenden Wochen laufen wird.

 

Vor allem die nachlassende Dynamik in den Schwellenländern bereitet Sorge. Für deutsche Exporteure sind diese Wachstumsregionen zuletzt immer wichtiger geworden. Chinas Wachstum lässt nach, besonders rohstofflastige Märkte entwickeln sich ebenso weniger dynamisch als erhofft. Die Bestellungen aus Ländern außerhalb des Euroraums sind im vergangenen Quartal um 8,6 Prozent geschrumpft. Das wird nicht ohne Folgen für das deutsche Wirtschaftswachstum bleiben.

 

In Deutschland ist die Industrieproduktion überraschend geschrumpft. Der Rückgang um 1,1 Prozent im September dürfte keine Eintagsfliege bleiben. Die Auftragseingänge sind im September um 1,7 Prozent zurück gegangen. Hier deutet sich an, dass weitere Belastungsproben für das Wachstum folgen werden.

 

Neben den Exporten stellen die Unternehmensinvestitionen die zweite Achilles-Ferse der deutschen Wirtschaft. Unternehmen halten sich nach einem kurzen Hoch wieder merklich zurück. Die angespannte Lage in vielen Kundenländern lässt sie nur zögerlich in neue Maschinen und Anlagen investieren.

 

Einzig der Konsum bietet Lichtblicke. Die vielen – aus Arbeitnehmersicht – günstigen Tarifabschlüsse sorgen für mehr Geld in den Taschen. Die geringe Inflation mit niedrigen Sprit- und Heizpreisen trägt ebenfalls zur guten Laune der Verbraucher bei. Auch dieser (erfreuliche) Trend wird sich wohl fortsetzen, zumal der Staat als Konsument stärker auftreten wird. Die Flüchtlingskrise zwingt ihn dazu.

 

Innerhalb Europas läuft es dagegen gemischt. Spaniens Wirtschaft brummt dank der entschlossenen Reformen dort. Italien dagegen präsentiert sich schwach. Frankreich kann wieder ganz zaghaft auf den Wachstumspfad zurück kehren. Diese Entwicklung kann der europäischen Zentralbank nicht gefallen. Die Währungshüter wollen solides Wachstum und werden vermutlich falsche Schlüsse aus der aktuellen Situation ziehen.

 

Es spricht vieles dafür, dass der Einlagenzins weiterins Negative abgesenkt wird. Banken sollen so “gezwungen” werden, ihr Geld zu verleihen, statt es gegen Gebühr bei der EZB zu parken. Bislang war diese Maßnahme nur leidlich erfolgreich. Wenn die Kreditvergabe wieder angestiegen ist, dann liegt das vor allem daran, dass die Unternehmen wieder Mut gefasst haben. Die Lage der Weltwirtschaft gibt aber wenig Anlass dazu.
Aus Börsensicht wächst die Sorge vor einem Ungleichgewicht zwischen Aktienkursen und ökonomischer Realität. Sicher wird die Börse euphorisch auf weitere Lockerungsmaßnahmen reagieren. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass sich diese Begeisterung relativ schnell abnutzt.

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